15.01.2018, 13:51 Uhr

Textilgalerie: Stoffe färben als Kulturerbe

Für die japanische Shibori-Färbetechnik bindet Elisabeth Rössler den Stoff mit einer Schnur ab. Es können auch Plättchen oder Stäbchen eingebaut werden
Elisabeth Rössler vermittelt in ihrer Textilgalerie wie man rund um den Globus Stoffe verarbeitet.

WÄHRING. Es war Liebe auf den ersten Blick. "Ich habe den Ort für meine neue Textilgalerie im Vorbeigehen entdeckt und sofort gewusst, dass es das ist", sagt Elisabeth Rössler.
Am 1. Dezember 2017 eröffnete sie in der Gentzgasse 112 im benachbarten Währing ihr neues Geschäft. Hier hält sie regelmäßig unterschiedliche Workshops, vermietet das Lokal aber auch zu Kindergeburtstagen oder an private Kleingruppen. Dabei kann man lernen, wie unterschiedlich rund um die Welt Stoffe gefärbt, bedruckt, gewebt und gestaltet werden.

Elisabeth Rössler ist auf alte Färbetechniken wie zum Beispiel Shibori, eine Färbetechnik aus Japan oder dem indischen Stempeldruck, spezialisiert. Für sie geht es dabei um mehr als die schöne Gestaltung von Textilien. "Hier handelt es sich um ein großes Kulturerbe der Menschheit", so Rössler. Die Shibori-Technik ist eine Reservetechnik wie Batik und Blaudruck. Die Methode ist aus der Not der Armen entstanden, die sich keine neuen Kleider leisten konnten. Also wurden alte Stoffe umgefärbt, mit neuen Mustern versehen, die durch spezielle Bindetechniken mit Fäden, Plättchen und Stäbchen entstanden. Das Ergebnis: Bald entdeckten auch die Reichen und der Adel die schönen Shibori-Stoffe für sich und ihre Kimonos.

"Das macht diese Techniken auch so spannend. Sie waren und sind lebendig in den Alltag der Menschen integriert, Teil ihrer Identität", sagt Rössler, die am Salzburger Mozarteum textiles Gestalten studiert hat. "Mit all diesen althergebrachten Techniken bin ich seit meinem Studium vertraut und habe sie dann auch live vor Ort, in Guatemala, oder Indonesien begutachten können."

Entdeckung der Langsamkeit

Die Beschäftigung mit alten Textil-Techniken hat für Elisabeth Rössler ein meditatives Element: "Wer sich die Zeit nimmt, sich mit diesen alten Techniken zu befassen, erlebt ein neues, entschleunigtes Tempo", sagt sie. "Auf mich wirkt diese Arbeit meditativ und macht unglaublich viel Freude." Zehn Jahre lang hat sie an Wiener Schulen textiles Gestalten und im Zweitfach Italienisch unterrichtet und sich dann selbständig gemacht, um ihre Energie für die eigene kreative Arbeit zu nutzen.

Ihre eigenen Kreationen, meist auf gefärbtes Papier mit Tausenden einzelnen Stichen gestickt, hat die Textilkünstlerin auch schon in zahlreichen Ausstellungen präsentiert. Doch das Arbeiten im eigenen Atelier war ihr bald zu wenig. Mit ihrer Galerie möchte sie dieses Wissen an andere Menschen vermitteln: "Textilkunst ist in unserer Kunstszene ein echtes Stiefkind, wird kaum gefördert. Und unsere eigenen, alten Textiltechniken sind längst in Vergessenheit geraten." Am 20. Jänner organisiert sie einen Shibori-Workshop. Alle Infos gibt es unter www.textilgalerie.at
 
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