31.05.2017, 16:15 Uhr

RespekTurtle – Gelebte Tierliebe

In Seebarn am Wagram steht nicht nur das malerische, gleichnamige, Schloss. Die 350 Seelen Gemeinde beherbergt auch Österreichs größte Auffangstation für Schildkröten. Bereits seit fast 25 Jahren kümmert sich der 43-jährige Markus Putzgruber um ausgesetzte oder ungewollte Schildkröten. Sein wunderschönes Haus und der umgebende Garten sind derzeit die Heimat von gut 130 Schildkröten. Das tolle Projekt „Schildkrötengnadenhof“ haben wir besucht und dabei wunderbare Eindrücke sammeln können.

„Viel zu oft verkaufen schlecht geschulte Verkäufer, ohne das nötige Wissen darüber, dass die verschiedensten Schmuckschildkröten auch die verschiedensten Anforderungen stellen, Babys, die oft nur die Größe einer Ein-Euro Münze haben. Es gibt schlechte und gute Schwimmer, Fleischfresser oder Pflanzenfresser, oder Tiere, die unterschiedliche Temperaturen brauchen.“, erklärt uns Markus. Oft wachsen diese Babys ihren Besitzern, im Laufe der Jahre dann, im wahrsten Sinne des Wortes, über den Kopf. Die Größe der Aquarien wird nicht angepasst, oft wird das falsche Futter gefüttert, was teilweise zu Missbildungen führt. „Manche Tierhalter wissen nicht einmal, ob ihre Schildkröte einen Winterschlaf braucht oder ob es nur zu einer Phase verminderter Aktivität kommt.“, führt Putzgruber weiter aus. Die „zu groß“ gewordenen Tiere werden dann leider häufig ausgesetzt oder, im besseren Fall, im Tierheim abgegeben. Ausgesetzte Tiere, so sie überleben, stellen dann ein Problem für das heimische Ökosystem dar und drängen die einzige heimische Schildkrötenart, die europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) immer weiter zurück. Auch Tierheime sind nur bedingt auf die Haltung von Schildkröten ausgelegt und das Wissen über die Panzertiere hält sich meist in Grenzen. „Wir haben daher beschlossen, eine Anlage zu errichten, die den Schildkröten ein möglichst artgerechtes Leben ermöglicht.“, so Markus. Diese wunderbare Anlage ist, in schweißtreibender Handarbeit, auf seinem eigenen Grund und Boden entstanden. Jeder Neuankömmling muss eine gewisse Zeit in einem Quarantänebecken verbringen, bis er für gesund befunden wird und dann, je nach Art, in einen passenden Bereich, sei es Teich oder Wiese, zu seinen Artgenossen kommt. Die Vielzahl der unterschiedlichen Arten ist beeindruckend. Mehr als 25 verschiedene Schildkrötenarten finden sich zurzeit am Gnadenhof. Besonders spektakulär fand ich persönlich dabei die Geierschildkröten, deren Bisskraft, wenn sie ausgewachsen sind, sogar jene des weißen Hais übertrifft.

Im krassen Gegensatz dazu stehen die zierlichen Weichschildkröten mit ihrem ledrigen Panzer. Der Gnadenhof bekam natürlich bereits Besuch von hoher Stelle. So stellten Amtstierarzt Dr. Christoph Hofer-Kasztler und der Sachverständige für Naturschutz Dr. Manfred Pöckl, der Anlage ein gutes Zeugnis aus. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen auf dem Gnadenhof in Seebarn. Es finden immer wieder Tiere, manchmal sogar ganze Gruppen, ein neues Zuhause. Panzertiere sind jedoch nicht die einzigen Tiere bei Markus Putzgruber. Er lebt zusätzlich mit sieben Katzen, einem Hund, drei Papageien und zwei Kaninchen zusammen. Selbstverständlich ist dieses Projekt mit einem, kaum schätzbaren, Zeitaufwand verbunden. „Längere Zeit krank zu sein, oder auf Urlaub zu fahren, kommt für mich nicht in Frage.“, erzählt uns Markus, mit seinem ständig präsenten Lächeln auf den Lippen. So aufwendig die Pflege seiner Tiere auch ist, man merkt bei jedem seiner Worte, wie wichtig ihm die Tiere und deren Wohlergehen sind. Natürlich fallen auch immer wieder Kosten für Tierärzte an, von den laufenden Kosten für Futter und Ähnliches nicht zu reden. Markus und seine Schildkröten sind daher auch auf Spenden angewiesen, jeder Euro erfüllt dabei einen wichtigen Zweck. Wer sich näher mit dem Projekt auseinandersetzen möchte, oder Spenden möchte, dem sei ein Besuch auf der Homepage unter http://www.respekturtle.at/ oder auf der Facebookseite unter https://www.facebook.com/pg/RespekTurtle-Schildkr%... ans Herz gelegt. Wenn man mit Markus Kontakt aufnimmt, findet er, trotz nicht endender Arbeit, immer mal wieder Zeit, Führungen im Reich der Panzertiere zu veranstalten. Das Beispiel aus Seebarn macht bereits Schule, in der Steiermark ist bereits ein ähnliches Projekt im Entstehen.
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