31.08.2016, 08:00 Uhr

Tägliche Turnstunde nach Rio-Flopp

Die tägliche Turnstunde nimmt ihren zweiten Anlauf, nachdem der erste Versuch gescheitert ist.Foto: Josef Messirek

2012 von Faymann versprochen, nach Rio von Schröcksnadel gefordert: die tägliche Turnstunde.

BEZIRK (jm). Immer, wenn Kurskorrekturen in der Gesellschaft oder im Sport vorzunehmen sind, wird nach der Schule gerufen. Das war nach der Null-Medaillen-Bilanz in London 2012 der Fall, und das hat sich auf ähnliche Weise jetzt nach Rio wiederholt. Um die Chancen auf Olympiamedaillen zu erhöhen, müssten die Jugendlichen möglichst im Pflichtschulalter für den Sport begeistert werden, so Rio-Koordinator Peter Schröcksnadel. Er bemängelt, dass es noch immer nicht die tägliche Turnstunde gibt.

Mehrarbeit ohne Geld

„Die ganze Welt diskutiert, was die Schule neben dem Bildungsauftrag nicht alles zu reparieren hätte, aber wir haben noch nie mehr Ressourcen dafür erhalten“, bringt die Göllersdorfer NMS-Direktorin Maria Graf die Sache auf den Punkt. „Als 2012 die tägliche Turnstunde zum ersten Mal gefordert wurde, haben die Schulen keine einzige Zusatzstunde bekommen, geschweige denn mehr Lehrkräfte.“ Daher wird die Schröcksnadel-Forderung nur dann umgesetzt werden können, wenn man dieses Mal Geld in die Hand nimmt.

Bewegung zum Nulltarif

„Die Eltern könnten dafür sorgen, dass ihr Kind den Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegt“, so NMS-Direktorin Graf.

Nicht realisierbar

Christine Grameld vom Hollabrunner Lauftreff, die im Sekretariat einer höheren Schule arbeitet, findet die tägliche Turnstunde zwar als gute Idee, die aber nicht realisierbar ist. „In der Unterstufe sind Kinder noch für Bewegung und Sport zu begeistern, aber in der Oberstufe fehlt oft die Motivation.“
Zudem würde es sich rein logistisch mit den Turnsälen nicht ausgehen. Bereits jetzt werden Turnstunden am Nachmittag geblockt, das widerspräche aber der Forderung nach der täglichen Turnstunde.

Sinnvolle Förderung

Fakt ist, dass eine Kluft zwischen Breiten- und Spitzensport klafft, und die Talentefindung aus der Basis kaum bis garnicht stattfindet. Peter Schröcksnadel nimmt im ORF-Interview aber auch die Verbände und das derzeitige Fördersystem in die Pflicht: „Die Fördertöpfe müssen zusammengelegt werden, denn das praktizierte Gießkannensystem ist nicht effektiv.“

Zur Sache:

Im Lehrplan der Pflichtschulen sind für den Gegenstand „Bewegung und Sport“ (= Turnen) allgemeine Ziele formuliert wie Entfaltung von Freude an der Bewegung, Entwicklung von Bewegungskönnen, Leistungsvermögen und der Fähigkeit zum Spielen und Gestalten.
Für Nachwuchsförderung und Hinführung zum Leistungssport sind NMS oder Gymnasien mit sportlichem Schwerpunkt zuständig. Turnstunden pro Woche gibt es an „normalen“ Schulen 3-4, an Sportschulen 6-8 plus unverbindliche Übungen.
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