Frauenpower in der Orts-Chefetage

Bürgermeisterinnen-Runde: Angela Baumgartner, Marianne Rickl, Christa Eichinger und Claudia Weber im Gespräch mit Ulrike Potmesil (v.re.)
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Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März baten wir die vier Bürgermeisterinnen des Bezirks zum Gespräch.
Christa Eichinger (Prottes), Claudia Weber (Matzen), Angela Baumgartner (Sulz) und die designierte Groß-Schweinbarther Bürgermeisterin Marianne Rickl sprachen mit den Redakteurinnen Ulrike Potmesil und Karina Seidl-Deubner über Erfolgsstrategien, Wahlkampf, Freud und Leid in der Kommunalpolitik.

Bezirksblätter: Wie haben Sie die heiße Phase des Gemeinderatswahlkampfes erlebt?
Claudia Weber: Schlafend im Bett. Am ersten Tag hab ich die Grippe erwischt und am Freitag vor der Wahl bin ich wieder aufgestanden. Mein Team aber hat ganz toll gearbeitet.
Christa Eichinger: Ich habe ebenfalls auf mein Team vertraut, da ich wegen meiner Krebserkrankung gerade in dieser Zeit außer Gefecht gesetzt war. Umso mehr freut es mich, dass wir (die ÖVP; Anm.) trotz Antreten der Bürgerliste die absolute Mehrheit gehalten haben.
Marianne Rickl: Wir haben ja auf Personenwahlkampf gesetzt, das war eine sehr intensive Zeit, ich habe viele Menschen besucht - eine durchwegs positive Erfahrung für mich.

Bezirksblätter: Werden Sie als "Frau Bürgermeister" selbstverständlich akzeptiert oder immer noch mit Vorurteilen konfrontiert?
Angela Baumgartner: Ältere Männer sind manchmal skeptisch. Und in Sulz waren seit der Bauernbefreiung nur Landwirte im Bügermeisteramt. Aber vor kurzem hat mir ein 96-jähriger Landwirt gesagt: Frauen sind die besseren Menschen.
Claudia Weber: Je länger ich im Amt bin, umso besser wird es. Aber manche männlichen Matzner lassen mir über meinen Vater ausrichten, was ich ihrer Ansicht nach zu tun hätte. Nach dem Motto: Auf den Papa muss sie ja hören.
Christa Eichinger: Nach so vielen Jahren in der Gemeindepolitik kann mich nichts mehr erschüttern. Wichtig ist, sich unter die Leute zu mischen, dabei zu sein - auch im Wirtshaus.
Claudia Weber: Ja, der Kontakt zu den Bürgern ist mir sehr wichtig. Und ich hab zum Glück gute Gene. Es hat schon so mancher Mann vergeblich versucht, mich unter den Tisch zu trinken (schmunzelt).

Bezirksblätter: Die Nähe zum Wähler in der Kommunalpolitik: Fluch oder Segen?
Christa Eichinger: Als Bürgermeisterin muss ich oft genug auch Nein sagen, das lassen mich manche Leute dann spüre. Aber dafür erlebt man auch Erfolge viel persönlicher.
Claudia Weber: Wenn du gewonnen hast, haben dich hinterher eh alle gewählt. Im Dorf ist man halt immer im Blickpunkt der Aufmerksamkeit. Zum Beispiel hält sich seit 15 Jahren das Gerücht, dass mein Mann und ich sich scheiden lassen.
Marianne Rickl: Ich bin aus Breitstetten, gelte somit als Zuagraste. Umso mehr freut es mich, die meisten Vorzugsstimmen erhalten zu haben, das ist eine persönliche Anerkennung.

Bezirksblätter: Ist der weibliche Führungsstil anders als jener der Männer?
Marianne Rickl: Wenn man es so verallgemeinern will: Wir sind teamorientierter, nehmen Vorschläge von anderen leichter an. Der politische Stil der Männer ist aggressiver.
Angela Baumgartner: Wir sind weniger wettkampforientiert, suchen eher Kompromisse - und haben die bessern Strategien (lacht).
Christa Eichinger: Gutes Zeitmanagement ist auch ganz wichtig.

Bezirksblätter: Apropos Zeit. Die klassische Frage die Männer nie beantworten müssen: Wie lassen sich Familie und Beruf miteinander vereinbaren?
Angela Baumgartner: Die Familie muss mitspielen. Mein Mann ist in der Politik und hat viel Verständnis, die fast erwachsenen Söhne übernehmen immer mehr Eigenverantwortung.
Marianne Rickl: Viele berufstätige Frauen gehen mit schlechtem Gewissen aus dem Haus, vor allem wenn die Kinder klein sind. Jetzt sind die Söhne erwachsen, da geht alles leichter. Trotzdem müssen Haushalt, Beruf und Politik unter einen Hut gebracht werden.
Claudia Weber: Ich bin seit fünf Jahren Vollzeitpolitikerin für drei Katastralgemeinden. Im Ort ist man 24 Stunden im Dienst, damit muss man leben. Freizeit hab ich nur, wenn ich wegfahre. Aber wenn meine Tochter auf mich verzichten musste, weil ich einen beruflichen Termin hatte - das hat wehgetan.
Angela Baumgartner: Es funktioniert, wenn man Freude an seiner Tätigkeit hat. Die hab ich mit meinem "Weiberhaufen". (Auch Sulz' Vizebürgermeisterin und die Gemeindemitarbeiterinnen sind weiblich; Anm.)

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