10.03.2017, 09:36 Uhr

Sensationsfund: Mittelalterliches Dorf in Gänserndorf Süd

Gerald Raab ist an der Rettungsgrabung in Gänserndorf Süd beteiligt.

Forscher graben spätmittelalterliches Dorf bei Emmauskirche aus

GÄNSERNDORF-SÜD. Kaum sind die Bagger angefahren, müssen sie auch schon ruhen. Bei den Grabungsarbeiten zur neuen Sparfiliale in Gänserndorf-Süd stießen die Arbeiter auf eine Sensation: Auf dem Gelände wurden Spuren einer spätmittelalterlichen Siedlung entdeckt.

Mittelalterliches Bauernleben

Es handelt sich dabei um ein im 14. Jahrhundert verlassenes Bauerndorf, das vermutlich im Zuge der kleinen Eiszeit und der darauf folgenden Pestepidemien aufgegeben wurde. "Wir wussten schon, dass hinter der Kirche ein Gutshof war, da lag der Verdacht nahe, dass es rundherum noch etwas geben könnte", erklärt Ronny Weßling vom Grabungsteam.
Erste Stichproben lieferten noch keine Bestätigung der Theorie – erst durch die Freilegung eines größeren Areals trat der Fund zu Tage.
Wabenförmig ziehen sich dunkle Erdverfärbungen über das Gelände, das auf ein Wegesystem schließen lässt. Sie führen zu unterirdischen Vorratskammern und Abfallgruben, die für die Archäologen wichtiges Zeugnis über die Essgewohnheiten und damit Lebensweise ablegen. Unter den archivierten Fundstücken sind Tongefäße und Reitersporen. Die Häuser waren aus Lehm und Holzpfählen, von denen einer noch im Ansatz erhalten ist. Auch eine Feuerstelle wurde vollständig ausgegraben.

Drei Wochen Zeit

Rund drei Wochen wurden dem Bundesdenkmalamt, das vor Ort durch die Firma Novetus arbeiten lässt, für die Rettungsgrabungen einberaumt. Ende März soll laut Nicole Berkmann, Spar-Pressesprecherin, der Bau der Filiale planmäßig gestartet werden.
Karina Seidl
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