28.11.2016, 10:26 Uhr

NS-Mahnmal beim Aspangbahnhof kommt nun endlich

Maria Vassilakou (l.) und Andreas Mailath-Pokorny (r.) mit den Designern PRINZpod und deren Siegerprojekt. (Foto: Foto: Stadt Wien)

Nach einem gescheiterten Versuch 2004 soll am Aspangbahnhof an deportierte Juden erinnert werden.

LANDSTRASSE. Ein trauriges Kapitel der Landstraßer Geschichte wird nun endlich in einem zweiten Anlauf aufgearbeitet. 47.000 österreichische Juden wurden auf dem Areal des heutigen Eurogates zwischen 1939 und 1942 in offenen Lastwägen zum ehemaligen Aspangbahnhof transportiert. Bereits 2004 wurde ein Architekturbewerb ausgeschrieben, um den Ort des Schreckens durch ein Mahnmal zu kennzeichnen. Der Anstoß dazu kam von einer überparteilichen Initiative von Bundes-, Landes- und Bezirksmandataren. Bezirkvorsteher-Stellvertreter Rudolf Zabrana dazu: "Zum ersten Wettbewerb gab es eine breite Mehrheit, ausgehend von der damaligen Jury bis zu den einzelnen Magistratsabteilungen, den ersten Preis umzusetzen."

Das damalige Siegerprojekt – ein 5 Meter tiefer, 30 Meter langer und 2,5 Meter breiter und mit Edelstahl ausgekleideter Bodenschlitz – wurde jedoch nie realisiert. Den Grund dafür schildert Zabrana so: "Nach dreimaliger Umplanung meinte die zuständige Magistratsabteilung für Brückenbau und Grundbau, die MA 29, nach neun Jahren, dass das Projekt mit den zur Verfügung stehenden Mitteln in Höhe von 400.000 Euro nicht umsetzbar sei." 98.000 Euro wurden damals laut dem Landstraßer ÖVP-Klubobmann Georg Keri "in den Sand gesetzt". Das soll im zweiten Anlauf nicht passieren.

Mahnmal entsteht 2017

Das Vorhaben, das der Bezirk unbedingt umsetzen wollte, wanderte zur KÖR – Kunst im öffentlichen Raum. Diese wählte aus drei eingereichten Projekten eines aus. Dabei handelt es sich um zwei schlichte, etwa 30 Meter lange Betonstränge, die wie Bahngleise auf dem Erdboden liegen. Diese laufen immer weiter zusammen, um schließlich in einem Betonblock zu verschwinden. Das Innere des Kastens ist schwarz gefärbt. Die Reise endet im Nichts. Die Oberseite ist mit mehreren, verschieden großen Mulden versehen. Die Mulden sind als Anlehnung an die jüdische Tradition zu verstehen, zum Gedenken der Toten kleine Steine auf die Grabsteine zu legen. Entworfen wurde das Siegerprojekt von den Architekten und Designern Prinzgau/Pod-gorschek (PRINZpod) mit Sitz in der Leopoldstadt. Das beeindruckende Mahnmal zeigt auch die genaue Anzahl der Deportierten sowie der Überlebenden. Bereits im kommenden Frühjahr soll das Projekt errichtet werden.

Gedenkstätte für Greueltaten

Bei der Präsentation des Siegerprojektes waren unter anderem auch Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou sowie Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny anwesend. Vassilakou zur kommenden Gedenkstätte am Aspangbahnhof: "Sie soll bewusst irritieren, man soll innehalten und sie als Symbol des Gedenkens wahrnehmen können." Darüber hinaus erinnert eine Ausstellung im äußeren Burgtor noch bis 30. Juni 2017 an die Greueltaten.
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