Vom Meister zum Henker
Volksbühne zeigt erschütternde Familientragödie
- Benjamin Kölli als Hans Gatterer zwischen Familienglück und Räuberleben.
- Foto: Volksbühne Mils
- hochgeladen von Michael Kendlbacher
Wenn die Vergangenheit einen Mann einholt und sein Leben ins Verderben stürzt: Die Volksbühne Mils zeigt mit 22 Darstellern die ergreifende Geschichte des Hans Gatterer, der zwischen Familienliebe und dunklem Schicksal zerrieben wird.
Wer von Hall nach Tulfes fährt, wird auf der Mauer des Hauses an der scharfen Kurve in Volderwald das gemalte Fensterbild mit dem ernsten Antlitz eines bärtigen Mannes erblicken, das erinnert an den einstigen Bewohner Hans Gatterer, der vom ehrbaren Gießereimeister zum Räuber und Mörder geriet und schlussendlich den Tod durch das Richtschwert finden sollte, aber sich als letzten Willen erbat, noch vorher eine Glocke für die Pfarrkirche Mils gießen zu dürfen. Spielleiterin Helga Föger-Pittl richtete in ihrer ambitionierten Inszenierung den Fokus der Erzählung auf das vormalige Leben des Meisters mit Mord und Raub als einstiger Landsknecht und dessen Erpressbarkeit wegen einer grausamen Tat durch den ehemaligen Kameraden und jetzigen Gesellen Langhans, was letzten Endes zur Trennung von Weib, Kindern und ehrbarer Arbeit führt und sein Leben und das seiner Gesellen mit Schande und Tod beendet. In nahezu zweieinhalb Stunden (zwei Pausen) und ca. 12 Szenen präsentiert sich das ganze dramatische Geschehen mit 22 Darstellern (!), davon sieben Frauen plus diversem nicht gezähltem Fußvolk und Soldaten in den Komparserie, davon viele in Debutrollen, aber alle trefflich von der Regie eingebunden. Dass es unmöglich ist, hier auf alle einzelnen Personen des homogen wirkenden Laienensembles einzugehen, sollten doch einige Namen stellvertretend für alle ungenannten Akteure Zeugnis ablegen. Da ist zunächst die Figur des Hans Gatterer, mit Benjamin Kölli ausgezeichnet besetzt, der den Konflikt zwischen seinem Wunsch nach einem ehrbaren Familienleben und dem räuberischen Treiben höchst glaubwürdig interpretiert. Sabrina Engl kann als seine Frau Martha den Widerspruch zwischen Gattenliebe und Loyalität und religiösem Empfinden sehr differenziert zur Geltung bringen, dass ihre zwei kleinen Buam (Luis Oberthanner als Hans, Fabian Anfang als Mucki) gleich die Herzen des Publikums gewannen, ist klar. Wenn nun manche Gäste im Gespräch gemeint haben, dass die fünf rauhen Gesellen nicht so brutal ihren Part mit Gebrüll, wildem Suffgesang und demonstrativer Mordlust bedienen müssten, war dies jedoch ausdrücklich erwünscht und angesichts der Story geradezu zwingend erklärbar, wobei besonders Franz Hauser erschreckend realistisch als Langhans zu beeindrucken weiß, auch Michael Kössler als Mohr, wobei die anderen Herren durchaus mithalten konnten. Eine herausragende Leistung liefert Simon Haselwanter als stotternder und gehänselter Triefaug ab, der den schwierigen Part bis zum Schluss durchhält. Andreas Nigg gefällt als zukehrender Pilger, Hans Messner als Pater Antonius, Maria Hauser setzt sympathisch die Näherin Gretl in Szene sowie Petra Ried als Liesl, Kathrin Klingler gibt der Traudl ein mitfühlendes Herz. Und da sind noch die ganzen Damen und Herren, die alle zur Abrundung des Ganzen ihren Beitrag leisten. Besonders gefallen der Bühnenbau durch ein Dreierteam und der Kerkerbau durch Rüdiger Schafft sowie die stimmige Kostümgestaltung von Helga Föger-Pittl und Team. Ein beeindruckendes Bühnenerlebnis mit vielen begabten Laiendarstellern und originellen Regiewendungen. Gespielt wird bis zum 15. November.
Eine Theaterkritik von
Peter Teyml
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