Beruf aus Leidenschaft
Zwei Programmkinos im Bezirk Perg: "Wir sind kulturelle Nahversorger"

Norbert Dattinger, Kino Katsdorf.
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Zwei kleine, aber feine Kinos im Bezirk werden seit vielen Jahrzehnten mit Leidenschaft geführt: Das Stadtkino Grein und die Lichtspiele Katsdorf.

GREIN, KATSDORF. Sie stammen aus einer Zeit ohne Flachbild-TV und Streaming-Anbietern: Schon jahrzehntelang trotzen die Kinos in Grein und Katsdorf der Konkurrenz durch die Filmpaläste in den Städten. Seit einigen Jahren besteht zudem ein wachsendes Filmangebot im Internet – ein völlig anderes Erlebnis, als im Kino einen Film zu sehen, findet Horst Rohrstorfer, Betreiber des Greiner Stadtkinos: "Kino verbindet. Man sitzt ja nicht allein im dunklen Saal, sondern teilt etwas mit anderen. Das kann auch der größte Fernseher im Wohnzimmer nicht bieten." Seine Besucher verknüpfen einen Kinoabend häufig mit einem Besuch im Wirtshaus oder einem Treffen mit Freunden in einer Bar. "Damit sind wir auch wirtschaftlich für den Ort interessant", merkt Rohrstorfer an. Mehr als die Hälfte seiner Gäste kommt aus Niederösterreich, die allermeisten stammen nicht aus Grein selbst. "Unsere Stärke ist, dass wir das extrem persönlich machen", so Rohrstorfer. "Wir kennen die Besucher und haben eine starke Bindung zu ihnen." Pro Woche zeigt er etwa zehn verschiedene Filme. Darüber hinaus gibt es Schmankerln wie Filmgespräche, Sondervorstellungen, Live-Musik bis hin zur Tanz-Performance auf der Bühne vor der Leinwand.

"Wir haben durchgehalten"

Als Programmkino und Mitglied der "Europa Cinemas" wird in Grein Wert darauf gelegt, dass die Inhalte einem gewissen Anspruch genügen. "Alles, das mit Hollywood-Mainstream nichts zu tun hat." Um Familien "bewusst weg vom Fernseher" und in die Greiner Lichtspiele zu holen, zeigt Rohrstorfer auch beliebte Kinderfilme wie "Die Eiskönigin". Die Jugend ins Kino zu ziehen, sei aber ziemlich schwierig, zunehmend auch für die großen Häuser, meint er. Was oft vergessen werde: "Kino ist Kultur. Die Kinos in Katsdorf und Grein sind sozusagen kulturelle Nahversorger." Vorteil sei, dass der Zugang sehr niederschwellig ist. "Filme sind teilweise Kunstwerke. Das ist Kunst mit Unterhaltungswert. Kino kann relativ viel."

Zombies raus, Qualität rein

Norbert Dattinger wuchs im Katsdorfer Kino auf und übernahm den Betrieb im Jahr 2000 von seinem Vater. Er blickt zurück auf eine Zeit, als es in fast jedem dritten Ort ein Lichtspielhaus gab. Die Hauptzielgruppe damals: Jugendliche. "Karate, Zombies, harte Action, nackte Haut – das waren die Kassenschlager. Mopeds standen oft die gesamte Hauslänge entlang." Es ging laut zu – auch während der Vorführungen. Obwohl das Kino sehr gut besucht war, möchte Dattinger nicht mehr in diese Zeit zurück. "Ich habe mich für die Qualität der Filme geschämt." Was mit einem hochwertigen Streifen im Monat begann, entwickelte sich immer mehr Richtung Programmkino: "Als das Megaplex eröffnete, hat es geheißen, alle kleinen Kinos im Umkreis von 60 Kilometern sind tot." Das Programm in Katsdorf wurde "radikal getrimmt", eine Nische besetzt.

"Ist der Film eh im kleinen Saal?"

Zum Markenzeichen entwickelte sich der zweite Vorführraum mit nur 30 Sitzplätzen. "Damals wurde der kleinere Saal nur belächelt. Heute fragen die Leute: Ist der Film eh im kleinen Saal? Wir haben es geschafft, neben den Großen zu bestehen", sagt Dattinger mit Genugtuung. Alle modernen Entwicklungen – DVD, Blue-Ray und jetzt das Streamen – konnten dem kleinen Kino mit treuem Stammpublikum wenig anhaben. "Wir lächeln ein wenig darüber, weil es die großen Kinos ziemlich hart trifft, uns weniger. Wir haben ein ganz anderes Publikum, da bin ich heilfroh."

Zur Sache

Das Stadtkino Grein wurde 1960 gebaut, seit 2003 leitet es Horst Rohrstorfer. 158 Personen haben in dem Nostalgie-Saal Platz. Im Jahr 2019 besuchten rund 14.000 Leute das Kino. Veranstaltungstipp: 26. Jänner, 10 Uhr: Stummfilm "Der General" mit Live-Musik vom Trio piano mobile. stadtkino-grein.com
Am 30. Jänner findet im Greiner Kino eine Poledance-Show des Tanzstudios AngeLeo statt.

Die Geschichte der Lichtspiele Katsdorf reicht bis ins Jahr 1947 zurück. 2000 übernahm Norbert Dattinger das Kino von seinem Vater. Im großen Saal haben 130 Personen Platz, 30 im kleinen. Im vergangenen Jahr besuchten rund 16.000 Menschen die Lichtspiele. Filmtipps: "Wenn der Mensch zur Ware wird – der marktgerechte Mensch" am 16. Jänner um 19.30 Uhr mit Einführung und anschließender Diskussion. 2. Februar: "Hasenjagd – vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen". kino-katsdorf.at

Am 22. Jänner sind in beiden Kinos die Kurzfilme 'Augenblicke' zu sehen.

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