05.09.2016, 09:50 Uhr

Bankerl-Groteske: 3 Jahre Verhandlungen wegen 6 Stühlen

Die Bushaltestelle "Neubaugasse"/Schadekgasse: hier stehen zwei der sechs neuen Stühle.

Drei Jahre dauerten die Verhandlungen über sechs Stühle bei Busstationen – ein abgesagter Wettbewerb inklusive.

MARIAHILF. Umstrittene Projekte im Bezirk umzusetzen, ist eine schwierige Angelegenheit. Dass aber auch Angelegenheiten, bei denen eigentlich alle einer Meinung sind, jahrelang auf ihre Umsetzung warten, ist für Susanne Jerusalem von den Mariahilfer Grünen ein Beweis dafür, „wie langsam die Mühlen der Bürokratie in Wien mahlen“.

Im konkreten Fall geht es um eine Sache, die harmloser nicht sein könnte: die Aufstellung von Sitzgelegenheiten an Bushaltestellen der Linien 57A, 13A und 14A. Am 20. Juni 2013 – also vor mehr als drei Jahren – brachten die Grünen in der Bezirksvertretungssitzung einen Antrag ein, der dieses Anliegen zum Inhalt hatte. So weit, so gut. Was dann folgte, sorgt bei Jerusalem für Kopfschütteln. Mehr als ein Jahr später wurden elf Anträge zu elf Bushaltestellen in der Mobilitätskommission des Bezirks besprochen. Die Sitzung wurde vertagt und beschlossen, zur nächsten Sitzung auch die MA 19 (Stadtbild) und die MA 28 (Straßenbau) einzuladen. In dieser Sitzung trat dann auch noch eine weitere Stelle in Erscheinung: die MA 46 (Verkehrsangelegenheiten).

Penible Vorgaben

Von dort kamen äußerst genaue Vorgaben, die bei der Errichtung dieser Sitzgelegenheiten eingehalten werden müssen. Insbesondere die geringe Gehsteigbreite sorgte bei den betreffenden Haltestellen für Schwierigkeiten muss doch genug Platz bleiben, damit etwa Rollstuhlfahrer oder Kinderwägen noch an den Sitzgelegenheiten vorbeikommen. Um diesem Problem beizukommen, wurde nach einer Begehung am 29. Oktober 2014, an der 14 Personen teilgenommen hatten, vonseiten der MA 46 die Idee geboren, einen Wettbewerb auszuschreiben. Damit sollten platzsparende Sitzmöbel gefunden werden, die auf den schmalen Gehsteigen Platz haben – und auch stadtgestalterisch ins Bild passen. Wie sich aber bis zum Jänner 2016 herausstellen sollte, war ein Wettbewerb dann doch nicht nötig, denn es gibt bereits Sitzmöbel, die den Anforderungen entsprechen, schön bunt sind und gut ins Stadtbild passen. Also kein Wettbewerb.

Wo sind die bunten Sitze?

Wer sich nun wundert, wo die bunten Sitzgelegenheiten sind: Auch die kamen schlussendlich nicht. Seit Kurzem stehen zumindest an drei der betroffenen Haltestellen ganz gewöhnliche Einzelsitze, die man auch von zahlreichen anderen Stationen kennt. Auch vonseiten der Bezirksvorstehung lässt man durchklingen, dass es schwer zu verstehen sei, warum so "kleine" Anliegen manchmal so lange brauchen. Und verweist auch auf die vielen involvierten Stellen. "Natürlich geht so was viel schneller, wenn sich nur der Bezirk um die Angelegenheit kümmert." Schlussendlich hat dieser die Sache auch in die Hand genommen: Die sechs Stühle, die nun an drei Haltestellen stehen, wurden vom Bezirk bezahlt. Und dort ist man durchaus froh, dass es die klassischen Sessel geworden sind – man lege großen Wert auf die Armlehnen, denn diese seien etwa für ältere Menschen essenziell zum Aufstehen.

Weil nicht für alle Haltestellen eine Lösung gefunden werden konnte – schlichtweg, weil der Gehsteig manchmal nur 1,5 Meter breit ist –, wurde Bezirksvorsteher Markus Rumelhart (SPÖ) auch kreativ tätig: Etwa bei der 57A-Haltestelle Esterházygasse konnte er den Besitzer der dort befindlichen Frühstückspension überzeugen, im Rahmen der Schaufenster-Neugestaltung "Fensterbankerl" zu schaffen – auf denen sich müde Fahrgäste inzwischen gerne niederlassen.
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