25.07.2016, 14:41 Uhr

Die Großglockner Hochalpenstraße und der Salzburger Künstler Johann Weyringer

Johann Weyringer in seinem Atelier vor Bildern des Wellenbergs, am 18. Juli 2016 in Neumarkt am Wallersee
Heiligenblut: Kaiser-Franz-Josefs-Höhe | (kra) Österreich | Salzburg | Kärnten | Wellenberg, Design-Liege und Glockner-Panorama – Kunst kennt keine Grenzen und schon gar nicht Höhengrenzen. Die als erste österreichische unter Denkmalschutz stehende Straße, die Großglockner Hochalpenstraße, hat nicht nur einmalige Landschaft zu bieten, sondern auch Kunstwerke. Zwei davon stammen vom Neumarkter Künstler Johann ‚Hans‘ Weyringer.

Vom Umkehr- zum Nationalparkplatz mit Kraft-Wellenberg


Wer im Salzburger Pinzgau die Kassenstelle Ferleiten passiert hat, genießt 34 Kilometer Hochgebirgslandschaft, bevor er auf Kärntner Seite am Ende der Gletscherstraße die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2 369 m ü. A. erreicht. Dort parkt er sein Fahrzeug im Parkhaus Freiwandeck. Bevor dieses 1961 eröffnet wurde, diente seit 1951 der Platz davor als Park- und Umkehrplatz. Bis 1951 musste man am tiefer gelegenen Parkplatz „Franz-Josefs-Höhe II“ parken, der bereits 1933 dort eröffnet worden war.

1987 standen eine Sanierung und Aufstockung des Parkhauses an. Der damalige Generaldirektor der Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG), Dr. Michael Pistauer, lud Prof. Friedrich Achleitner zu einer Besichtigungsfahrt ein. Achleitner, ein renommierter, österreichischer Architekt und Architekturkritiker, forderte in Hinblick auf eine mögliche Anerkennung als nationales Denkmal (was dann 2015 auch geschah) einen architektonischen Wettbewerb zur Neugestaltung des Platzes vor dem Parkhaus.

Als dann 1997 der Wettbewerb zur Neugestaltung ausgeschrieben wurde, bewarb sich Johann Weyringer aus Neumarkt am Wallersee mit seinem Kunstwerk „Wellenberg“ mit begehbarem Bronzeboot und gewann den Wettbewerb.

Ein Flug um den Großglockner brachte die entscheidende Idee

Weyringer verbrachte im Sommer 1997 eine Woche auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, um Ideen für sein Kunstwerk zu sammeln. Hans Knaus, der Vater des Roy Knaus und Besitzer des Hubschrauberunternehmens Heli Austria, nahm Weyringer auf einen Rundflug um den Großglockner mit. Dabei sah Weyringer geschuppte Schneeverfrachtungen, die er dann im Aufbau der Bodenplatten seines Wellenberges künstlerisch umsetzte.

Die Platten des Wellenbergs sind aus dem harten Serpentinit der Hohen Tauern, einem Chloritschiefer. Die wellenförmige Anordnung von Blöcken und Platten versinnbildlichen die Gebirgsbildung. Das begehbare elf Meter lange Bronzeboot auf der Spitze des Wellenberges steht für das Zeitgefühl der Menschen. Weyringer möchte die Besucher zu einer geistigen Zeitreise in die Vergangenheit einladen, als das Gebiet der Pasterze noch ein Almboden mit Weidevieh war. Erst eine kleine Eiszeit im Mittelalter ließ die Pasterze entstehen. Oder, wenn man der Sage Glauben schenkt, gottlose Sennerinnen und Senner wurden mit meterdicken Eisschichten mit dem Tode bestraft. Der Serpentinit wiederum stellt ein Urgestein dar, das sich einst auf dem Meeresgrund befand und durch die Faltung der Alpen im Bereich der Hohen Tauern an die Erdoberfläche gepresst wurde.

Wie der Wellenberg in Osttirol entstand

Bevor Weyringer mit der Umsetzung seiner Idee beginnen konnte, schuf er davon ein Modell im Garten seines Ateliers in Neumarkt am Wallersee. Dann musste er ein Boot im Originalmaßstab bauen, um es in Bronze gießen lassen zu können. Aber woher elf Meter lange Tannenholz-Bootsbretter hernehmen? Der Neumarkter Zimmermeister Schreder wusste Rat und wandte sich an das „Landesfürstlich privilegierte Schifferschützen-Corps Oberndorf an der Salzach“, bestehen doch dessen Zillen aus ähnlich langen Hölzern. Über die Schiffergarde erhielt Weyringer das passende Holz.

Der Bronzeguss erfolgte von Bildhauer Max Auböck in der Salzburger Glockengießerei Oberascher im Gusswerk in Salzburg-Kasern. Beide Unternehmen, sowohl die Zimmerei Schreder als auch die Gießerei Oberascher, gibt es heute nicht mehr.

Nachdem also das Boot geschaffen war, mussten geeignete Serpentinit-Platten im Steinbruch der Firma Lauster im Dorfertal in Osttirol gefunden werden. 200 Tonnen Krustenplatten, also Steinplatten mit Naturbruchseite, Platten, die beim Schneiden glatter Blöcke als Abfall anfallen, sammelte Weyringer im Laufe von gut einem Jahr. Ihm zur Seite standen mehrere Helfer und gemeinsam wurden die Platten im Steinbruch zum Wellenberg aufgebaut. Es entstanden Sitz-Steine, begehbare Flächen und Kantensteine, wie sich Weyringer bei seinem Flug über den Großglockner inspirieren ließ.

Dann wurden Platten und Bronzeboot auf die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe transportiert. Bis 2004 entstanden die Neugestaltung des Nationalparkplatzes durch einen Unterbau aus glatten Platten und die Fertigstellung des Kunstwerks „Wellenberg“.

„design sitzt“, die Design-Liege von Weyringer 2012

Mit der Aktion „design sitzt“ erhielt die Stadt Salzburg von Mitte Juni bis Anfang September 2012 moderne Sitzgelegenheiten im Stil einer Barocklocke. Hans Weyringer verlieh direkt auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe am Fuße des Großglockners bei „Kaiserwetter“ der ersten Bank ihr unvergleichliches Aussehen.

Die Bank veranschaulicht die Themenwelt der Großglockner. Für die „Kunst an der Bank“ ließ er sich vor Ort auf knapp 2 400 m Seehöhe inspirieren und gestaltete diese in seiner unnachahmlichen Art direkt im Hochgebirge. Die Fertigstellung erfolgte in einem zweiten Schritt in seinem Atelier in Neumarkt. Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Gerlos Alpenstraße (Panoramastraße von Krimml nach Gerlos) wurde auch am Fuße der weltbekannten Krimmler Wasserfälle eine Bank von Hans Weyringer bemalt.

Die „Großglockner Hochalpenstraße“-Design-Liege lud ab Juni auf dem Residenzplatz in Altstadt von Salzburg zum Verweilen ein. Dort befand sich über ein halbes Jahrhundert auch die „Wetterauskunftsstelle“ der Großglockner Hochalpenstraße für die Besucher der Stadt Salzburg.

Großglockner-Panoramen

Das monumentale Ölbild der zweiten, erfolgreichen Glocknerexpedition, der Erstbesteigung im Jahr 1800, des Johann Evangelist Scheffer von Leonhardsdorf (* 1795, † 1822) ist wohl eine der ersten Darstellungen des Großglockners. 1860 entstand vom Kärntner Biedermeiermaler Markus Pernhart (* 1824, † 1871) eine bekannte Darstellung des Rastplatzes „Adlersruh“ der Glocknerexpedition 1900, wo sich heute die Erzherzog-Johann-Hütte befindet. Im gleichen Jahr schuf er ein großes Glockner-Panorama, das heute im Kärntner Landesmuseum zu sehen ist.

1992 entstand ein beeindruckendes Diptychon des Südtiroler Fotografen Walter Niedermayr. Es zeigt eine Ansicht der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. 1998 malte Hans Weyringer das Panorama der Glocknergruppe von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe aus.

Im Sommer 2016 kamen unter dem Titel „die höchsten Salzburger“ zwei Monolithen dazu, zwischen denen man den wahrscheinlich tatsächlich höchsten Berg auf Salzburger Boden sehen kann, das große Wiesbachhorn (3 654 m ü. A.). Ein Kunstwerk mag auch das Gedenkzeichen am Fuscher Törl sein, mit dem man den Toten beim Bau der Straße gedenkt. Dies sind nur einige Beispiele von Kunstwerken, die man entlang der Großglockner Hochalpenstraße sehen konnte oder noch erleben kann.

Alle Bilder (50) zu diesem Beitrag unter diesem Link und Bilder von der Großglockner Hochalpenstraße (allgemeine Bilder sowie von der Schneeräumung) unter diesem Link
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