26.04.2016, 11:30 Uhr

Eine Frau hat jetzt in Jungholz das Sagen

Beim Mountainbiken - hier am Gardasee - kann Karina Konrad besonders gut abschalten. (Foto: privat)

Karina Konrad ist Bürgermeisterin von Jungholz. Im Interview nimmt sie Stellung zur Aufgabe.

JUNGHOLZ (rei). Eine komplette Neueinsteigerin hat das „Ruder“ in Jungholz in die Hand genommen. Langzeitbürgermeister Bernhard Eggel stellte sich keiner weiteren Wahl, und so galt es, die Weichen in der Tiroler Exklave völlig neu zu stellen.

Was hat Sie dazu gebracht, in die Politik einzusteigen?
KONRAD:
Mir liegt Jungholz sehr am Herzen. Außerdem suche ich gerne neue Herausforderungen. Nach Absprache mit meiner Familie und meinem Arbeitgeber in Kaufbeuren war mir dann rasch klar, dass ich mich um das Amt der Bürgermeisterin bewerbe.

Sicher kein einfacher Schritt. Haben Sie schon etwas „Tritt“ gefasst?
Ich kenne Jungholz natürlich sehr gut, ich bin hier ja aufgewachsen. Ich habe aber schnell festgestellt, dass es vieles zu tun gibt, worüber ich mir früher nie Gedanken gemacht habe. Bernhard Eggel hilft mir aber stets weiter, wenn ich mit einer Frage komme.

War es schwierig, eine Liste zustande zu bekommen?
Nein, eigentlich nicht. Es haben sich erfahrene und neue Leute zur Verfügung gestellt. Eine Besonderheit ist sicher, dass alle Gemeinderäte durch Vorzugsstimmen in den Gemeinderat gekommen sind.

Wo liegen die Stärken von Jungholz?
Wir haben eine tolle Infrastruktur. Unsere kleine Gemeinde hat sicher einiges zu bieten. Da wurde vom alten Gemeinderat wirklich viel geleistet. Auf dem kann ich jetzt aufbauen.

Und wo liegen die Probleme?
Es ist schwierig, die Jungen im Ort zu halten. Viele zieht es früh weg, weil sie auswärtige Schulen besuchen müssen. Da bleiben dann viele in der „Ferne“ hängen, zumal wir ja nicht sehr viele Arbeitsplätze zu bieten haben.

Da trifft das Thema Bankenschließungen die Gemeinde vermutlich besonders hart, oder?
Ja, genau. Ein schwieriges Thema für uns. Wir waren ja „die“ Bankengemeinde weitum. Aber die Sparkasse hat inzwischen geschlossen, ebenso die Volksbank. Jetzt ist noch die Raiffeisenbank da. Ich hoffe, das bleibt so.

Ist Jungholz dafür als Tourismusort im Aufwind?
Auch hier müssen wir mit einem Rückgang leben. Zwei wichtige Hotels gibt es nicht mehr. Die Bettenzahl sinkt. Aber wir versuchen durch gezielte Aktionen die Attraktivität zu halten, bzw. weiter zu heben. Derzeit sind wir dabei, einen „Buchstabenweg“ zu installieren. Künstler gestalten dabei aus den Buchstaben des Ortsnamens an verschiedenen Stellen Kunstwerke, die man erwandern kann. Dann haben wir natürlich ein attraktives Skigebiet, und als Wanderregion ist Jungholz wirklich wunderschön.

Im Schul- und Kindergartenbereich arbeiten Sie eng mit dem Allgäu zusammen.
Ja, das funktioniert in beide Richtungen. Schüler aus Unterjoch werden bei uns unterrichtet, dafür sind unsere Kinder im Kindergarten Unterjoch bestens betreut.

Haben Sie ein persönliches Anliegen, das Sie umsetzen möchten?
Ein Dorfladen wäre enorm wichtig für uns. Eine Einkaufsmöglichkeit stärkt die Dorfgemeinschaft. Vielleicht schaffen wir es, ein solches Geschäft, ev. mit einem kleinen Dorfcafé dabei, aufleben zu lassen.
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