22.11.2016, 00:00 Uhr

Wird das Welterbe zerstört? Denkmalschützer Wilfried Posch im Interview

So stellen sich Architekten den neuen Parkplatz vor. (Foto: ZOOMVP.AT)

Die Pläne für eine Umgestaltung des Schönbrunner Schlossvorplatzes scheiden die Geister.

HIETZING. Diskussionsbedarf rund um Schönbrunn: An Themen wie einer möglichen Schlossparkprivatisierung oder der geplanten Umgestaltung des Vorplatzes scheiden sich die Geister. Hier soll eine neue Parkfläche für bis zu 52 Reisebusse geschaffen werden – "mit zusätzlichem Grünraum", wie die Betreibergesellschaft des Schlosses betont.

Jetzt meldet sich Wilfried Posch von der Organisation ICOMOS zu Wort, die für die UNESCO über die in Österreich als Welterbe definierten Kultur- und Landschaftsflächen wacht. Im Gespräch mit der bz-Wiener Bezirkszeitung macht er aus seinem Unmut keinen Hehl.

Herr Posch, wie definiert man "Welterbe"?
WILFRIED POSCH: Dabei handelt es sich um Stätten, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind. Das können Denkmäler, Ensembles oder ganze Kulturlandschaften sein. Schönbrunn inklusive des Botanischen Gartens und des Tiergartens hat alle diese Eigenschaften. Der Staat ist verpflichtet, den Bestand und die Wertigkeit des Welterbes für die Zukunft zu sichern – und zwar mit allen Mitteln. Das passiert hier aber nicht.

Was läuft falsch?
Alles wird Privatinteressen untergeordnet. Die Politik beugt sich den Investoren. Das macht das Welterbe kaputt. So behauptet der Tiergarten Schönbrunn, dass er sich aus kommerziellen Gründen ausbreiten müsse. Das läuft aber dem Interesse des Welterbes zuwider. Oder der Vorplatz: Hier gibt es andauernde Lobbyarbeit vonseiten der Wirtschaftskammer. Diese wollte ja ursprünglich Platz für 70 Busse. Immerhin wurde das jetzt auf 52 reduziert. Das löst aber das Hauptproblem nicht.

Was ist das Hauptproblem?
Für ein Welterbe ist es nicht hinnehmbar, dass dort die Abfahrt der Westautobahn vorbeigeht. Das sind 40.000 Pkw pro Tag – ein völliges Verkehrschaos. Am naheliegendsten wäre es, den Verkehr ab der Kennedybrücke unterirdisch zu legen. Doch die Stadt Wien sagt, das sei zu teuer und deshalb nicht machbar. Gegen ein Welterbe sollte das aber kein Argument sein.

Finden Sie mit Ihren Ansichten Gehör?
Gehör finden wir eigentlich nicht. Stadtplaner wenden sich eher an das Denkmalamt, das aber oft gar nicht zuständig ist. Wegen Schönbrunn haben wir schon an Minister Rupprechter und Bürgermeister Häupl geschrieben. Da kommen aber nur nichtssagende Rückmeldungen. Die Stadt könne nichts machen, die Betreiber-GmbH sei zuständig. Dabei ist die Stadt dort Mehrheitseigentümerin. Irgendetwas läuft da falsch.

Welchen Lösungsvorschlag haben Sie?
Es muss endlich einen runden Tisch aller Interessensgruppen zum Thema Schönbrunn geben. Beim Schloss Laxenburg ist es dadurch gelungen, zu einer Lösung zu kommen.
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