15.10.2014, 15:05 Uhr

Verwahrloste Kindheit

Das neue Schuljahr hat begonnen und die Schule stimmt wieder das „Lob der Disziplin" an. Sie wollen die stark verunsicherten Eltern wieder an ihre Verantwortung und Pflicht zur Erziehung ihrer Kinder erinnern. Gemeinsam schreiten sie daher gegen eine Kuschelpädagogik an, die sie wahlweise für zunehmenden Drogenkonsum, Gefühlskälte und sexuelle Verrohung oder gar für den gesamten gesellschaftlichen Verfall westlicher Kultur verantwortlich machen.

Zahlreiche Medienberichte scheinen dieses Bild zu bestätigen. Vor allem der Gewaltpegel hat unter Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren massiv zugenommen. Da gibt es verrohte Jugendliche, die in der U-Bahn einen Pensionisten schlugen und auf ihn eintraten, als er schon am Boden lag und unzählige weitere Berichte von Schülern, die andere sadistisch quälen und Videos davon per Handy weiterschicken. Diese Kinder und Jugendlichen entgleiten den Eltern, Lehrern und der Gesellschaft.

Gerade die Überforderung und fehlende Fürsorge von Eltern produziert fast täglich Schreckensmeldungen. Väter, die ihre Kinder einsperren, misshandeln und sexuell missbrauchen, lassen die Öffentlichkeit ebenso geschockt und ratlos zurück wie Mütter, die ihren Nachwuchs verwahrlosen oder gar verhungern lassen. Angesichts dieser - gravierenden - Einzelfälle scheint sich der Eindruck zu verdichten, dass Eltern ganz allgemein weder ihre Kinder noch deren Erziehung im Griff haben. Schulen werden mit den bildungsunwilligen Rabauken, denen jegliche Anstands- und Verhaltensregeln fehlen, alleingelassen. Handwerks- und Industrieverbände klagen über nicht ausbildungsfähige Schulabsolventen und Professoren über Studierende, denen es an akademischer Reife mangelt.

Aber wo liegen die Ursachen solchen Verhaltens? Viele Eltern verwahrloster Kinder haben keine Vorbildfunktion mehr, die Kinder keine warmherzige und schützende Umgebung sondern werden vielmehr zunehmend von Gleichaltrigen „erzogen“. Sie fangen an sich an ihren Freunden zu orientieren, ihnen zu folgen, ihre Sprache zu imitieren und ihre Werte zu verinnerlichen. Die Folgen dieser Gleichaltrigenorientierung sind eine massive Gewaltbereitschaft, tyrannisierendes Verhalten, Unselbständigkeit, Lebensuntauglichkeit und eine unterentwickelte Persönlichkeit.

Solche Zustände sind eine Bankrotterklärung jeder Gesellschaft.
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Sandra Ryba aus Liesing | 15.10.2014 | 17:13   Melden
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Heinrich Moser aus Ottakring | 15.10.2014 | 19:29   Melden
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