21.06.2016, 15:21 Uhr

Gut sehen auch im Alter

Dres. Yosuf El-Shabrawi und Edeltraud Lenhard

Im letzten Spittaler MINI-MED-Vortrag des Semesters referierte Augenheilkundler Yosuf El-Shabrawi

SPITTAL. Mit einem recht locker vorgetragenen Referat über die häufigsten Augenerkrankungen ab 50 wurde das erste MINI-MED-Semester abgeschlossen. Im voll besetzten Ahnensaal von Schloss Porcia verstand es Yosuf El-Shabrawi, Leiter der Abteilung für Augenheilkunde und Optometrie am Klinikum Klagenfurt, die recht komplexe Materie anschaulich den MINI-MED-Studenten näher zu bringen. Die Einführung sprach wieder die Spittaler Medizinerin Edeltraud Lenhard.

Wenn in der Netzhaut des Auges ein Blutgefäß “verstopft”, kann es zu einer Verschlechterung der Sehfähigkeit bis zur Erblindung kommen. Man spricht dann von einem Gefäßverschluss. Unterschieden werden zwei Hauptgruppen: Verschlüsse von Venen (Thrombosen) und Verschlüsse von Arterien. Die Arterienverstopfung wird auch “Schlaganfall im Auge” genannt. Nur, so der 49-Jährige: Weil diese Form von Schlaganfall "nicht so sexy" wie die im Gehirn sei, sei sie auch weniger bekannt.

Bei der retinalen Arterienverstopfung erleidet die Netzhaut einen Infarkt, sie stellt ihre Funktion aufgrund von Sauerstoffmangel ein. Dauert der Verschluss der Arterie mehrere Stunden und ist komplett, stirbt die Netzhaut ab. In so einem Fall sei unbedingt ein Internist und/oder Neurologe aufzusuchen. Der häufigste Grund sei eine Embolie - ein kleines “Klümpchen” im Blut (ein Embolus), das ein Gefäß im Auge verstopft. Risikofaktoren seien hoher Blutdruck, Diabetes und Verengung der Halsgefäße. Bleibt ein Zentralarterienverschluss länger als vier Stunden unbehandelt, erblindet der Betroffene.

"Aber gehen wir weg von den Arterien, die sind so deprimierend, hin zu den Venen, da können wir etwas tun", fuhr der Ophthalmologe fort. Die Thrombose kann mit Blutverdünnungsmitteln verringert werden, ebenso durch eine Laserbehandlung der Netzhaut, seltener durch Spritzen. Bevor der Mediziner einen Film zeigte, wie eine Spritze in den Augapfel geführt wird, bat er sensiblere Naturen, die Augen zu schließen oder weg zu schauen, bevor man kollabiert.

Mit Laser soll auch der grüne Star verhindert werden. Diese heimtückische, schmerzhafte Erkrankung beeinträchtigt zunächst nur das periphere Sehen, mithin das aus dem Augenwinkel. Deshalb wird der grüne Star häufig zu spät, also erst dann erkannt, wenn bereits Schäden eingetreten sind. Therapeutisch lässt sich der Augeninnendruck mit Augentropfen senken, bei schweren Verläufen auch operativ.

Der weniger gefährliche graue Star ist eine altersbedingte Augenerkrankung, die prinzipiell jeden trifft. Pro Jahr führt El-Shabrawi in seiner Abteilung 5.000 Operationen durch, um die Eintrübung der Linse zu beseitigen. Zwar handle es sich meist nicht um Notfall-Operationen, doch sollte man "nicht allzu lange damit warten", riet der Experte.

Die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) schließlich, bei der die Sehfähigkeit im Zentrum des Gesichtsfeldes teilweise oder gänzlich verlorengeht, ist in den westlichen Industrienationen die häufigste Augenerkrankung, die jenseits des 50. Lebensjahrs zu schweren Seheinbußen führt. In Österreich leben derzeit etwa 125.000 Betroffene, jährlich kommt es zu 3.000 bis 4.000 Neuerkrankungen.

Auch wenn die meisten altersbedingten Augenerkrankungen nicht verhindert werden können, so kann doch manches für gesunde Augen getan werden: gesunde Lebensführung, nicht Rauchen und eine ausgewogene Ernährung. Gefragt von einem MINI-MED-Studenten, ob ein "Training" mittels Augenrollen hilfreich sei, erwiderte der Facharzt: "Wenn Sie subjektiv das Gefühl haben, es tut Ihnen gut, dann tun Sie es."
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