08.03.2017, 15:00 Uhr

Amel Kujundzic: "Am Fußballplatz bin ich sehr emotional"

"Stark im Eins gegen Eins, spielt gut heraus, ein Führungsspieler", sagt Torwart-Trainer Günter Em über Kujundzic. (Foto: piedie)

Torhüter Amel Kujundzic startet mit Union Perg am Samstag ins Frühjahr in der Oberösterreich-Liga.

PERG. Zum Durchbruch als Profi hat es für Amel Kujundzic knapp nicht gereicht. "Ich war am Scheideweg", erzählt der heute 27-Jährige. 1994 als kleiner Bub von Bosnien nach Österreich gekommen, stach er mit seinem Talent im Nachwuchs von Union Perg heraus. Mit 15 Jahren wechselte der 1,88-Meter-Mann zu den Amateuren des damaligen Bundesliga-Klubs Pasching. "Ich sah es als Chance, war vierter Torwart hinter Schicklgruber, Gspurning und Moosbauer." Später heuerte er bei Unterhaching unter Klaus Augenthaler an. Ein halbes Jahr stand er bei NK Zagreb in der ersten kroatischen Liga unter Vertrag. Heute sagt er ohne Bedauern: "Ich habe alles gegeben, es hat nicht sollen sein, sicher hat auch das Quäntchen Glück gefehlt."

Modernes Torwart-Spiel

Beim Oberösterreich-Liga-Klub Union Perg ist Kujundzic die unumstrittene Nummer 1. "Er ist einer der besten Torhüter bis in die Regionalliga und kaum in Gold aufzuwiegen. Er strahlt Sicherheit und Ruhe aus, ist sehr ehrgeizig und kann sich quälen", lobt ihn Trainer Gerhard Obermüller. Wobei der Goalie die Fassung am Platz schon mal verlieren kann. "Ich bin sehr emotional und das kommt dann verbal zum Ausdruck. Wenn ein Stürmer drei Hunderter vergibt, schreie ich auch nach vorne. Wir diskutieren es nach dem Spiel aus." Starke Emotionen von einem, der im Brotberuf als Buchhalter sein Geld verdient. Der Bayern-Fan schaut sich viel von Welttorhüter Manuel Neuer ab. "Er kann das Spiel gut lesen, kommt rechtzeitig heraus, riskiert viel. Neuer hat das Torwart-Spiel revolutioniert. Auch unser Trainer fordert, dass der Torwart Libero ist, baut mich bei normalen Übungen ein." Das hängt freilich mit der Philosophie unter Obermüller zusammen: Mit Kurzpassspiel von hinten heraus zum Erfolg kommen. "Kujundzic hat in 45 Meisterschaftsspielen in 1,5 Jahren keinen Fehler gemacht, der zu einem Tor geführt hat", sagt Torwart-Trainer Günter Em über seinen Schützling. Diese beeindruckende Serie soll am Samstag, 11. März, beim Heimmatch gegen Donau Linz (ab 15 Uhr) verlängert werden. "Ziel ist der Klassenerhalt in der OÖ-Liga. Wir wollen junge Spieler herausbringen, uns spielerisch weiterentwickeln und als Mannschaft auftreten", so Kujundzic, der langfristig auf ein Comeback mit Perg in der Regionalliga hofft: "Wenn es finanziell möglich ist."

Amel Kujundzic über ...

Seine Freizeit: Die wird am liebsten mit dem 10 Monate altem Sohn Lian verbracht.

Sein Vorbild: Iker Casillas. "Ich habe ihn immer bewundert. Er hat mit 19 Jahren die Champions League gewonnen und das Niveau lange hochgehalten."
Lehrmeister: Vor allem von Michael Gspurning hat er sich während seiner Pasching-Zeit einiges abgeschaut.

Coach Obermüller: "Geht auf jeden Spieler ein, kann mit verschiedenen Charakteren umgehen. Perg hatte bisher keinen besseren Trainer."

Sportlichen Magic-Moment: "Der 22. Mai 2015 war besonders. Ich habe die Buchhalter-Prüfung bestanden, am Abend sind wir Meister geworden in der Landesliga Ost. Wir haben bis halb 8 Uhr in der Früh gefeiert. Ein schönes Gefühl als eingefleischter Perger."
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