22.03.2016, 18:45 Uhr

Freiheit und Superheld

Håkan Hardenberger, der Virtuose auf der Trompete
Manchmal denke ich mir: Was geht in den Köpfen von Komponisten vor, wenn sie unsterbliche Musik schaffen? In Beethovens Fidelio ist die Denkweise klar. Er ist beeinflusst durch das Aufbegehren der Massen in der Französische Revolution gegen die Usurpatoren. Die Willkür der Mächtigen, die ungestraft tun und lassen können, wie es ihnen beliebt, hat Beethoven ist seiner Freiheitsoper dokumentiert. Leonore wird nicht müde, ihren Gatten Florestan aus den Händen des Diktators zu befreien. In der Lenore-Ouvertüre – 3. Fassung – kommt Leidenschaft, Hingabe, Kampfbereitschaft und Kraft zum Ausdruck. „Dieses mein geistiges Kind hat mir vor allem anderen die größten Geburtsschmerzen, aber auch den größten Ärger gemacht“, befand Beethoven.

Wenig Ärger gab es bei der Wiedergabe dieses einzigartigen Werkes im Musikverein. Dem Tonkünstler Orchester Niederösterreich gelang unter der Leitung von John Storgårds eine bravouröse Leistung. Ebenso wie die 8. Symphonie, die nicht so einen dramatischen Aufbau hat wie die Ouvertüre. Sie ist leicht, von Heiterkeit und Lebensfreude geprägt, aber auch undurchschaubar. Sie beginnt ohne Einleitung, bedient alte und neue Elemente und beschreitet „im Spiel mit Konvention der damaligen Zeit eigentümliche musikalische Wendungen“.

Höchste Anforderungen stellt Brett Dean mit seiner Komposition „Dramatis personae“ an Orchester und Publikum. Schrille atonale Musik beschreibt den Weg eines heroischen Charakters, eines "Superhelden". Durchaus der schillernden Welt aus Actionfilmen und Comics entnommen, aber verwurzelt in den echten Gefühlen des klassischen Heldentums, schuf Brett Dean drei Tableaus, in denen die Trompete - der Held also - ihren Weg auf dieser Welt beschreitet. Eine besondere Motivation für Brett Dean war auch die Aussicht auf die Zusammenarbeit mit Håkan Hardenberger, dessen Virtuosität und Engagement für die Neue Musik der Komponist außerordentlich schätzt. (aus http://www.boosey.com). Hardenberger war auch im Wiener Musikverein zu Gast. Seine Trompeten-Soli waren von hoher Qualität, von viel Intensität. So entstand ein herrlicher Künstler-Schmelztiegel: Der Schwede Hardenberger und der Finne Storgårds setzten das konturenscharfe Werk des australischen Komponisten Dean mit Verve und Präzision um.

Next: Osterkonzert am 27.3.2016, 19,30, Grafenegg

Infos und Tickets: www.grafenegg.com

Reinhard Hübl
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