10.09.2013, 00:00 Uhr

Flucht nach Gänserndorf

Josef Radinger schenkt Perspektiven. Hier mit Sayedaha Alokozai, den er unterrichtet. (Foto: Potmesil)
Gänserndorfer Flüchtlingshelfer kaufte eine Wohnung für Jugendliche aus Afghanistan.
GÄNSERNDORF. "Ich mache das aus reinem Egoismus", behauptet Josef Radinger, doch seine Taten widersprechen den Worten. Der pensionierte Sozialarbeiter hat im Zentrum von Gänserndorf für zwei 18-Jährige eine Wohnung gekauft. Die beiden kamen vor eineinhalb Jahren auf der Flucht vor den Taliban aus Afghanistan nach Österreich. In der Wohngemeinschaft für minderjährige Flüchtlinge in Gänserndorf, betrieben vom Verein Menschen.Leben, fanden sie Unterschlupf. Doch die betreute Einrichtung steht den jungen Menschen nur bis zum 18. Lebensjahr zur Verfügung.
"Da musste ich einschreiten", erklärt Radinger. Er hatte für den damals 17-jährigen Sayedaha Alokozai die Patenschaft übernommen und wollte verhindern, dass der junge Mann mit 18 Jahren in irgendeine als Flüchtlingslager umfunktionierte Pension ziehen musste.
Die Miete, die Radinger für die Wohnung bezieht, deckt gerade die Betriebskosten. "Trotzdem gewinne ich mit meiner ganzen Familie sehr viel", meint er. Die positive Energie, die Lebensfreude des jungen Mannes seien ansteckend. Das erlebt Famlie Radinger bei gemeinsamen Ausflügen, beim Wandern, beim Sport. Und nebenbei verbessert Sayedaha Alokozai seine Deutschkenntnisse.
Denn er uns sein Mitbewohner, Saidbashir Naseri, wollen Deutsch lernen, wollen in Österreich arbeiten, Freunde finden und leben. Da der staatlich finanzierte Deutschkurs ebenfalls mit dem 18. Lebensjahr endete, kostete es Radinger einige Mühen, eine Kursteilnahme für die beiden jungen Männer zu organisieren, dazu unterrichtet der engagierte Gänserndorfer selbst sein Patenkind acht Stunden die Woche.
Sein Wunsch: "Ein postiver Bescheid für beide Flüchtlinge, damit die Unsicherheit ein Ende hat." Dazu muss die Asylbehörde von der "Geschichte" der jungen Flüchtlinge überzeugt werden. Radinger hatte daher sogar versucht, Kontakt zur Heimat seines Patenkindes herzustellen. Ein hoffnungsloses Unterfangen. Briefzustellung oder E-Mail-Verehr ist in der Provinz Laghman im Osten Afghanistans, die immer wieder von Anschlägen der islamistischen Taliban erschüttert wird, nicht möglich.
Radinger ist trotzdem optimistisch. Nicht zuletzt durch Sayedaha Alokozais Lebensfreude. Dessen großer Wunsch: eine Tischler- oder Gärtnerlehre. Im Garten der Wohngemeinschaft hat er seine Fähigkeiten als Gemüsebauer unter Beweis gestellt. Wer die Wohngemeinschaft mit (Sach-)spenden oder persönlicher Hilfestellung unterstützen will, kann sich unter office@menschen-leben.at oder
Tel: 02252/508 248 informieren.
Ulrike Potmesil
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