19.05.2017, 00:00 Uhr

Der sanfte Weg an die Weltspitze

Amjad Karimyan ist Judotrainer 4. Dan, Fitness Coach, Mentaltrainer und Bundeskampfrichter im Judosport

Judo ist die Liebe seines Lebens, sagt der Erfolgstrainer Amjad Karimyan. Er trainiert mit Begeisterung Meidlinger Kinder.

MEIDLING. "Sicher durch den Alltag" heißt das Projekt von Amjad Karimyan, das er vor neuen Jahren gemeinsam mit der Bezirksvorstehung in Meidling gestartet hatte. Dabei trainiert er Schulkinder einmal pro Jahr acht bis zehn Wochen lang gratis. „Wir trainieren Fallübungen. Mit den besonders motivierten Kindern üben wir auch einfache Judo-Techniken“, so Karimyan.

Der Grund dahinter: Der Sportler hat bei seiner Arbeit an den Schulen festgestellt, dass viele Kinder motorisch und körperlich nicht wirklich fit sind. "Bezirksvorsteherin Gabriele Votava gefiel die Idee, die Kids zu trainieren, und sie unterstützt uns seither dabei." Der Judoko und seine Trainer und sind natürlich gratis dabei.

Erfolg mit Magdalena

Seit ihrem achten Lebensjahr trainiert Magdalena Krssakova mit Amjad. Jetzt hat die 23jähirge in Tiflis (Georgien) ihren ersten Judo Grand-Prix gewonnen und sogar die EM-Zweite von 2016, Kathrin Unterwurzacher, hinter sich gelassen. „Magda ist jetzt 14. der Weltrangliste und wird im Herbst an der WM in Budapest teilnehmen“, erklärt Amjad. Er ist natürlich sehr stolz auf seinen Schützling. „Das wichtigste ist, wirklich dran zu bleiben.“ Denn Training müsse Hand und Fuß haben, um nachhaltig etwas zu bewegen. Das möchte der begeisterte Judotrainer auch seinen ganz kleinen Judokas vermitteln, die er mit seinem Judoklub „Sirvan“ jede Woche an den Schulen im Bezirk trainiert. „Die Schulen sind quasi unser Stützpunkt. Wir trainieren in den Turnsälen der Volksschule Prießnitzgasse und an der NMS Johann Hoffmann Platz.“ Wir, das sind Amjad, zwei weitere Trainer und oftmals auch Magda, die dann mit den Schulkindern gemeinsam trainiert.

Die Aktion „Sicher durch den Alltag“ findet mittlerweile auch an Schulen im 11., 19. und 21. Bezirk statt. „Besonders an den Volksschulen kann man noch etwas bewegen. Dafür muss man schon einige Zeit hindurch konsequent arbeiten. Die Lehrer sind beim Training mit dabei und üben danach mit den Kindern weiter.“ Jung und Alt für den Sport zu begeistern, sieht er als wichtige Aufgabe.

Lebenslange Liebe Judo

Amjad Karimyan hat selbst als 14-Jähriger in seiner früheren Heimat Iran mit dem Judosport begonnen. Während seines Business-Management Studiums wurde er iranischer Studenten-Staatsmeister und kam 2001 nach Wien.

„Eigentlich wollte ich weiter zu studieren“, erinnert er sich. Doch seine Studienzeugnisse wurden in Österreich nicht anerkannt. „Da hat sich dann meine Lebensrichtung verändert und auf den Judosport konzentriert.“ Und zwar als Trainer.

Ein Fluss als Vorbild

Vor zehn Jahren gründete er seinen eigenen Judoklub „Sirvan“ in seinem Heimatberzirk Meidling. „Sirvan ist ein Fluss im kurdischen Bereich des Iran, woher meine Familie stammt. Der Fluss ist stark, wild, und an manchen Stellen ganz sanft und ruhig. Das passt zu Judo. Ich sage immer, wir sind wie das Wasser, man kann uns nicht aufhalten.“ Judo bedeutet ja, „Der sanfte Weg“.

Was ihn selbst immer wieder an seinem Sport begeistert? „Es ist faszinierend, ohne eigenen Krafteinsatz die Kraft des Gegners für sich nutzen zu können. Judo ist eine gute Lebensschule: Du liegst oft auf dem Boden und stehst wieder auf. Wirst durch Niederlagen stärker und besser. Sieger ist, wer einmal mehr aufsteht, als er hingefallen ist.“ Und, ganz wichtig: „Du lernst jeden Tag mehr, es hört nie auf. Ich verliebe mich immer wieder neu in meinen Sport!“
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