Kultur und Regionalentwicklung

Günther Marchner (links) und Karl Bauer
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Der Kulturwissenschafter Günther Marchner war auf Einladung der Kulturinitiative „kunst ost“ nach Gleisdorf gekommen. Im Rahmen der Serie „talking communities“ ging es um Fragen der eigenständigen Regionalentwicklung im Kulturzusammenhang.


Aber was versteht man unter eigenständiger Regionalentwicklung? Diese Themenstellung ist seit den 1980er-Jahren im Kulturgeschehen der Oststeiermark präsent. Das meint im Prinzip: Wenn ich mit bestehenden Möglichkeiten anstehe, ratlos bin, und von außen keine Hilfe kommen wird, schon gar kein Wunder zu erwarten ist, was dann?

Dann muß ich aus dem Bestehenden heraus mein Denken ändern können und im Vertrauten finden neue Ansätze, damit die Dinge wieder in Bewegung kommen. Um das nun nicht gar so abstrakt zu finden, muß man sich konkrete Prozesse ansehen. Das bedeutet, in der eigenständigen Regionalentwicklung sind keine Ruckzuck-Ergebnisse möglich, weil neue Optionen zuerst einmal gedacht und dann erprobt werden müssen.

Das nimmt Zeit in Aspruch, das muß auch den Wg in Sackgassen und retour zulassen. Logisch. Wäre jemand vorher schon schlau genug gewesen, um Sackgassen und Irrtümer zu vermeiden, hätte sich ja gar nicht erst die Anforderung nach Innovation gestellt.

Marchner ist freier Wissenschafter mit einer Basis in Geschichte und Politikwissenschaft, befaßt sich seit Jahrzehnten mit Theorie und Praxis solcher Verfahrensweisen. Er ist nicht nur Prozeßberater- und Begleiter. Bei manchen Vorhaben geht Marchner auch selbst in die Praxis.

Das ist etwa der Zusammenhang bei seinem Arbeitsansatz „Wissen schafft Praxis“. Die daraus nun hergeleitete Zusammenarbeit mit der Gleisdorfer Plattform „kunst ost“ hat eine längere Vorgeschichte. Für 2013 ist ein intensiverer Reflexions- und Evaluierungsschritt vorgesehen. Das soll nicht nur regional klarer machen, wo „kunst ost“ mit seiner Kulturarbeit angekommen ist.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei der Blick nach Europa, wofür ein Austausch mit anderen Kulturformationen geplant wurde. Im Sinne einer „Best Practice“ regionaler Kulturinituiativen, mit der Frage: Was bewährt sich abseits der Landeszentren?

Der Gleisdorfer Gemeinderat Karl Bauer fand Marchners Ausführungen so anregend, daß er vorschlug, den Kulturwissenschafter für einen Input in den Kulturausschuß der Gemeinde einzuladen. Eine ungewöhnliche Entwicklung, in welcher die Stadt Gleisdorf Impulse von der kulturellen Basis her aufgreift und einen Horizont eröffnet, der kulturpolitisch über Ortsgrenzen hinausweist.

Damit ist auch eine Arbeitsebene des Kunstprojektes „the track: axiom“ eröffnet, auf der gesamtgesellschaftliche Fragen und Entwicklungen bearbeitet werden.

+) „talking communities“: [link]
+) „the track: axiom“: [link]

Wo: Gasthaus Wurm, Franz-Josef-Straße 26, 8200 Gleisdorf auf Karte anzeigen
Günther Marchner (links) und Karl Bauer
Irmgard Eixelberger und Christian Strassegger
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