14.10.2014, 18:02 Uhr

Dick und gar nicht doof

Fliegenfischen auf Döbel, auch Aitel genannt, gehört zu den spannendsten
Erlebnissen an heimischen Gewässern. Die gedrungenen Fische sind schlau und
Vorsichtig. Ich verrate Ihnen, wie sie diesen Fisch auch spät im Herbst noch fangen können.


Kaum ein Fisch polarisiert in Fliegenfischerkreisen so sehr wie der Döbel oder Aitel. Fischer, die über ein gutes Forellen- und Äschengewässer verfügen, hassen ihn wie die Pest, weil er aus der Barbenregion, seiner eigentlichen „Heimat“ gerne in die Forellenbäche aufsteigt und durch sein räuberisches Verhalten großen Schaden unter den Salmoniden anrichten kann. Dennoch hat er auch Freunde unter den Fluganglern, einer davon bin ich. Ich liebe die Pirsch auf Dickköpfe. Auch jetzt im Spätherbst, bis in den Dezember hinein, wenn sich die Fische vor dem Winter die Bäuche voll schlagen, funktioniert das Fischen mit der Trockenfliege manchmal noch recht gut.
. Sanft schwebt die Fliege nieder, appetitlich und verführerisch und gut sichtbar. Schon nähert sich ein flacher Schatten, eine stumpfe Bugwelle vor sich herschiebend und verharrt dann, die Nase dicht unter dem zotteligen Gebilde, bewegungslos. Jetzt muß man die Nerven behalten, denn nun spielt sich das übliche Ritual noch bedächtiger als bei anderen Fischarten ab. Forellen oder Äschen zögern meist nicht lange, beim Döbel verkehrt sich das Wasser wie in einer auslaufenden Badewanne langsam zu einem Trichter, in dem die Fliege vergurgelt.
Aber dann……
Der Biss eines Döbels begeistert immer wieder aufs Neue. Es gibt einen regelrechten Ruck in der Rute, dem nicht selten ein entsetzter Luftsprung folgt. Weite Kreise zieht der Fisch, von Kopfschütteln und Stoßen begleitet, doch nach und nach kommt er näher. Noch einmal bohrt er sich Richtung Grund, Mulm und tote Algenreste aufwirbelnd. Nach einem kurzen, aber aufregenden Drill lässt er sich schließlich über den Kescher führen.
Ich erinnere mich noch ganz genau an mein erstes Lehrjahr im Fliegenfischen, das ich beim Aitelfischen an der Schwechat verbracht habe. Noch bevor ich mit der Fliegenrute meine ersten Salmoniden fing, erbeutete ich mit diesem Gerät ein paar hundert Döbel. Es ist also kein Wunder, dass ich zu diesem intelligenten Fisch ein ganz besonderes Verhältnis habe.

Der heimische, von Kennern stets geschätzte Schwechatfluß, gewissermaßen mein Hausrevier, wird einer alten Gewohnheit zufolge, geringschätzig „Schwechatbach“ genannt, eine Degradierung, für die es keinerlei Begründung gibt, nimmt er doch bei Achau einen beachtlichen Nebenfluß in sein Bett auf, nämlich den Triestingfluß; von dort an ist seine Wasserkapazität mehr als verdoppelt, damit sollte er wohl auch die Bezeichnung Fluss verdienen.
Schlau und vorsichtig. Ich habe hier viel Lehrgeld beim Aitelfischen gezahlt, aber wer sich mit der Fliegenrute bei diesen Dickköpfen bewährt, fängt Salmoniden umso leichter. Woran liegt es, dass die Fischwaid auf Döbel so manchen Fliegenfischer reizt? Wohl daran, dass es wahrlich nicht einfach ist und viel Erfahrung erfordert, sie an den Haken zu bekommen. Kapitale Exemplare gelten als äußerst schlau und misstrauisch. Ihre Bisse an der Trockenfliege erfolgen meistens sehr zaghaft und vorsichtig. Es kommt häufig vor, dass sie nur spielerisch nach der Fliege schnappten. Gerade in der herbstlichen Zeit fische ich noch gerne mit Käfermustern, Sedges oder Red-Tage Fliegen. Besonders gerne verwende ich die „Irresistible“ in braun, etwa in Hakengröße 10. Das ist der richtige Brummer, dem ein dicker Döbel oft nicht widerstehen kann. In der warmen Mittagszeit kann man aber auch noch ein Heuschreckenmuster den Bachrand entlang treiben lassen, um den einen oder anderen Biss zu bekommen. In der Regel erfordert das erfolgreiche Fliegenfischen auf Döbel perfekte Wurfarbeit und gekonnte Präsentation der Fliege.
Döbel, die von der Wasseroberfläche Nahrung aufnehmen, benutzen dabei auch ihren gut ausgebildeten Geruchssinn. Das heißt, sie beschnuppern in der Regel die Nahrung und nehmen ein totes Insekt sehr vorsichtig. Anders ist es bei sich bewegenden Insekten, die meist sofort genommen werden, da ja für den Fisch die Gefahr besteht, dass die Beute wegfliegt. Um diesen Abflug zu simulieren, zieht man beim Beschnuppern des Musters durch den Fisch die Fliege ein wenig zur Seite. Diese Methode hat schon so manchen vorsichtigen Döbel doch noch zum Anbiss verleitet.
Den besten Erfolg hat man, wenn man dem Fisch die künstliche Fliege sozusagen direkt vor die Nase setzt. Ein Käfermuster, das man zum Beispiel ein wenig härter auf das Wasser aufsetzt, hat schon so manchen Fisch, nur durch das Geräusch des Aufschlagens zum Biss verführt.
Auf keinen Fall sollte die Fliegenschnur auf das Wasser platschen, sonst ist es für eine Weile vorbei mit dem Fischen, dann ist der ganze Schwarm plötzlich verschwunden. Wenn man im Fließwasser fischt, gibt es weniger Präsentationsprobleme, und man kann sich ähnlich wie beim Forellenfischen verhalten. Dennoch ist es so, dass Döbel viel vorsichtiger als Salmoniden sind- auch muß man unbedingt aus der Tarnung heraus fischen, das heißt, beim Werfen in Deckung bleiben. Das gilt natürlich umso mehr beim Fischen in stehenden Gewässern.
Feines Vorfach. Was die Gerätschaft betrifft, gibt es keinen Untersschied zwischen Fliegenfischen auf Salmoniden oder Döbel, außer dass ich persönlich zu einem etwas feineren Vorfach neige - auch mit dem Risiko, durch einen großen Fisch Schnurbruch zu erleiden. Ich bilde mir ein, durch das feine Vorfach doch mehr Bisse zu bekommen, aber das ist eben jedem selbst überlassen.
Genau Ortskenntnisse erhöhen die Fangaussichten um ein Vielfaches. Das heißt, man sollte die kleinen Gumpen, Unterstände, Steinplatten, Wasserfälle, Bacheinmündungen usw. kennen, wo sich eventuell größerer Fisch aufhalten könnten
Natürlich kann man das Aitel mit Streamer oder Nymphe befischen. Beim Fischen mit der Nymphe muß man allerdings sehr gut aufpassen und beobachten (Polaroidbrille), um den Anbiß nicht zu versäumen. Denn Aitel nehmen keineswegs den Köder so vehement wie Forellen.
Das Aitel (Leuciscus cephalus) gehört in unseren Gewässern zu den am meist verbreiteten Fischen. Es besitzt einen gestreckten, im Querschnitt fast drehrunden, silbergrauen bis manchmal goldgelb glänzenden Körper. Der Kopf ist breit, dick (Dickkopf), mit großer runder Mundöffnung. Die Bauch und Afterflossen sind rötlich. Schwanz und Rückenflosse ist blaugräulich. Dieser Fisch ist einer der anpassungsfähigsten Fische, er kommt in fast allen Gewässern Europas vor. Sogar in „kanalisierten“ Fließgewässern wie unserem Liesingbach fühlt es sich wohl. In der Fachliteratur scheint im Zusammenhang mit der Nahrungswahl des Aitels deshalb der Begriff Allesfresser auf. Da es kaum einen Fisch in unseren Gewässern gibt, dessen Speisezettel so umfangreich und vielfältig ist wie bei diesem dickköpfigen Gesellen.
In der Jugend bilden die Aiteln Schwärme, während sich die kapitalen Exemplare eher alleine durchs Leben schlagen. Die Angaben über das Maximalgewicht schwanken beträchtlich und liegen zwischen 3 und 6kg. Allerdings, nachgewiesene Fänge im Schwechatbach die bis zu 3kg reichten, galten schon als sehr kapitale Fische. Die Laichzeit dieser Fische fällt in die Wochen zwischen Mai und Juli und es ist ein Erlebnis ihnen bei der Eiablage auf seichten Kiesbänken zuzusehen.
Zum Abschluß sei noch gesagt, das Aitel ist wohl schon jedem Angler begegnet. Infolge seines umfangreichen Speisezettels gibt es kaum eine Angelmethode, bei der man keine Aitel erbeuten kann.
Nun noch ein Tipp für all jene, die mit dem Fliegenfischen nicht vertraut sind. Sie müssen deshalb keineswegs auf Kunstköder verzichten. Mit Hilfe einer Wasserkugel lassen sich die verschiedensten Fliegenmuster sowohl trocken als auch nass hervorragend anbieten. Natürlich kann man beim Fischen mit der Wasserkugel auch etwas handfestere Köder, wie z.B. Brot, Käse und die umfangreiche Liste der natürlichen Köder, wie Maden oder Würmer usw. verwenden.
Als kleiner Junge schaute ich mir so Manches von meinem Vater ab. Er fischte mit Kirschen, Maikäfern, Mäusen, aber auch mit roten Nacktschnecken und Holunderbeeren auf Aitel- und zwar auf Grund, die Schnur über den Zeigefinger geführt; der fungierte als Bissanzeiger, und registrierte auch feine Zupfer sofort..
Ich denke beim Fang eines Dickkopfes heute noch an meinen ersten großen Angelerfolg als Knirps – den Fang eines kapitalen Döbels mit einem Haselnussstecken und einem Maikäfer als Köder.
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