Wiener Herzen: Eine tierisch gute Therapie

Oft zählt eine feste Umarmung genausoviel wie eine ganze Therapiestunde am Schottenhof.
  • Oft zählt eine feste Umarmung genausoviel wie eine ganze Therapiestunde am Schottenhof.
  • Foto: Schottenhof
  • hochgeladen von Mathias Kautzky

PENZING. "Unsere Esel sind nicht stur sondern besonders klug und feinfühlig. Sie sind erfahrene Co-Therapeuten und können sogar so manche Kunststücke, wie Dinge aufheben und bringen, auf ein Podest steigen oder sogar tanzen!“, erzählt Michaela Jeitler, Leiterin des Zentrums für tiergestützte Pädagogik am Schottenhof im 14. Bezirk.

Kinder mit Beeinträchtigungen bauen oft erstaunlich schnell Kontakt zu Tieren auf, während sie vor Menschen oft Scheu haben. So profitieren geistig oder körperlich beeinträchtigte Menschen durch den gezielten regelmäßigen Kontakt mit Tieren ganz besonders: Ihr heilsamer Einfluss ist heute unumstritten. So arbeitet der Schottenhof seit Jahren mit vielen Schulen zusammen, um Kindern mit Beeinträchtigungen bei der Integration in die Gesellschaft zu unterstützen.

Pferde, Esel, Hühner - und viel Liebe

"Am Vormittag gibt es bei uns vor allem Therapiestunden für Kinder, während wir am Nachmittag Integrativprojekte anbieten: Dabei begegnen einander Kinder mit und ohne Beeinträchtigung am Pferdehof, bei unseren Eseln oder draußen bei den Ziegen und Hühnern", erklärt Michaela Jeitler, während sie das Tor zur Pferdekoppel öffnet. Dort mistet gerade Peter-Mario Schinzel aus, der als ehrenamtlicher Helfer seit Jahren am Schottenhof mitarbeitet. "Schon als Kind bin ich hierhergekommen und habe beim Voltigieren und Reiten teilgenommen“, erklärt er, während Andalusier-Wallach Destinado an seiner Jacke knabbert. Heute packt Peter-Mario überall mit an wo gerade Hilfe benötigt wird: Von kleinen Reparaturen bis zur Stallarbeit. "Menschen mit handwerklichem Geschick wie ihn suchen wir immer, denn bei uns gibt's immer was zu tun", erklärt Michaela Jeitler.

Während des Gesprächs hat sich Huhn Anna angeschlichen und zerrt gerade an den Schuhbändern des bz-Redakteurs, die sie offenbar für einen saftigen Wurm hält. "Unsere Hühner können nicht nur im Slalom gehen, sondern haben auch gelernt auf Kommando zu einem Kind auf den Rollstuhl zu flattern und bei ihm vertrauensvoll zum Kuscheln sitzen zu bleiben“, berichtet Michaela Jeitler stolz und weist darauf hin, dass alle Therapietiere am Schottenhof für ihre Aufgaben aufwändig ausgebildet werden. Weil Kinder mit Beeinträchtigungen unterschiedliche Bedürfnisse haben, benötigen nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Therapietiere hohe Kompetenz, die stets mit großem Lernaufwand und entsprechend hohen Kosten verbunden ist.

Freiwillige und Spender werden gebraucht

"Die Therapiestunden müssen zu einem Teil die Eltern selbst bezahlen, allerdings können es sich viele nicht leisten. Deshalb sind wir auf Spenden und Tierpatenschaften angewiesen", erklärt Michaela Jeitler vor der großen Tafel, wo alle Tierpaten samt Foto abgebildet sind. Die Patenschaften kosten je nach Tier unterschiedlich viel - von der Hühnerpatenschaft um 30 Euro bis zur Pferdepatenschaft um 300 Euro - und gelten jeweils für ein Jahr. Auch Teilpatenschaften oder sogar Patenschaften für ganze Therapiegruppen sind möglich.

"Wir sind für jede Unterstützung dankbar. Damit wir auch weiterhin sozial benachteiligten Kindern die Therapie ermöglichen können, müssen wir nicht nur unsere hohen Fixkosten tragen, sondern täglich im Stall und auf der Koppel anpacken. Auch dabei sind tierliebe Freiwillige mit einem Herz für Kinder jederzeit gern gesehen!" bemerkt Michaela Jeitler. Die Kinder danken es mit strahlenden Augen, wenn sie mit den Pferden, Eseln, Schafen, Ziegen, Kaninchen, Meerschweinchen, Katzen und Hühnern am Schottenhof wertvolle Zeit verbringen, lernen oder bei einer festen Umarmung einfach Kraft für den Alltag sammeln.

bz-Initiative Wiener Herzen

"Jeder Mensch, der sich für etwas engagiert, hat eine bessere Lebensqualität als andere, die nur so dahinvegetieren." Bruno Kreiskys Zitat ist direkt, ein bisschen gemein – und wahr. Denn beinahe jeder dritte Wiener leistet in seiner Freizeit unbezahlte freiwillige Arbeit. Diese "Wiener Herzen" stellt die Wiener Bezirkszeitung nun ins Rampenlicht. Warum? Weil es tolle Geschichten sind, mit Menschen, deren Herzen unendlich groß scheinen. Und weil wir Institutionen vorstellen möchten, denen es oft schwerfällt, gehört zu werden. Kennen Sie ein "Wiener Herz", dann schreiben Sie uns an wienerherzen@bezirkszeitung.at.

Themenseite WienerHerzen

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