01.08.2016, 15:56 Uhr

"Viele überschätzen sich selbst"

Mit 25 Jahren ist Michael Haas (links im Bild mit Orststellenleiter-Stellvertreter Stephen Matthey) jüngster Bergretter in St. Gilgen.

Zwölf aktive Bergretter decken in St. Gilgen ein Gebiet von 157 Quadratkilometern ab.

ST. GILGEN (buk). Mit aktuen Nachwuchsproblemen kämpft derzeit die Bergrettungs-Ortsstelle in St. Gilgen. Insgesamt betätigen sich hier 18 Mitglieder ehrenamtlich, zwölf davon sind im aktiven Dienst. Neben dem Gemeindegebiet von St. Gilgen decken die Ehrenamtlichen auf einer Gesamtfläche von 157 Quadratkilometern auch Teile von Fuschl, Hintersee, Faistenau, Hof und Thalgau ab. Dabei bewegen sie sich zwischen 470 und 1.783 Metern Seehöhe. Mit 25 Jahren ist Michael Haas derzeit der jüngste Bergretter.

"Auf die Idee bin ich schon lange gekommen", erzählt der Polier, der neben der Bergrettung auch Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist. Auslöser für seinen Start war ein Bergunfall, bei dem sein Bruder unglücklich gestürzt ist und aus den Bergen geholt werden musste. "Es war zwar nicht so tragisch wie es klingt, aber ohne die Bergrettung hätte es schlimm ausgehen können", sagt er. Generell sei er "schon immer" in den Bergen unterwegs gewesen. "Ich frage mich selbst oft, warum es mich so ins Gebirge zieht", grinst Haas, dem vor allem die Ruhe, die Natur und das Abschalten abseits der Menschenmassen gefällt.

Übungen und Fortbildungen

Ab einem Alter von 18 Jahren können Interessierte bei der Bergrettung starten. Voraussetzung ist allerdings – neben absoluter Trittsicherheit –, dass man auch unter der Woche verfügbar ist. "Das ist kein Golfclub, wo man kommt und geht, wie man will. Für das ist es einfach zu gefährlich", ist Orststellenleiter-Stellvertreter Stephen Matthey überzeugt. Nach der Grundausbildung mit einer Woche im Felsen, einer Woche im Winter, einer Woche im Eis und drei Tagen alpiner Erster Hilfe geht es für die Mitglieder los. Mindestens 25 Stunden pro Jahr müssen sich die Bergretter zudem fortbilden und alle 14 Tage in der Orststelle eine Übung besuchen.

Selbstsicherung im Fokus

"Das schwierigste und absolut wichtigste ist die Selbstsicherung. Vieles kann zum Glück mit Unterstützung durch Hubschrauber gemacht werden – auch wenn diese vor allem am Abend häufig nicht fliegen können", erklärt Haas. Häufig müssten die Bergretter zu Menschen ausrücken, die sich selbst überschätzen. "Am Schober glauben alle, dass der ganz easy ist. Allerdings verlangt er Trittsicherheit. Pro Jahr holen wir von dort mindestens zwei Personen, oft Touristen", so Haas. Auch Paragleiter, die im Baum hängen, gehören laut ihm zu den "jährlichen Klassikern". Insgesamt leisten die St. Gilgener im Schnitt zwölf bis 18 Einsätze pro Jahr. Heuer mussten sie bis Ende Juli bereits 16 Mal ausrücken.
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