14.06.2017, 07:00 Uhr

Mit den Jahren kommt die Erfahrung

Helmut Baumgartner mit seinem Alltagsauto, einem Fiat Panda.

In 20 Jahren wird ein Viertel der Verkehrsteilnehmer über 65 sein. Wie geht es den Senioren am Steuer?

BEZIRK MÖDLING. Peter Stockinger aus Wiener Neudorf ist 74 Jahre alt. Seinen Führerschein hat er seit Jänner 1963 und er ist nach wie vor viel mit dem Auto unterwegs. Dabei fährt er auch längere Strecken in Österreich oder auch nach Ungarn. Dass ältere Lenker generell nicht mehr sicher unterwegs wären, sieht er nicht: "Brenzlige Situationen kann es im Verkehr immer wieder geben, ich hatte aber noch keine, die mit dem Alter zu tun gehabt hätte". Wie fahrtauglich man ist, sollte auch jeder selbst einschätzen und dabei auch ehrlich zu sich sein: "Wenn man nervlich oder geistig nicht mehr auf der Höhe ist, sollte man es bleiben lassen". Ähnlich sehen das auch die Experten des Verkehrsclubs Österreich: "Beim Gesundheitszustand älterer Menschen gibt es sehr große Unterschiede. Neben sehr fitten älteren Personen, nimmt mit dem Alter aber die Zahl jener zu, die gesundheitliche Probleme haben."

21.000 Kilometer

Ebenfalls zu den 'fitten Fahrern' zählt auch Helmut Baumgartner, Jahrgang 1940 aus Mödling. Auch er ist viel unterwegs und absolvierte in den letzten zwei Jahren auf Autoreisen (die ihn bis nach Estland oder nach Italien führten) über 21.000 km mit dem Auto - ohne Komplikationen. Für ihn bringt das Alter auch Vorteile mit sich: "Die Erfahrung nimmt zu, z.B. beim Thema Abstand halten - man wird gelassener." Wichtig sei es auch, nicht aus der Übung zu kommen. Vor rund 10 Jahren hatte Baumgartner einen - nicht selbst verschuldeten - Unfall, und ist noch am gleichen Tag in sein anderes Auto gestiegen. Sein Schwager wiederum hatte im Alter von 76 Jahren einen Unfall und ist danach nie wieder Auto gefahren. Problematisch seien für einige seiner Altersgenossen vor allem die technologischen Neuerungen moderner Fahrzeuge, die viele nicht zu nützen wissen: "Manche aus unserer Generation sind mit den technischen Möglichkeiten moderner Autos überfordert". Da die Gruppe der über 65-Jährigen laut Kuratorium für Verkehrssicherheit besonders unfallgefährdet ist (und diese in 20 Jahren ein Viertel der Verkehrsteilnehmer ausmachen wird), werden passend dazu vom KfV auch eigene Mobilität-Workshops für die 'Generation Lebenserfahrung' angeboten.

Jugend hat Vertrauen

Doch wie blickt der Nachwuchs auf die Senioren? Peter Stockinger hat zwei Kinder und sieben Enkelkinder. Diese würden ihn in letzter Zeit öfters raten gut aufzupassen, dass er das Fahren aber ganz lassen solle raten sie ihm keinesfalls. Auch Helmut Baumgartners Tochter hat volles Vertrauen in das fahrerische Können ihres Vaters, borgt sie ihm doch gelegentlich auch eines ihrer Autos für den Alltagsverkehr.
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