P. Lorenz: „Mein Herz schlägt für Reutte!“

Pater Lorenz Staud lebt heute bei den Franziskanern in Kaltern. Reutte liegt ihm aber weiterhin am Herzen.
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  • Foto: Greuter
  • hochgeladen von Günther Reichel

REUTTE. Schon einmal hat sich Pater Lorenz Staud hinsichtlich der Zukunft des Klosterstandortes in Reutte zu Wort gemeldet. Inzwischen sind unterschiedliche Initiativen gestartet worden. In einem Brief, den uns Pater Lorenz übermittelt hat, bezieht er neuerlich Stellung:
„Als Franziskaner bin ich in einen interessanten Provinzverband eingetreten, der nach 2000 noch gewachsen ist und jetzt ganz Österreich mit Südtirol umfasst. Da bleibt man beweglich und kann Verschiedenes kennenlernen. Begonnen hat es mit der Ausbildung in Telfs, Schwaz und Salzburg. Dann kam mein erster Einsatz als Kaplan in Villach, ein Jahr Erziehertätigkeit in Hall, dann die ungewöhnlich lange Zeit in Reutte, verbunden mit der Mitbetreuung der Novizen, und jetzt der aktive Ruhestand im schönen Kaltern.

Es gibt auch Nachteile

Natürlich stecken in diesem Provinzverband auch Nachteile. In den besten Zeiten waren die Klöster überall gut besetzt. In Zeiten des Rückgangs wie in den letzten Jahrzehnten mussten die fast 30 Niederlassungen - zehn davon in Tirol - mit sehr geschrumpfter Mannschaft bereits zu mehreren Schließungen führen. Bei einem stark gestiegenen Altersschnitt kann sich heute nicht mehr für jedes Haus eine lebensfähige Gemeinschaft ergeben. Und die gehört nun einmal zum Franziskaner.
Warum aber gerade Reutte? Wo über hundert junge Männer ihre Ordensformung bekommen haben und wo gerade im letzten Jahr die Weichen neu gestellt wurden - oder nur notdürftig? In diesem Fall bin ich auch Außenstehender und kann nicht in das Herz der Verantwortlichen hineinschauen. Jedenfalls empfinde ich gerade die Auflösung dieses Klosters als starkes Notsignal. Bosheit steht hinter dieser Entscheidung bestimmt nicht. Gänzlich überraschen muss uns dieser Aufschrei der Ratlosigkeit aber auch wieder nicht.

Schwierige Ausgangslage

Lassen wir Tatsachen sprechen. 138 Brüder aus dem Außerfern waren es im Lauf der letzten vier Jahrhunderte, die in die Tiroler Franziskanerprovinz eingetreten sind. Nun aber seit Jahrzehnten keiner mehr. Zwei machten in der letzten Zeit noch den ernsthaften Versuch, entschieden sich dann aber für einen anderen kirchlichen Weg. Ginge es also nach jetzt lebenden Brüdern, stünde das Kloster in Reutte schon lange leer. Warum aber gerade ein Pfarrkloster, bei dem so viel Heimatgefühl für die Gläubigen des Ortes und viel Ausstrahlung in die Umgebung mit dran hängt? Diese Frage und das Unverständnis bleibt auch für mich.
Der Aufschrei der Bevölkerung ist verständlich. Was aber am meisten nötig wäre ist der Aufstand der Jungen gegen die allgemeine Gleichgültigkeit. Ist der Priester- oder Ordensberuf keine Alternative mehr, muss er dem modernen Lebensgefühl weichen? Sicher verlangt er einigen Verzicht: auf Frau, Kinder und Familie. Mit diesem müssen aber auch viele andere Menschen zurechtkommen. Dafür hilft dem Ordensmann die Gemeinschaft und die Nähe der Menschen.

Keine Selbstverständlichkeit

Vielleicht müssen wir auch wieder einmal die Not spüren, damit die religiöse Versorgung nicht zur Selbstverständlichkeit wird. Die angekündigte Schließung hat viele in Reutte und Umgebung aufgeweckt. Hoffen wir, dass gerade sie zum Zeichen wird für Aufbruch und Neubeginn. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.“

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