15.05.2016, 10:22 Uhr

Offenheit ohne Wenn und Aber

Jetzt durfte ich endlich mal auf der Bühne des Burgtheaters sitzen (Foto: Reinhard Werner)
„Ja, es umgibt uns eine neue Welt“, Wolfgang Goethes Zitat aus einem Frühlingsgedicht steht als Zeichensetzung bei der Spielplan-Pressekonferenz des Burgtheaters. Intendantin Karin Bergmann, seit zwei Jahren im Amt, gebraucht oft das Wort „Offenheit“. Sie gibt ein politisches Statement ab, ohne zu sagen, was genau sie damit meint, und es gibt schon gar keine Wahlempfehlung. Und trotzdem wissen alle, wen und was sie meint. Sie spricht die Flüchtlingsfrage an und ist der Ansicht, diese und andere Umbrüche müssen sich im Spielplan zeigen. „Wir müssen lernen zu teilen“, sagt Bergmann. In der Eröffnungs-Premiere. „Torquato Tasso" – wir sind wieder bei Goethe – könnte als Motto über die jetzige Situation Österreichs und Europas stehen. Der drohende Verlust demokratischer Werte spaltet die Gesellschaft und schürt Ängste und Aggressionen.

Zudem berichtet Bergmann, dass die „Junge Burg“ in Zukunft “Offene Burg“ heißen wird. Sie will ein neues Klientel ansprechen, Menschen neugierig machen aufs Theater. Nicht nur innerstädtisch, sondern auch über Donau, an den Rändern von Wien. Es soll ein Bewegungsprozess in Gang kommen, wo Schauspieler Workshop-artig Begeisterung für Kultur auslösen und Probleme unserer Zeit ansprechen sollen.

„Endspiel“ von Samuel Beckett ist so ein Werk im übertragenen Sinn. Die Menschheit versteht nichts, die Überlebenden, die nicht überleben können, weil sich die eigene Selbstbestimmung zerschlagen hat. Der Theaterregisseur Peter Brook sagt dazu: „Sie haben die Eigenschaft von Panzerwagen und Idioten – man kann sie beschießen, man kann sie mit Cremetorten bewerfen - sie setzen ihren Weg gelassen fort.

Ein Schwerpunkt ist der griechische Mythologie gewidmet, zum Beispiel die „Orstie des Aischylos“ und „Die Perser“. Oder vermeintlich leichte Unterhaltung wie „Pension Schöller“ und „Liebesgeschichten und Heiratssachen“. Sie werden nicht glauben, was möglich ist, sagen die Dramaturgen, nicht genau, aber so ähnlich. Je zwei österreichische Erstaufführungen und Uraufführungen zeigen ein buntes und spannendes Spielplanbild.

Ob sich Bergmanns Wunsch, es möge auch in der neuen Regierung einen Minister für Kunst und Kultur geben, kann sich nach der Veröffentlichung dieses Beitrags schon als Wunsch ohne Hoffnung herausstellen.
Wenn man den Spekulation glauben darf, wird Ostermayer nicht mehr dem neuen Regierungsteam angehören, was sehr bedauerlich wäre.

Einen Wunsch kann ich der Direktorin erfüllen. Sie lädt zu einem Gespräch zu politischen und ethischen Fragen am 17.5.2016 um 18 Uhr ein. Teilnehmen werden unter anderem Oscar Bronner, Barbara Coudenhove-Kalergi, Michael Heltau, Elisabeth Orth. Kostenlose Zählkarten liegen bereit.

Infos und Tickets: www.burgtheater.at

Reinhard Hübl
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