25.07.2016, 16:56 Uhr

Mit einem fremden Herzen zum Europameistertitel

Das größte Ziel von Rudi Hauer aus Lembach: „Ich möchte auch einmal Weltmeister im Golfsport werden.“ (Foto: Foto: gawe)

Rudi Hauer gewinnt die EM der „Herz- und Lungentransplantierten“. Er erzählt über seinen Weg dorthin.

LEMBACH. Fragt man Rudi Hauer (61) nach seinem größten sportlichen Erfolg, kommt spontan: „Das alleine, dass ich wieder Sport treiben kann, ist für mich nach der schweren Krankheit ein Wunder.“ Zur Vorgeschichte: Nach einer verschleppten Grippe 1984 bekam er eine Herzmuskelentzündung. Ein langwieriger Krankenhausaufenthalt war die Folge. Die Entzündung wurde zwar geheilt, der Herzmuskel war aber bereits massiv geschädigt. Für den passionierten Sportler ging plötzlich nichts mehr. „Ich war immer etwas müde. Das habe ich falsch gedeutet: ich dachte, ich müsste mehr trainieren“. Schleichend wurde sein Gesundheitszustand immer schlechter – schließlich musste der EDV-Spezialist vorzeitig in Pension gehen.

Langes Warten auf Herz

Nachdem er ein Jahr lang auf der Warteliste für eine Herztransplantation gestanden war, meldete sich im Juni 1997 sein „Pipserl“ erstmals: „Wir haben ein passendes Spenderherz“. Mit Vollgas und Polizeibegleitung ging’s von Lembach ins AKH Wien. Dann die große Enttäuschung: „Leider Herr Hauer, das Organ passt nicht“ wurde dem Vater zweier Töchter mitgeteilt. Abgemagert auf 47 Kilo verschlechterte sich sein Zustand zusehends. Die Implantation eines neuartigen „Kunstherzens“ sollte 1998 Abhilfe schaffen. „Auf meine Frage, wie oft diese Pumpe schon eingesetzt wurde, antwortete man mir: Ein paar Mal.“ Später erfuhr er: diese Weltneuheit war erst zwei Patienten eingesetzt worden, einer verstarb kurz danach, dem zweiten musste die Pumpe wieder entfernt werden. Er war also weltweit der erste, der mit diesem Kunstherz lebte. Die Leistung seines neuen Organs begann allerdings nachzulassen, schließlich erlitt er noch einen Schlaganfall. „Ohne den Rückhalt durch meine Familie hätte ich das damals nicht durchgestanden. Ich wollte meine kleinen Kinder nicht alleine lassen.

„Geschenkte“ 17 Jahre

Das nächste für ihn vorgesehene Spenderherz erwies sich als zu verkalkt. Schließlich erhielt er im Februar 1999 das passende Organ. Diesmal gelang es: „Nach dem Aufwachen fühlte ich mich so richtig gut und dieses Gefühl hat sich bis heute erhalten. Niemals werde ich dieses Glücksgefühl vergessen, bei offenem Fenster wieder das Vogelgezwitscher hören zu können.“ Manchmal denkt er über den Mann nach, in dessen Körper sein Herz vorher schlug: ‚Was wird das wohl für ein Mensch gewesen sein? – Ich bin einfach dankbar“.

Großartige sportliche Erfolge

Kurze Zeit später folgte bereits wieder die erste Runde auf dem Golfplatz, ohne außer Atem zu kommen. In der Klasse der „Herz- und Lungentransplantierten“ gibt der Finanzchef des Golfklubs Pfarrkirchen seitdem bei den Wettkämpfen so richtig Gas: Reichte es bei den Europameisterschaften 2008 in Vichy (FR) zur Bronzemedaille, so darf er sich seit der EM 2012 in Appeldorn (Holland) „Europameister“ im Golfsport nennen. Einseitig Sport treiben, ist nicht seins: 2014 kam er aus Vilnius (Litauen) mit drei Gold- und einer Silbermedaille im Schwimmbewerb heim. Bei den österreichischen Schimeisterschaften leuchtet sein Name ebenfalls von der Anzeigetafel. Zum Drüberstreuen wird „Rudi“ bei den Weltspielen in Malaga (Spanien) 2017 im Tischtennis um Medaillen kämpfen.
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