09.03.2016, 11:00 Uhr

Trägerverein zieht die Reißleine

Von der Ferienbetreuung über die schulische Nachmittagsbetreuung bis hin zur Krabbelstube ändert sich in Mattsee heuer alles. (Foto: Franz Neumayr)

Bis Anfang Juli hat der Ort Mattsee Zeit, eine neue schulische Nachmittagsbetreuung auf die Beine zu stellen.

MATTSEE (buk). Komplett aufgelöst wird mit Ende Juni der Verein Flachgauer Bürgerinnenservice – und damit auch die derzeitige Schulkind- und Krabbelgruppe in Mattsee. Lediglich die Frauenberatung kann aufrechterhalten werden. Das erzwungene Ende hat sein Vorspiel in Neumarkt, wo in einer Gemeindevertreter-Sitzung der Beschluss gefallen ist, dem Verein die Krabbelgruppen – und damit die Überlebensgrundlage – zu entziehen. "Wir wollten die Gruppe rein aus steuerrechtlichen Gründen selbst führen", sagt Neumarkts Bürgermeister Adi Rieger. Der Beschluss, dass sich der Verein auflösen wird, war auch für ihn überraschend.

Damit in Mattsee keine Versorgungslücke für die Kinder entsteht, hat die Gemeinde nun einstimmig beschlossen, künftig das Hilfswerk an Bord zu holen. "Wir wären gerne beim Bürgerinnenservice geblieben", sagt Mattsees Bürgermeister Rene Kuel und ergänzt: "Aber die schaffen das nicht mehr." Das Ende der Zusammenarbeit sei allerdings "kein böses gewesen".

Der Beschluss, als künftigen Träger das Hilfswerk zu nehmen, ist in der Gemeindevertreter-Sitzung über alle Fraktionen hinweg einstimmig gefallen. Bislang sei die Betreuung vor allem auf sehr persönlicher Ebene abgelaufen, "aber das Problem war, dass eine kleine Organisation durch Einzelentscheidungen von heute auf morgen abgeschafft werden kann", sagt Kuel. Man hätte nun deshalb einen Partner gesucht, bei dem man sich darauf verlassen kann, dass er die kommenden Jahre existieren wird – auch, wenn "das Persönliche dann vielleicht nicht mehr so gut ausgelebt wird".

Dass auch Mattsee "zum Handkuss kommt", bedauert Monika Bundt, ehrenamtliche Obfrau des Bürgerinnenservice. "ÖVP und FPÖ haben in Neumarkt leider entschieden, dass sie die neue Krabbelstube – ein Prestigeprojekt – selbst führen wollen", sagt sie. Und obwohl dieser Beschluss das Ende ihres Vereins eingeläutet habe, müsse es nun friedlich ablaufen. "Manchmal kann man leider einfach nichts machen und muss die Reißleine ziehen. Wenigstens werden unsere Mitarbeiterinnen – mit Ausnahme der Geschäftsführerin – übernommen", so Bundt, die bedauert, dass "auch Mattsee zum Handkuss kommt".

Zusätzliche Krabbelgruppe

Dass nun so plötzlich reagiert werden muss, fordert die Gemeinde immens. "Das Hilfswerk muss auch die Ferienbetreuung übernehmen und per erstem Juli alles aufgestellt haben", erzählt Kuel, der die Sommermonate für den Umbau der Volksschule nutzen möchte. Im September soll dann die neue Nachmittagsbetreuung – die lediglich für die Gemeinde teurer werden wird, Eltern aber das gleiche wie bislang kostet – fertiggestellt sein. Zudem soll bis Ende Oktober eine zusätzliche Krabbelgruppe im Ort entstehen.
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