Gütenbachtal in Liesing
Anrainer fordern "Freiheit für das Marterl!"

Das Bauprojekt an der Adresse Gütenbachtalstraße 11 regt viele Leser der BezirksZeitung auf. | Foto: Strebinger
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  • Das Bauprojekt an der Adresse Gütenbachtalstraße 11 regt viele Leser der BezirksZeitung auf.
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Im Gütenbachtal wird mitten im Natura2000-Gebiet ein Einfamilienhaus gebaut - das sorgt für Aufregung.

WIEN/LIESING. Dass am Eingang zum Gütenbachtal eine Infotafel über das Natura2000-Gebiet steht und gleich daneben ein Einfamilienhaus gebaut wird, wirkt auf den ersten Blick etwas eigenartig. "Sind die Politiker an der Erhaltung von Landschaftsschutzgebieten nicht interessiert?", empört sich Christina Riedl.

Grundsätzlich hat die Leserin der BezirksZeitung recht, schließlich wurde das Gütenbachtal bereits 1998 in das Natura2000-Gebiet innerhalb des Biosphärenparks Wienerwald eingegliedert: Der offizielle Name lautet "Landschaftsschutzgebiet Liesing" und beinhaltet nicht nur das Gütenbachtal, sondern auch den Maurer Wald und den Zugberg.

Bauwidmung schlägt Naturschutz

Beim Grundstück in der Gütenbachtalstraße 11 ist die Sache aber etwas komplizierter - Bezirksvorsteher Gerald Bischof (SPÖ) bringt Licht in die Angelegenheit: "Die Widmung als Baufläche besteht bei diesem Grundstück schon seit ewigen Zeiten". Konkret schon seit der Zeit vor der Eingliederung in das Natura2000-Gebiet. "Daher musste der Bauwerber nicht erst um die Baugenehmigung im Naturschutzgebiet ansuchen."

Das Marterl war immer frei zugänglich, nun ist es eingezäunt. | Foto: Riedl
  • Das Marterl war immer frei zugänglich, nun ist es eingezäunt.
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Das neu gebaute Haus ist allerdings nicht einziger Stein des Anstoßes: Auch ein rund 2,5 Meter hohes Marterl in Steinwurfnähe zum Neubau erregt die Gemüter. "Anscheinend wird dieses nun auch noch in den Garten eingezäunt. Unglaublich - ein Marterl, das jahrzehntelang für die Allgemeinheit zugänglich war!", ärgert sich Riedl. "Ich wünsche mir ungehinderten Zugang zum Marterl", meint auch Leserin Eveline Strebinger.

Von der Umweltschutz-Abteilung der Stadt Wien kommt folgende Stellungnahme: "Die Fläche, auf der das Einfamilienhaus errichtet wurde, ist nach der Bauordnung als Bauland gewidmet, für das Projekt wurde eine baubehördliche Bewilligung erteilt", so die Umweltschutzabteilung. "Da das Projekt in einem Landschaftsschutzgebiet errichtet wurde, wurde es auch von der Stadt Wien-Umweltschutz als Naturschutzbehörde nach den Bestimmungen des Wiener Naturschutzgesetzes umfassend geprüft und unter Vorschreibung strenger Auflagen und entsprechender Ausgleichsmaßnahmen naturschutzbehördlich genehmigt."

Das letzte Bauprojekt

Bezirkschef Bischof hat Verständnis für die Aufregung: "Das Marterl befindet sich allerdings auf Privatgrund, auch wenn bisher kein Zaun rundherum stand." Nachsatz: "Es ist aber definitiv das letzte Neubauprojekt im Gütenbachtal."

Das 2.248 Quadratmeter große Grundstück wurde 2017 von der Pfarre Kalksburg an den heutigen Eigentümer verkauft. "Der Kaufvertrag umfasst auch das Marterl", weiß Christian Steinhoff (Pro23), der in der Immobilienbranche tätig ist und sich den im Grundbuch öffentlich einsehbaren Vertrag angesehen hat. "Der Vertrag umfasst auch die Auflage, nach der Einzäunung zweimal jährlich Andachten bei Prozessionen zu ermöglichen." Die BezirksZeitung wird berichten, wie es weitergeht.

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