22.03.2016, 16:00 Uhr

Guggenberger: "Trotz aller Bedrängnis zusammen stehen"

Generalvikar Engelbert Guggenberger: "Zu Ostern feiern wir, dass die Liebe stärker ist als der Tod. Das werden auch Menschen verstehen, die einer anderen Religion angehören." (Foto: Pressestelle)

Generalvikar Engelbert Guggenberger dazu, wie es gelingen könnte, Menschen anderer Religionen das Osterfest näherzubringen.

WOCHE: In diesem Jahr sind mehr Menschen anderer Religion in Kärnten. Können Kärntner ihnen das Osterfest und seine Bedeutung näherbringen?
GUGGENBERGER: Das ist sicherlich möglich. Denn die Botschaft von Ostern hat eine tiefe Bedeutung für das Leben. Zu Ostern feiern wir, dass die Liebe stärker ist als der Tod. Das werden auch Menschen verstehen, die einer anderen Religion angehören.

Wie könnte das gelingen?
Indem wir diese Menschen zum Beispiel an unserem Brauchtum teilhaben lassen. Eine erste Möglichkeit könnte darin bestehen, dass wir sie zur Osterjause einladen. Die Kinder könnten darüber hinaus an jenem Brauchtum teilnehmen, das eigens für Kinder entwickelt wurde - wie das Osternestelsuchen oder das Palmbuschentragen. Schließlich könnte man sich bei einem der vielen Osterspaziergänge, den so genannten Emmausgängen, treffen, die am Ostermontag in einigen Pfarren organisiert werden. Wenn Menschen, die nicht einer christlichen Glaubensgemeinschaft angehören, so am Osterfest teilnehmen, bekommen sie auch einen Zugang zu seinem Inhalt und stellen vielleicht fest, dass der Grundgedanke von Ostern auch in ihrer Religion vorkommt.

Viele Flüchtlinge sind auch durch Leid und Schmerz gegangen, um zu uns gelangen. Was kann Ihnen die Osterbotschaft sagen?
Diese Menschen haben viel Schlimmes durchgemacht, bevor sie zu uns gekommen sind. Die Feier von Ostern lädt uns ein daran zu glauben, dass unser Gott ein Gott des Lebens ist. Freilich nimmt uns dieser Glaube auch in die Pflicht. Wir sollten uns dafür einsetzen, dass die Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, auch entsprechende Hilfe finden. Gleichzeitig muss man ehrlich prüfen, in welcher Weise man diesen Menschen Heimat, Zukunft und konkrete Arbeitsplätze anbieten kann.

Die Flüchtlingssituation reißt einen Graben zwischen Kärntner, die unterschiedlicher Auffassung sind. Bereitet Ihnen das Sorgen?
Selbstverständlich. Die gegenwärtige Situation ist nicht nur in Kärnten, sondern in ganz Europa eine große Belastungsprobe für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Menschen sind verunsichert, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Sie fürchten um den Verlust von Wohlstand, Arbeitsplätzen und Sozialleistungen, sowie auch um die Schwächung unserer kulturellen und religiösen Identität. Diese Ängste und Sorgen sind ernst zu nehmen.

Wie kann eine Besinnung auf Ostern diese Gräben schließen?
Zunächst einmal gilt es auf die Verunsicherung der Menschen durch ein kluges und ehrliches Handeln politischer Verantwortungsträger zu reagieren. Dabei kann auch der christliche Glaube helfen, der uns ja ermutigt, uns den Herausforderungen unseres Lebens zu stellen und uns für eine bessere Welt einzusetzen.

Das Land Kärnten steht vor einer großen Herausforderung, viele fürchten um die Zukunft. Macht Tod und Auferstehung Jesu Hoffnung?
Die Botschaft von der Auferstehung ermutigt uns an den Sieg des Lebens zu glauben. Gleichzeitig muss aber jeder einzelne an seinem Platz seine Verantwortung wahr nehmen. Der Glaube schenkt uns Mut, dispensiert uns aber nicht vom Handeln.

Wie sehr muss etwas - am Beispiel des Lebens Jesu - ein Ende finden, damit etwas Neues entstehen?

Tatsächlich verläuft das Leben oft nach diesem Gesetz. Allerdings fällt es uns nicht leicht, einem solchen Vorgang zuzustimmen, wenn wir selbst davon betroffen sind. Wenn es uns aber gelingt, eine Verlusterfahrung so zu deuten, haben wir wahrscheinlich die Talsohle bereits erfolgreich überwunden.

Was wünschen Sie sich für das Land und seine Menschen?
Dass die Menschen trotz aller Bedrängnis zusammen stehen, sich nicht gegeneinander ausspielen lassen und gemeinsam versuchen, die Herausforderungen zu bewältigen.

Welche besonderen Gedanken wollen Sie selbst dieses Jahr beim Auferstehungsfest pflegen?
Die Katholische Kirche in Kärnten hat in diesem Jahr an besonderen Orten sechs symbolische Türen öffnen lassen. In Gurk, Maria Luggau, St. Nikolai/Villach, Maria Loreto, Heiligengrab und in der Domkirche hat man so genannte "Pforten der Barmherzigkeit" errichtet und geöffnet. Damit soll zum Ausdruck kommen, dass die Türen unseres Lebens weit offen stehen, weil Gott ein Freund des Lebens ist. In dieser Haltung werde ich heuer Ostern feiern.

Interview von Chefredakteur Gerd Leitner.
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