26.10.2016, 08:00 Uhr

Martinibräuche & Ganslessen

Die 500 Weidegänse im Familienbetrieb Gschladt werden artgerecht gehalten und fühlen sich auf der Kleewiese pudelwohl. Foto: Josef Messirek

Die Bräuche rund um das Martinsfest haben einen festen Platz im ländlichen Jahreskreis.

BEZIRK (jm). Der 11.11. ist der Gedenktag des heiligen Martins von Tours. Er ist einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche und wurde um das Jahr 316 im heutigen Szombathely in Ungarn geboren.

Laternenfest der Kinder

Ein Brauch, der am Martinstag heute noch gern begangen wird, ist der Martinsumzug. Kinder ziehen mit selbstgebastelten Laternen durch die Straßen und singen Martinslieder. Anschließend wird die Martinslegende nachgespielt. Martin, der einem frierenden Bettler begegnet, seinen Mantel mit einem Schwert teilt und ihn dem Mann gibt. Zum Abschluss erhalten die Kinder Weckerl oder Kipferl, die sich je zwei teilen sollen.

Brauchtum Martiniloben

Eine weitere Tradition ist das sogenannte Martiniloben. Etwa bis zum 11. November dauert die Reifezeit des jungen Weißweines, erst dann überzeugen sich die Weinbauern von der Qualität ihres Weines. Heute gibt es vielfach Weinsegnungen mit anschließender Verkostung des Jungweines.

Gansl als Naturaliensteuer

Der Brauch des Martinigansls geht auch auf eine weitere Martinslegende zurück. Weil man ihn erwählte, Bischof von Tours zu werden, hatte er sich in einem Stall versteckt, wo ihn die schnatternden Gänse verraten hätten. In einem Martinslied heißt es: „Weil sie ihn hab‘n verraten, darum tut man sie braten.“ Daneben war der Martinstag auch der traditionelle Tag des Zehnten (= zehnprozentige Steuer). Die Steuern wurden früher in Naturalien bezahlt, auch in Gänsen, da die bevorstehende Winterzeit das Durchfüttern der Tiere nur in einer eingeschränkten Zahl möglich machte. An diesem Tag begannen und endeten auch Dienstverhältnisse.

Weidegänse artgerecht gehalten

Im Gegensatz zu importierten Mastgänsen bieten landwirtschaftliche Betriebe in Österreich hochwertiges Fleisch von „glücklichen“ Tieren aus eigener Haltung an. „In unserem Betrieb steht das Tier im Vordergrund, und nicht die Fleischproduktion“, beschreibt Doris Gschladt aus Groß Stelzendorf ihren Familienbetrieb, wo 500 Weidegänse gehalten werden. Sie ist Obfrau der Interessensgemeinschaft „Weidegans“, die Rahmenbedingungen für eine artgerechte Tierhaltung vorgibt. „Eine Gans hat mit etwa 100 m² Weidefläche genug Futter und Auslauf“, so die Obfrau. Um Allerheiligen werden die Tiere geschlachtet, und die Kunden schätzen die besondere Fleischqualität.
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