Mühlviertel: Rauchende Kuh gesichtet

Hier soll eine Kuh eine Pfeife geraucht haben.
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  • Hier soll eine Kuh eine Pfeife geraucht haben.
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BEZIRK PERG, FREISTADT. Heimatforscher Helmut Atteneder ist Spezialist auf dem Gebiet der religiösen Kleindenkmäler. Er nahm Kreuze, Marterl, kleine Kapellen und Kreuzstöckel in seiner Heimatgemeinde Liebenau und den Nachbarorten genauer unter die Lupe. Hinter so manchem Kleindenkmal stecken unglaubliche Geschichten. Die BezirksRundschau begab sich im Unteren Mühlviertel auf Spurensuche:

Von Wölfen gejagt:Ein Bursch war der Sage nach in Schönau mit ein paar Stücken Fleisch, laut anderer Version mit Lamm, auf dem Nachhauseweg. An drei Stellen musste er den Bestien einen Happen abgeben, um nicht selbst gefressen zu werden. Dort befinden sich die drei "Wolfskreuze", eines ist mit 1662 datiert.

Zur Strafe getötet: Ein Spielmann hielt in Unterweißenbach mit seiner Musik an einem Sonntag die Leute vom Kirchengang ab. Zur Strafe wurde er getötet: Durch Pferdefuß, andere Überlieferungen sprechen vom Teufel oder einem Kreuzotter-Biss. Jedenfalls ist unter dem Tabernakel eine Flöte eingemeißelt. Als der Wegpfeiler versetzt werden musste, kamen 400 Jahre alte Skelettteile zum Vorschein.

Beim Liebesspiel erwischt: Die Stelle in der Liebenau hatten ein Mann und eine Frau offenbar auf dem Weg zur Messe für ihre Liebesspiele auserkoren. Nachdem sie von einem "Fuchtlmandl" vertrieben wurden, stellten sie der heiligen Dreifaltigkeit wegen ein Kreuz auf – das "Reisinger Kreuz".

Kuh, die Pfeife rauchte: "Glashütter Kreuz Unterweißenbach" – Die Kapelle wurde 1839 erbaut, weil der damalige Besitzer des Gutes eine dämonische Erscheinung hatte: Er sah eine Kuh, die Pfeife rauchte. Bei dieser Kapelle erfror auch ein betrunkener Holzfäller, ein Wirt erlitt bei einer Treibjagd dort einen Herzinfarkt.

Von Franzosen erschossen: Drei Bauern wurden in der Ortschaft Sattl, St. Nikola, von Franzosen getötet, ein weiterer schwer verletzt. Die Kapelle wurde vermutlich 1805 erbaut.

Blutiger Bauernkrieg:Das weithin bekannte Frankenberger Kircherl in Langenstein symbolisiert das blutige Ende des Bauernaufstandes zur Zeit der Bauernkriege in OÖ 1636.

Von Gendarm erstochen: An eine tragische Geschichte erinnert das "Stacherl-Wagner"-Kreuz zwischen Grein und Bad Kreuzen. Eustachius Hagauer, genannt „Stacherlwagner“, war im 19. Jahrhundet ein bekannter Heiler. Außerdem war er schwerhörig und ein Gendarm aus Grein sprach ihn am 29.12.1861 an, stehenzubleiben. "Stacherlwagner" reagierte nicht, da erstach ihn der Gendarm. Möglicherweise hatte er ihn mit einem Verbrecher verwechselt. Noch heute bringt die Polizei regelmäßig ein neues Holzkreuz zur Erinnerung an den tragischen Vorfall an.

Die Säulen der Schande: In mehreren Gemeinden wie Perg und Mauthausen erinnert der Pranger, auch Schandsäule, an die "Niedere Gerichtsbarkeit" im 16. und 17. Jahrhundert. Angebunden wurden zur öffentlichen Schaustellung Falschspieler, Bäcker nach Verwendung verdorbenen Mehls, Händler mit falschen Gewichten und Raufbolde.

Perg: Tragische Ereignisse stehen hinter Errichtung

PERG. Im 2009 erschienen Heimatbuch finden sich die Entstehungsgeschichten zu 67 Kleindenkmälern, viele haben einen tragischen Hintergrund:

Gendarm getötet: Der Gedenkstein Geretschläger, Greiner Straße, trägt die Inschrift: "Am 3. Mai 1918 fand Gendarm Franz Geretschläger in Ausübung des Dienstes durch Verbrecherhand den Tod." Was war passiert? Josef Schmidtberger desertierte von der Armee. Der Gendarm wollte ihn stellen – und wurde erstochen. Schmidtberger bereute die Tat und errichtete nach fünf Jahren schweren Kerker das Denkmal. 1958 wurde er an der Stelle von einem Auto getötet.

Kriegsrelikt explodierte: Das Denkmal Heubrückenkreuz wurde nach einem tragischen Unglück 1946 aufgestellt. Zwei Burschen (8 und 11 Jahre) wollten mit einer Heugabel eine gefundene Panzerfaust öffnen und starben.

Verheerender Brand: Die Aisthofener Kapelle in Perg wurde 1885 bis 1890 nach dem Dorfbrand, dem fast alle Häuser im Ort zum Opfer gefallen waren, vom Besitzer des Grubergutes errichtet.

Errichtungsgründe

Bei vielen Denkmälern ist der Grund der Errichtung unbekannt. "Wenn nichts aufgeschrieben wird, ist das Wissen nach spätestens drei Generationen weg", sagt Heimatforscher Helmut Atteneder. Worin liegen nun die Ursachen für die Errichtung? "Hauptgründe sind Gedenken nach Unfällen, Heilung von Krankheit, Freude über die Heimkehr vom Krieg und mystische Ursachen, wie bestimmte Erscheinungen", erklärt Atteneder. Unter Letzteres fallen die sogenannten Fuchtel- oder Kugelmanderl. "Fuchtlmandl", "Irrlichter" oder "arme Seelen" sind fluoreszierende Methangase, die aus Mooren oder sauren Wiesen aufsteigen. "Früher wusste man das nicht, solche Begegnungen waren dann Ursachen der Errichtung", so Atteneder. In Weitersfelden erinnert die Nothelfer-Kapelle daran. In Naarn wanderten die Wesen zwischen den Kreuzstöckeln in Wimm und Pratztrum.

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