02.08.2016, 10:39 Uhr

Reinhard Scherzer: "Mit der Milch kauft jeder die Natur mit"

Business Lunch im Gasthof Prunner in Gmünd: Kärntnermilch-Obmann Reinhard Scherzer mit Gerd Leitner (Foto: Niedermüller)

Reinhard Scherzer ist neuer Obmann der Kärntnermilch. Er appelliert, heimische Produkte zu kaufen.

KÄRNTEN. Bald 20 Jahre ist Landwirt und Obmann der Kärntnermilch, Reinhard Scherzer, der Familie Prunner in Gmünd verbunden. Wenig überraschend nimmt er für den Business Lunch im Traditionsgasthof Platz.
"Ich bin in den ländlichen Raum verliebt", gesteht Scherzer. Das ist auch einer der Gründe, warum er sich entschieden hat, die Obmannschaft der Kärntnermilch zu übernehmen – und das in einer "existenzbedrohenden Situation" für die Milchbauern im Land angesichts der niedrigen Milchpreise. "In schwierigen Zeiten beschäftige ich mich immer mit der Vergangenheit", erzählt Scherzer. "Es hat immer Krisen gegeben."
Es gebe aber auch jetzt "Leute, die von ihrem Hof leben können". Den Grund sieht Scherzer im Innovationsgeist der Landwirte. "Es gibt nie nur eine Möglichkeit, einen Hof zu führen, sondern viele."
Die derzeitige Situation ist eine besondere Herausforderung. "Wenn Landwirte in Gunstlagen nicht mehr von ihrem Betrieb leben können, ist etwas falsch", sagt er klar. Eine Lösung liegt auf der Hand: "Die größte Macht hat der Konsument", will Scherzer das Bewusstsein stärken. "Wer Kärntnermilch kauft, schafft ländlichen Raum – man kauft die Natur mit."

Für gesunde Milchkühe

Der neue Obmann schwärmt auch von der Qualität der rund 400 Produkte. "Wenn ein Milchbauer ein Problem hat, fährt ein Hofberater sofort auf den Betrieb und reagiert", erläutert Scherzer. Damit sei die Gesundheit des Tieres gewährleistet. "Das ist auch der Grund, warum wir so viele Auszeichnungen für unseren Käse erhalten", ist er überzeugt.
Selbst achtet Scherzer freilich auch auf seine 40 Milchkühe. "Das Entscheidende ist, dass sich die Tiere wohl fühlen", sagt er. Milchkühe in Kärnten werden deutlich älter als etwa in Deutschland, und bekommen durchschnittlich vier Kälber im Laufe ihres Lebens. "Wir könnten es uns anders gar nicht leisten", so Scherzer.
Was der Kärntnermlich-Obmann vermisst, ist die Unterstützung der Politik – etwa nach dem HCB-Skandal. "Im Land ist alles bereinigt, außerhalb Kärntens nicht", beurteilt er die Situation. Bis zu 50 Prozent Einbußen musste man nach Bekanntwerden der HCB-Werte hinnehmen. "Die Politik muss uns helfen, das Image außerhalb des Landes wieder zu verbessern", fordert er.
Einen Appell richtet Scherzer an die Kärntner Politiker auch, wenn es um den Einkauf für öffentliche Institutionen geht. "Da darf es nichts anderes als Kärntner Produkte geben." Die Politik habe es in der Hand. "Wenn es den politischen Willen gibt, ist alles umsetzbar."

Kärnten auf dem Tisch

Ähnlich sieht er die Sachlage in der Hotellerie und Gastronomie. Auch dort wünscht er sich, dass mehr Produkte aus Kärnten angeboten werden. "Man hat oft den Eindruck: Je mehr Sterne ein Betrieb hat, desto weiter holt er die Produkte zu uns", kritisiert er. "Es muss ein Selbstverständnis einkehren; das kann man Hoteliers nicht verordnen."
Ein Dorn im Auge sind Scherzer Preisdiskussionen, wenn es um heimische Produkte geht. "Niemand trinkt mehr Milch, wenn sie billiger wird", ist er überzeugt. Eine Preissteigerung von zehn Prozent bei allen Milchprodukten bedeute Mehrkosten für den Einzelnen von 30 Euro im Jahr.

In Gmünd serviert man eigene Produkte

Früher war der Gasthof Prunner auch eine Brauerei, nach dem ersten Weltkrieg führte die Familie Landwirtschaft und Gastronomie weiter. Auch heute noch serviert Inhaber Kurt Prunner Produkte, die Bruder Peter erzeugt – Rind- und Schweinefleisch sowie Kartoffel und Milchprodukte. Vieles andere – etwa Honig, Eier sowie und Lammfleisch – stammt ebenfalls aus eigener Herstellung. Verarbeitet wird dies zu traditionellen Gerichten. Das Haus wurde von der AMA zum kulinarischen Erbe ernannt.

Zur Sache - Menü

Das Haus des Gasthofs Prunner in Gmünd wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Seit 1801 befindet es sich im Besitz der Familie Prunner.

Die Gastgeber servieren zu einem großen Teil Produkte aus der eigenen Produktion.

Beim Business Lunch servierte Kurt Prunner:

Frittatensuppe mit Wurzelgemüse

Gekochte Gustostücke vom Jungrind im Kupferkessel mit Apfelkren, Röstkartoffeln und Schnittlauchsauce

Hausgemachte Marillen-Topfen-Nudeln mit knusprigen Butterbröseln
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