20.06.2016, 11:24 Uhr

Buchpräsentation: Natürliche Buchenwälder des Nationalpark Kalkalpen

Nationalpark Direktor Erich Mayrhofer überreicht Bundesminister Andrä Rupprechter die neue Nationalpark Publikation – Natürliche Buchenwälder des Nationalpark Kalkalpen (Foto: Nationalparks Austria)

Internationalen Studien zufolge kann der Nationalpark Kalkalpen als größte zusammenhänge Schutzgebietsfläche mit einem signifikant hohen Anteil an Buchen-Altbeständen im Buchenverbreitungsgebiet der Alpen bezeichnet werden.

MOLLN. Die wertvollsten dieser Buchenwälder – 5250 Hektar – wurden als potenzielle Weltnaturerbe-Fläche eingereicht und werden in den Sommermonaten 2016 von Experten der Weltnaturschutzunion (IUCN) begutachtet.

Diese Fläche erstreckt sich über eine Höhenamplitude von 396 bis hin zu 1450 Metern Seehöhe. Die Buchenwälder im Nationalpark Kalkalpen stocken von der submontanen/tiefmontanen Stufe, in der sie als reine Buchenwälder ausgebildet sind, bis hin zur hochmontanen Stufe, in der sich zur Buche auch Tanne und Fichte gesellt. Die höchstgelegen Buchenbestände reichen bis etwa 1.450 Meter Seehöhe.

Insgesamt treten sechs verschiedene Buchenwaldgesellschaften auf:
- Zyklamen-Buchenwald,
- Schneerosen-Buchenwald (Helleboro nigri-Fagetum): endmische Gesellschaft für die nordöstlichen Kalkalpen (nur in diesem begrenzten Gebiet vorkommend)
- Waldmeister-Buchenwald,
- Karbonat-Alpendost-Fichten-Tannen-Buchenwald,
- Lehm-Fichten-Tannen-Buchenwald,
- Hochmontaner Karbonat-Buchenwald.

Die Vielfalt an geologischen Ausgangsgesteinen, die große Mannigfaltigkeit an Bodentypen, sowie die unterschiedlichen Geländeformen und die große Höhenamplitude (submontan bis hochsubalpin) sind verantwortlich für die hohe Standortsvielfalt und die überdurchschnittlich hohe Zahl an verschiedenen Biotoptypen. Die vorkommenden Buchenwälder bilden aus diesem Grund auch das gesamte Spektrum an möglichen Buchenwaldtypen im Nordostalpenraum ab.

Durch die großen Höhenunterschiede im Gelände (Reliefenergie), die meteorologischen Verhältnisse und die hohe Natürlichkeit laufen im Gebiet eine Vielzahl an komplexen und hochdynamischen Prozessen ab. Hohe winterliche Niederschläge sind kennzeichnend, wobei die Auswirkungen des Schneereichtums vielerorts sichtbar werden:

• Lawinen reißen immer wieder Schneisen in die Waldlandschaft.
• Als Anpassung an die mechanische Belastung (Schneedruck) bildet die Buche und auch andere Baumarten in Lawinenbahnen und an steilen Standorten den typischen Säbelwuchs aus, der im Nationalpark vielerorts sichtbar ist.
• Die hohe Integrität (Unversehrtheit) der vorgeschlagenen Buchenwälder ist vor allem durch die Naturnähe der Wälder gegeben:
• 26 % der Wälder sind als natürlich und 50 % als naturnahe zu bezeichnen,
• 438 Hektar konnten als Urwälder ausgewiesen werden.
• Dendrochronologische Untersuchungen an drei Urwaldflächen zeigen ein mittleres Baumalter von 250 bis 304 Jahren aus. Highlight war der Fund einer mittlerweile
• Mit 525 Jahren konnte eine alte Buche als älteste im Alpenraum identifiziert werden.
• Die hohen Populationsdichten des Weißrückenspechtes (110 bis 130 Brutpaare) im Gebiet, sowie der Nachweis von 21 Urwald-Relikt-Käferarten unterstreichen die hohe Vielfalt in den Wäldern.

Seltene Buchen-Urwälder

Buchenurwälder, aber auch naturnahe Buchen-Altbestände sind in Europa mittlerweile sehr selten geworden. Einzigartig für die Alpen findet man an den steilen Nordhängen des Sengsengebirges im Nationalpark Kalkalpen auch Waldbestände, die von Buche und Lärche geprägt sind, zwei Baumarten, die gegensätzlicher fast nicht sein könnten“, teilt Nationalpark Direktor Erich Mayrhofer mit. Dieses gemeinsame Auftreten kann als klares Alleinstellungsmerkmal für die Kalkalpen bezeichnet werden.

Der Nationalpark Kalkalpen leistet zum seriellen Weltnaturerbe wertvolle Beiträge:
- Erweiterung des bestehenden Weltnaturerbes um das alpische Buchenverbreitungsgebiet
- Größte Schutzgebietsfläche mit hohem Anteil an Buchen-Altbeständen im Buchenverbreitungsgebiet der Alpen
- typisches Buchenwald-Spektrums insbesondere im tiefmontanen/submontanen Bereich Vorkommen einer endemischen Buchenwaldgesellschaft (Helleboro nigri-Fagteum – Schneerosen Buchenwald)
- Große Höhenamplitude wird abgedeckt
- Vielfältige dynamische Prozesse

Buchen-Lärchen-Wälder als Besonderheit der Kalkalpen

Die Qualität und der strenge Schutz der Buchenwälder des Nationalpark Kalkalpen und des benachbarten Wildnisgebietes Dürrenstein könnte für Österreich die erste Auszeichnung zum UNESCO Weltnaturerbe bedeuten. Im Jänner dieses Jahres reichten die beiden Schutzgebietsverwaltungen mit weiteren elf europäischen Ländern und insgesamt 33 Schutzgebieten die notwendigen Bewerbungsunterlagen, die von der UNESCO bereits erfolgreich auf Vollständigkeit geprüft wurden, ein. Die Entscheidung, ob die Buchenwälder zum Weltnaturerbe erklärt werden, fällt voraussichtlich im Juni 2017 bei der jährlichen Sitzung des Welterbe-Komitees.

16. Schriftenreihe des Nationalpark Kalkalpen

Die mittlerweile 16. Schriftenreihe des Nationalpark Kalkalpen – Natürliche Buchenwälder des Nationalpark Kalkalpen - widmet sich daher ganz dem Thema Buchenwälder. Auf 160 reich bebilderten Seiten erfahren Sie Interessantes über die Einwanderungsgeschichte der Rotbuche, die Qualität und Diversität der Buchenwälder im Nationalpark und über die tierischen und pflanzlichen Bewohner des Buchenwaldes. Darüber hinaus wird ein vergleichender Blick über Österreichs Grenzen hinaus gemacht.

Das Fachbuch(Preis: 14,50 Euro) gibt es in allen Nationalpark Kalkalpen Besucherzentren und es wird zugesandt. Nationalpark Zentrum in Molln: Telefon 07584/3651, E-Mail: nationalpark@kalkalpen.at.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.