12.10.2016, 06:47 Uhr

Keine Schranken für die Gleise

Die Missachtung des weithin sichtbaren Rotlichts führte zu dem bekannten und tragischen Ausgang (Foto: Friessnegg)

Nach dem Unfall am Bahnübergang in Feldkirchen werden Rufe nach einer Schrankenanlage laut.

FELDKIRCHEN (fri). "Was bedeutet ein Rotlicht?", stellt der Pressesprecher der ÖBB, Christoph Posch, eine legitime Frage. "Rotlicht heißt Stopp. Das gilt für einen Bahnübergang ebenso wie für eine Kreuzung, die durch eine Ampel geregelt ist. Niemand würde dort bei Rot einfach einfahren." Darum steht für Posch außer Frage, dass es sich bei der Ursache für den Unfall, der sich vor wenigen Wochen ereignet hat, um eine klare Missachtung des Rotlicht-Signals handelt. "Ich halte unmissverständlich fest, dass im Straßenverkehr und darüber hinaus von allen Verkehrsteilnehmern ein hohes Maß an Eigenverantwortung notwendig ist. Verkehrszeichen, Ampeln, Lichtsignale usw. haben nach der Straßenverkehrsordnung eine gewisse Bedeutung und sollten nicht missachtet werden."


Optische Barriere

Nach einem Lokalaugenschein vor Ort habe man auch keinen Grund gefunden die Kreuzung, die vor Jahren durch einen Schranken gesichert war, wieder mit einem solchen zu versehen.
"Es gibt ganz eindeutige Bestimmungen, die eine Schrankenanlage erforderlich machen. Diese treffen hier nicht zu und man muss auch an die Eigenverantwortung der Menschen appellieren", meint Posch. Zudem sei ein Schranken nur eine optische Barriere und könnte ebenso gut überfahren werden. Ein Andreaskreuz, der Hinweis auf den Eisenbahnübergang sowie die Lichtanlage – zuerst Gelb, dann Rot – würden genügend Aufmerksamkeit erzeugen. Wie viele Eisenbahnübergänge es zwischen Bodensdorf und Glanegg gibt, konnte Posch nicht beantworten, wohl aber die Tatsache, dass bei der Installation von Schrankenanlagen immer auch Gemeinde oder Land – je nach Verwaltungszugehörigkeit der Straßen – zur Kasse gebeten werden.


"Über Zuschuss reden"

Eine deutliche Erhöhung der Sicherheit sieht der Verkehrs- und Straßenreferent der Stadtgemeinde Feldkirchen Herwig Röttl bei Bahnübergängen, die durch Schranken gesichert sind. "Natürlich muss man an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer appellieren", so Röttl. Er selbst würde vor jedem Bahnübergang, ganz gleich ob das Warnlicht blinkt oder nicht, stehen bleiben und die Lage prüfen. "Dennoch wäre im Sinne der Verkehrssicherheit ein Schranken begrüßenswert. Wir würden uns mit einem Zuschuss beteiligen, allerdings ist die ÖBB der Profiteur der Anlage und müsste den Großteil der Kosten tragen."

Sicht- & hörbare Warnsignale

"Wir unterscheiden bei nicht technisch gesicherten auch noch jene Variante, wo die Sichten ausschlaggebend sind", erklärt ÖBB-Pressesprecher Christoph Posch. "Reichen die Sichten nicht aus, so erfolgt die Abgabe von Pfeifsignalen." Wenn eine technische Sicherung, in diesem Fall mit Lichtsignalen per Bescheid vorgeschrieben wird, dann haben zuvor Kriterien die hohe Sicherungsart erfordert. Eine zusätzliche Schrankenanlage muss von der Behörde vorgeschrieben werden, und auch dafür gibt es Kriterien, wie zum Beispiel gefahrene Höchstgeschwindigkeiten auf Straße oder Schiene sowie die Verkehrsdichte der Verkehrswege.

Zur Sache

Im Streckenabschnitt – zwischen Bodensdorf und Glanegg – gibt es keine ungesicherten Eisenbahnkreuzungen. Es sind alle Eisenbahnkreuzungen immer gesichert.
Folgende Arten von Bahnübergängen unterscheidet man:
Nicht technisch gesichert – mit Andreaskreuz, und/oder Stopptafel.
Technisch gesichert – mit Andreaskreuz, Lichtsignalen und/oder Lichtsignalen mit Schranken
Die Sicherungsart schreibt die jeweilige Eisenbahnbehörde, in diesem Fall jene des Landes Kärnten, vor. Das erfolgt im Sinne der Eisenbahnkreuzungsverordnung von 2012.

Chronologie

2010: Unfall auf Bahnübergang in Steindorf.
2011: Autolenkerin stirbt nach Kollision mit Zug in Bodensdorf.
2012: Vater und Tochter werden auf Bahnübergang in Sonnrain verletzt. Rotlicht-Anlage ist bereits erloschen.
2016: Fußgänger wird beim Überqueren von Zug erfasst und schwer verletzt.
2016: Autolenker übersieht Rotlicht und wird mit seinem Fahrzeug vom Zug 200 Meter mitgeschleift.
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