02.09.2016, 08:30 Uhr

"Für Patienten wird's oft teuer"

Joan Klee ist Vorsitzende des Physiotherapeutenverbandes in Tirol.

Physiotherapie feiert 100 Jahre und steht vor vielen Herausforderungen

Stadtblatt: Die Physiotherapie ist ein breites Fachgebiet. Welches sind die wichtigsten Tätigkeitsfelder der Therapeuten?
Joan Klee: In Tirol ist natürlich die Rehabilitation nach Sportunfällen ein großes Thema. Hier gibt es eine Reihe von KollegInnen, die darauf spezialisiert sind. Aber auch aufgrund der steigenden Lebenserwartung wird die Rehabilitation nach neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfällen immer wichtiger. Hinzu kommen natürlich auch Bandscheiben- und andere Rückenprobleme, die aufgrund unserer geänderten Arbeitswelt immer häufiger werden.
Wobei doch gerade Haltungsschäden bei Kindern immer häufiger werden?
Das stimmt nur bedingt. Man hat früher teilweise nicht so genau hingeschaut, gleichzeitig bewegen sich Kinder generell nicht mehr so viel wie früher. Darin besteht eine große Herausforderung. Vor allem, weil man bei Kindern durch frühzeitige, korrekte Behandlung viele Folgeschäden verhindern kann. Leider gibt es in Tirol abseits des Zentralraums Innsbruck jedoch nur sehr wenige TherapeutInnen, die sich auf die Arbeit mit Kindern wirklich spezialisiert haben. Nicht nur der orthopädische Bereich ist ein Problem, die therapeutische Behandlung von neurologischen und chronischen Erkrankungen bei Kindern bedarf extensiver fach-spezifischer Ausbildung seitens der Physiotherapeuten und enger Zusammenarbeit im Team – Eltern, Therapeuten, Ärzte, Psychologen, Kostenträger.
Für Betroffene ist eine Therapie aber doch meist mit hohen Kos-ten verbunden?
Ja, für die Patienten wird's oft teuer. Das ist die größte Herausforderung, vor der wir als Physiotherapeutenverband – als Berufsvertretung – stehen. Es gibt nur wenige Therapeuten, die einen Kassenvertrag haben, da man von dem derzeitigen Tarif von 45,24 Euro brutto in der Selbstständigkeit nicht überleben kann. Und bei Wahltherapeuten ist der Selbstkostenanteil oft sehr hoch. Hier muss es uns gelingen, neue Wege auch in der Zusammenarbeit mit den Kostenträgern zu gehen.
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