Schutz, Liebe und Würde ein Leben lang!
Gnadenhof Tierpark Wolfsgraben
- Frau Gabriele Wodak mit einem Esel auf der Weide.
- Foto: Gnadenhof Tierpark Wolfsgraben
- hochgeladen von Michael Köck
Wo der Esel zum Pinsel greift
WOLFSGRABEN Gemeckert, geschnattert und gegrunzt wird hier vermutlich mehr als in so mancher Gemeinderatssitzung. Der entscheidende Unterschied: Auf dem Gnadenhof Tierpark Wolfsgraben geht es dabei ausgesprochen friedlich zu. Fast 80 große und kleine Tiere haben auf dem weitläufigen Gelände ein Zuhause gefunden – darunter Pferde, Esel, Waschbären, Stachelschweine, ein Wüstenluchs und sogar ein tierischer Künstler.
In der neuen Episode des Podcasts „Hallo Purkersdorf“ mit dem Titel „Gnadenhof Tierpark Wolfsgraben“ besucht Moderator Michael Köck diesen besonderen Ort und spricht mit Gründerin und Leiterin Gabriele Wodak. Dabei wird schnell deutlich: Hinter der heutigen Idylle verbirgt sich eine Geschichte, die alles andere als idyllisch begann.
Als Gabriele Wodak das Gelände vor mehr als 25 Jahren entdeckte, befanden sich die dort gehaltenen Tiere in einem katastrophalen Zustand. Es gab weder eine funktionierende Wasser- noch eine Stromversorgung. Tiere waren schwer krank, teilweise bereits verendet oder in viel zu kleinen Käfigen untergebracht. Gemeinsam mit dem ehemaligen Schönbrunner Tiergartendirektor Dr. Helmut Pechlaner übernahm Gabriele Wodak den Tierbestand. Die Tiere, die gerettet werden konnten, wurden gesund gepflegt und teilweise an andere zoologische Einrichtungen vermittelt.
Was ursprünglich als gemeinsames Weideprojekt mit dem Tiergarten Schönbrunn gedacht war, entwickelte sich schließlich zu einem eigenständigen Gnadenhof. Heute leben dort ausschließlich gerettete Tiere.
Wenn aus Tierliebe ein Lebenswerk wird
Gabriele Wodak hatte ursprünglich ein Unternehmen geführt. Mit 50 verkaufte sie ihre Firma und widmete sich vollständig dem Tierschutz. Aus einem Projekt wurde eine Lebensaufgabe – samt Fütterung, medizinischer Versorgung, Organisation, Spendenbeschaffung und jenen unerwarteten Notfällen, die sich offenbar nur schwer an Bürozeiten halten.
Ans Aufgeben habe sie dennoch nie ernsthaft gedacht, erzählt Fr. Wodak im Podcast. Besonders schwer seien jedoch jene Momente, in denen trotz tagelanger oder wochenlanger Pflege ein Tier nicht gerettet werden könne.
Eine Geschichte, die sie besonders geprägt hat, ist jene der Stute Laura. Das viel zu früh geborene Fohlen sollte ursprünglich als Präparat für die Veterinärmedizin dienen. Die Lunge war noch nicht vollständig entwickelt, auf den Hufen hatte sich noch kein Horn gebildet und selbst das Fell war nicht fertig ausgebildet.
Die Fachleute gaben Laura kaum eine Chance. Das Fohlen selbst war mit dieser Einschätzung offenbar nicht einverstanden.
Mit intensiver Pflege, tierärztlicher Unterstützung und erheblichem Schlafmangel gelang es, Laura durchzubringen. Aus dem schwachen Frühchen wurde später eine prächtige Stute und sogar eine Körungssiegerin. Für Wodak war Laura weit mehr als nur eines von vielen Tieren: „Diese Stute war wie meine Tochter“, erzählt sie.
Ein Tier ist kein Zeitvertreib
Neben bewegenden Geschichten findet die Podcastfolge auch deutliche Worte. Tiere würden immer häufiger wie Konsumartikel behandelt, kritisiert Wodak: Sie werden angeschafft, solange sie unterhaltsam sind, und abgegeben, sobald sich Lebensumstände ändern oder die Haltung unbequem und teuer wird.
Besonders nach der Corona-Zeit sei die Zahl der Abgaben gestiegen. Viele Menschen hätten sich während der Lockdowns spontan ein Tier genommen, ohne zu bedenken, dass damit eine jahrelange Verantwortung verbunden ist.
Was sie jemandem raten würde, der spontan ein Tier kaufen möchte? Die Antwort fällt unmissverständlich aus: Er solle es zunächst lassen und gründlich über die Entscheidung nachdenken. Zeit, Platz, persönliche Eignung und vor allem mögliche Tierarztkosten müssten vor der Anschaffung realistisch eingeschätzt werden.
Auch gute Tierschutzgesetze allein lösen nach Ansicht Gabriele Wodaks nicht alle Probleme. Entscheidend sei, ob deren Einhaltung tatsächlich kontrolliert werde. Ein Tierhalteverbot nütze wenig, wenn das nächste Tier einfach auf ein Familienmitglied oder eine Bekannte angemeldet werden könne.
Der Picasso mit den langen Ohren
Dass Tierschutz nicht nur traurig und anstrengend sein muss, beweist Esel Frederic. Er ist gewissermaßen der hauseigene Kunstschaffende des Gnadenhofs.
Begonnen habe alles, als Frederic mit einem Holzstück im Sand herumkratzte. Die Tierbetreuer erkannten sein kreatives Potenzial, ersetzten das Holzstück durch einen Pinsel und den Sand durch Papier. Anfangs wurde vor allem gekleckst. Mit Training, Geduld und vermutlich einer überzeugenden Anzahl an Leckerlis entwickelte Frederic jedoch eine eigene Maltechnik.
Heute entstehen unter seiner Mitwirkung Bilder, bei denen die menschlichen Teilnehmer Farben und Format auswählen dürfen. Den künstlerischen Hauptteil übernimmt Frederic. Signiert wird standesgemäß mit dem Hufeisen. Jedes Werk ist nummeriert und wird mit einem Echtheitszertifikat versehen – schließlich soll auf dem Kunstmarkt niemand mit einem gefälschten Esel-Frederic auftauchen.
Über die Website des Tierparks können Erlebnisgutscheine für gemeinsame Malstunden gebucht werden. Auch Führungen, Eselspaziergänge, Workshops und Programme für Schulklassen, Kindergärten oder Kindergeburtstage werden angeboten. Einfach unangemeldet vorbeizukommen ist allerdings keine gute Idee: Besuche müssen vorab online gebucht werden.
Freiheit statt Zwang
Das Grundprinzip des Gnadenhofs lautet: größtmögliche Freiheit, sinnvolle Beschäftigung und optimale medizinische Versorgung. Die Tiere sollen sich zurückziehen können und werden nicht gezwungen, mit Besucherinnen und Besuchern Kontakt aufzunehmen.
Gerade diese Freiwilligkeit mache die Begegnungen besonders, erklärt Wodak. Viele Tiere seien ausgesprochen zutraulich. Bei Führungen erfahren die Gäste nicht nur Namen und Tierart, sondern auch die persönliche Lebensgeschichte jedes einzelnen Bewohners.
Finanziert wird der gemeinnützige Verein durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Tierpatenschaften und die Arbeit ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer. Zusätzliche Sponsoren – insbesondere Unternehmen – wären dringend willkommen.
Die zentrale Botschaft der neuen Podcastfolge ist letztlich einfach: Jedes Tier ist ein fühlendes Wesen und verdient Respekt. Oder, wie Gabriele Wodak es formuliert: Wenn nach dem Anhören auch nur ein Mensch seinen Umgang mit Tieren überdenkt, „dann haben wir schon gewonnen“.
Links:
Gnadenhof - tierpark-wolfsgraben.at
Podcast - hallo-purkersdorf.at
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