Die komplexe Welt der Daten

Der Komplexitätsforscher Stefan Thurner ist Wissenschaftler des Jahres.
  • Der Komplexitätsforscher Stefan Thurner ist Wissenschaftler des Jahres.
  • hochgeladen von Mark Freimann

JOSEFSTADT. Hinter den fast schon unscheinbaren Toren des Palais Strozzi in der Josefstädter Straße verbirgt sich eine komplexe Welt aus Zahlen. Denn hier wird im Complexity Science Hub Vienna unermüdlich an der Lösung komplexer Systeme gefeilt. Allen voran der Präsident des Hubs, Stefan Thurner. Er hat in Wien technische Physik und Wirtschaftswissenschaften studiert, bis er schlussendlich in Santa Fe das erste Mal mit der Komplexitätsforschung in Berührung kam. Sein Arbeitsfeld erklärt er anhand eines bildhaften Beispiels: “Angenommen ich möchte wissen, wie ein Auto funktioniert. Dann muss ich es auseinandernehmen, die Einzelteile jeweils für sich betrachten, bis ich weiß, wie sie funktionieren.

Nun muss ich noch erkennen, wie die Einzelteile zueinander in Verbindung stehen. Wenn ich beides verstanden habe, weiß ich, wie ein Auto funktioniert.“ Diese Methode lässt sich dann auf nahezu alle Forschungsgebiete anwenden. Die Einzelteile sind dabei Daten, deren Bestand über die Jahre stark angewachsen ist und auch in Zukunft immer weiter anwachsen wird. Diese Daten werden in großen Sammlungen angelegt, analysiert und erforscht. So soll sich mittels Computersimulationen vorhersagen lassen, wie Waldbrände verhindert, das Diabetesrisiko gesenkt, oder ein demokratisches System gewährleistet werden kann.

Wissenschaftler des Jahres

„Unser Ziel ist es, nützliches Wissen aus diesen Datenbanken zu generieren und so Prognosemodelle für die Zukunft zu erstellen“, erklärt Thurner. Für seine Arbeit an komplexen Systemen wurde der gebürtige Innsbrucker vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten unlängst zum Wissenschaftler des Jahres gewählt. Diese Auszeichnung wird an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die es schaffen, für die breite Öffentlichkeit verständlich über ein Forschungsfeld zu sprechen. Und dass man ihn versteht, das ist ihm wichtig, denn: „Es war immer schon ein Bestandteil der Wissenschaft, die Menschen zu informieren. Man denke hier insbesondere an Albert Einstein, der hat sein halbes Leben mit Öffentlichkeitsarbeit verbracht. Immerhin sind es ja auch die Menschen dieses Landes, die uns unsere Arbeit finanziell erst möglich machen. Dann haben sie auch ein Recht darauf, zu erfahren, was wir tun.“ Auch zum vorsichtigeren Umgang mit den eigenen Daten rät er. Denn alle Informationen, die man heute von sich preisgibt, werden bis zum Ende der Menschheit abrufbar bleiben.

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