08.08.2016, 07:00 Uhr

"Aus 'Gold-Erika' wurde der Erik"

Erik Schinegger mit seiner Frau Christa: "Heute weiß ich, dass es einen Erik ohne die Goldmedaille nicht geben würde" (Foto: Friessnegg)

Am 8. August 1966 wurde Erik Schinegger Weltmeisterin in Portillo. 50 Jahre später denkt er zurück.

AGSDORF (fri). Wenn Erik Schinegger heute zurückdenkt, dann sieht er die Entwicklung, die kurz nach der Weltmeisterschaft im chilenischen Wintersportort Portillo ihren Lauf genommen hat, positiv.


Einzige "Goldene"

"Ich war zuerst ein gefeierter Star, denn schließlich habe ich die einzige Goldmedaille bei diesen Weltmeisterschaften geholt", schildert er stolz. "Gleich darauf wurde ich allerdings vom ÖSV fallen gelassen wie die sprichwörtliche heiße Kartoffel." Aus der 'goldenen Erika' war ein Erik geworden und dieser war nicht tragbar. "Am 19. Jänner 1968 wurde publik, dass ich nun ein Mann war", denkt er an die schwere Zeit zurück. "Viele Monate hatte ich im Krankenhaus verbracht und oft mit meinem Schicksal gehadert. Dann fielen plötzlich alle über mich her."


Keine zweite Chance

Die ersten Wochen hätte er sich versteckt und oft gefragt, ob die Entscheidung richtig gewesen sei. "Allerdings war mein Wunsch nach einem erfüllten Leben – ob als Mann oder Frau – so stark, dass ich irgendwann beschlossen habe, mich allen zu stellen. Ja, ich wollte sogar im Herrenteam, denn bei Trainingsfahrten fuhr ich oft Bestzeit, einen Neustart wagen. Aber ich hatte die Rechnung ohne die Verantwortlichen gemacht. Man wollte keinen Erik Schinegger. Ich konnte nur Kärntner Meisterschaften, Österreichische Meisterschaften und Europacup-Rennen bestreiten. Ein Wechsel zu einer anderen Nation wurde mir ebenfalls verwehrt", so der Ex-Rennläufer. "Und leider sehe ich, dass sich das System bis heute nicht wirklich verändert hat. Wer nicht funktioniert, wird ausgetauscht!"

Skischule eröffnet

1972 veranschiedete sich Schinegger schließlich ganz vom Rennsport und absolvierte die Skilehrer-Ausbildung. 1975 eröffnete er seine Skischule auf der Simonhöhe.
"Ich bin sehr stolz, dass mittlerweile viele Generationen bei mir das Skifahren erlernt haben und Freude daran finden", resümiert 68-jährige Ehemann, Vater und Großvater heute.
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