17.05.2016, 15:28 Uhr

Immer provokant und falls nötig illegal

Besetzung des Kleinseiter Brückenturms bei der Karlsbrücke in Prag (2006). (Foto: www.atomkraftfrei-leben.at)

Gabriele Schweiger aus Freistadt und Roland Egger aus Goldwörth sind wichtige Akteure im Anti-Atom-Kampf.

FREISTADT. Fragt man Gabriele Schweiger („Mütter gegen Atomgefahr“) und Roland Egger („atomstopp_atomkraftfrei leben!“) nach dem höchsten Ziel ihrer Organisationen, dann kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Die Auflösung!“, schreien es die beiden Anti-Atom-Aktivisten heraus. „Wir wollen uns selbst überflüssig machen“, betont Schweiger. Überflüssig, weil sich das Thema erledigt hat, weil es keine Atomkraftwerke mehr gibt. Doch noch gibt es sie und darum sind ihre vehementen Gegner wichtiger denn je. Auch wenn beispielsweise im AKW Temelin die Störanfälligkeit zurückgeht. „Da darf man sich nicht täuschen lassen“, sagt Egger. „Das bedeutet nicht, dass die Sicherheitsmängel behoben wurden.“

„Du landest im Gefängnis!“
Schweiger und Egger machen seit mehr als 15 Jahren gemeinsame Sache. Die Aktionen sind zum Teil spektakulär und illegal. „Als wir 2006 zwei 72 Quadratmeter große Transparente am Kleinseiter Brückenturm der Karlsbrücke in Prag entrollt haben, geschah das im Bewusstsein, dass wir abgeführt werden“, erzählt Schweiger. Passiert ist ihnen glücklicherweise nichts. „Es gab keine Verhaftung, nur ein Verhör.“ Dass sie „irgendwann einmal im Gefängnis landen“ werde, hat Gabriele Schweiger in diesen Tagen von vielen Leuten gehört. „Aber so lange man weiß, dass man auf der richtigen Seite steht, ist das OK.“

Und warum macht man überhaupt Aktionen, bei denen man sich auf glitschiges Terrain begibt? „Weil man nur so Aufmerksamkeit erregt“, sagt Roland Egger. „Wenn wir unsere Sache gut machen, dann reagiert die Politik.“ Schweiger, Egger und andere Anti-Atom-Aktivisten haben sich schon oft in die erste Reihe gespielt. Sie haben vorm Bundeskanzleramt neun Tonnen Schotter abgekippt und sie haben sich am Opernball in Szene gesetzt. Und wenn sie vom Auftritt eines prominenten Politikers hören, dann passen sie ihn ab. Egal ob das ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner oder Bundespräsident Heinz Fischer ist – die Aufmerksamkeit zählt.


Tischlerin und Biologe sorgen für Aktionismus

FREISTADT. Die Freistädterin Gabriele Schweiger ist seit dem Jahr 2000 bei den „Müttern gegen Atomgefahr“ engagiert. Auslöser waren damals die großen Kundgebungen an der Grenze in Wullowitz. Nur drei Jahre später löste sie Rosina Luger als Obfrau ab. Die gelernte Verkäuferin (53) ist praktischerweise auch ausgebildete Tischlerin, was sich beim Erstellen von Demo-Materialien, beim Transport und beim Aufbau als ideal erweist. Roland Egger (48) stammt aus Osttirol. Seit 1998 lebt er in Goldwörth (Bezirk Urfahr-Umgebung). Seit 2005 ist der Biologe und Unternehmensberater Obmann des Vereins „atomstopp_atomkraftfrei leben!“

Mütter gegen Atomgefahr

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