06.11.2016, 09:14 Uhr

Kreatives Katz- und Mausspiel auf der Bühne

Lisa Wanka (Alice), Michael Huber (Paul) (Foto: Sarah Peischer)

Theater Rum brilliert mit Esprit & Tempo in “Die Lüge”
Theaterbesprechung von Peter Teyml

RUM. Nicht, wie gewohnt, im FoRum, sondern im antiquierten und auch kleinen Saal des Pfarrheims Finkenberg-Rum startete die Herbstpremiere „Die Lüge“ aus der Feder des jungen Autors Florian Zeller, der aber trotz des bayrisch klingenden Namens ein waschechter Franzose ist und seinerzeit mit „Die Wahrheit“ erfolgreich international reüssierte. Spielleiter Martin Moritz hat sich mit Unterstützung von Karin Maier dieses tempofordernde Stück zur Brust genommen und wegen des beschränkten Raumes jene intime Nähe genützt, die einem Kammerspiel sogar zum Vorteil gereicht, speziell die vorderen Ränge sitzen quasi im Wohnzimmer des Geschehens.
In 1 ½ Stunden diskutieren zwei befreundete Ehepaare in turbulenten Szenen und hinreißend raffinierten und entlarvenden Dialogen die Frage, wie viel Lüge im Leben und besonders in der Partnerschaft tragbar, ja vielleicht sogar notwendig ist und sogenanntes Feingefühl allemal mehr bringt als Misstrauen oder Rache. Um die Komplexität dieser Frage zu verdeutlichen, schreiben die 4 Protagonisten ihre Meinungen an die Wand, entfernen sich voneinander, nähern sich wieder und durchleben alle Spielarten von Eifersucht, Gekränktheit und Vergeltung.
Wolfgang Viertl setzt seinen Part als abgebrühter, aber dann auch wieder betretener Verleger Michel geschickt um, Bettina Ellmerer gelingt glaubwürdig die Figur der scheinbar ahnungslosen Laurence, elegant, kühl und sphinxhaft, Lisa Wanka als Alice bewegt sich trotz der enormen Textfülle beeindruckend sicher und authentisch
facettenreich sowie temperamentvoll wie mühelos durch die acht Szenen, an deren Ende die ganzen Fragen und Antworten noch einmal auf den Kopf gestellt werden. Michael Huber als ihr Gatte Paul bietet dazu vielseitiges, komödiantisch sicheres und humorvolles Antworten, sprachlich und gestisch auf Augenhöhe seiner Partnerin.
Ein exzellentes Stück, das trotz der ernsten Thematik Humor und leichtfüßiges Theater bietet und in Rum die kongruenten Interpreten gefunden hat. Und aus den Stühlen mit dem kreativen Buchstabendesign (Reiner Ebenbichler & Co.) formen sich am Ende „Lügenstühle“. Wie das? Das können Sie bis zum 27. November herausfinden.
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