22.01.2018, 11:16 Uhr

Bauprojekt am Gallitzinberg: Die Wogen gehen hoch

Auf der brachliegenden, gut 16.000 Quadratmeter großen Gstetten sollen Wohnungen entstehen. Die Streitfrage ist, wie viele. (Foto: Mathias Kautzky)

Polit-Hickhack: Hitzige Diskussion im Bezirksparlament zum geplanten Wohnbau in der Gallitzinstraße 6–8.

OTTAKRING. Extrem gut besucht, drei Stunden lang und emotional stark aufgeladen: In der Sondersitzung der Bezirksvertretung zum Bauprojekt Gallitzinstraße 8–16 ist es hoch hergegangen – inklusive empörter Buh-Rufe aus dem Publikum.

3.500 Anrainer haben die Petition gegen das geplante Bauprojekt bereits unterschrieben. Sogar einen eigenen Gegenvorschlag zum derzeitigen Projektstand hat die Bürgerinitiative rund um Sprecher Christian-André Weinberger ausgearbeitet. Man stellt sich unter anderem deutlich weniger Wohnungen vor, dafür mit einer Sportanlage. Die FPÖ hatte die Sondersitzung erwirkt, denn bevor gebaut wird, soll die Fläche umgewidmet werden.


Zu hoch, zu viele Wohnungen

Bis zu 200 geförderte und frei finanzierte Wohnungen sollen laut den derzeitigen Plänen auf dem Gelände der ehemaligen Friedhofsgärtnerei entstehen. Außerdem sind ein Kindergarten mit drei Gruppen, ein öffentlicher Spielplatz und eine Tiefgarage mit 130 Stellplätzen vorgesehen. Derzeit gibt es einen sogenannten Gründruck als Vorentwurf, in Stein gemeißelt ist also noch nichts. Aber: "Wir müssen jetzt handeln und nicht später darüber streiten", meint Christian-André Weinberger dazu. "Das Grundstück liegt brach und ist nicht nutzbar. Durch das Projekt würde leistbarer Wohnraum entstehen und es wäre dann zugänglich", so Bezirkschef Franz Prokop (SPÖ). "Neu-Ottakringer sollen auch Platz haben", schlägt Daniela Simon, Grünen-Klubvorsitzende, in die gleiche Kerbe.

Die Pläne stoßen nicht nur bei der Bürgerinitiative auf Widerstand, auch ÖVP, FPÖ und Neos haben sich dagegen ausgesprochen. "Zehn Betonblöcke will hier niemand", so ÖVP-Klubobmann Stefan Trittner. Auch die FPÖ befürchtet ein Zubetonieren von Ottakring. "Wir wollen ein Projekt, das dort auch hinpasst", so Neos-Klubvorsitzender Jörg Konrad. Er betont außerdem, dass man ja nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung sei. Das Grundstück hat derzeit eine landwirtschaftliche Widmung, es dürfte dort eigentlich durchgehend gebaut werden. Die Krux an der Sache: "Das ist keine Fläche der Stadt Wien, sondern im privaten Besitz", so Thomas Brandstätter, der SPÖ-Vorsitzende des Bauausschusses. Daher bestehe nur eine begrenzte Möglichkeit, hier mitzureden.

Entscheidung vertagt

Das letzte Wort zum Bauprojekt ist noch nicht gesprochen. Die Anträge von Neos, ÖVP und FPÖ wurden mit den Stimmen von SPÖ und Grünen an den Bauausschuss und die Kommission für Entwicklung und Mobilität weitergegeben. Dort wird jetzt diskutiert.
Wenn sich die zuständigen Stellen einig sind, wird aus dem Flächenwidmungsvorschlag ein Rotdruck, der öffentlich aufliegt. Dazu können sowohl der Bezirk als auch Privatpersonen eine Stellungnahme abgeben. Die endgültige Entscheidung fällt im Gemeinderat.
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