16.04.2016, 10:42 Uhr

24-Stunden-Job an 365 Tagen im Jahr

Blick auf die Eggeralm, die seit zehn Jahren auch gastronomisch genutzt wird (Foto: privat)
Flattach. Ein Leben, das ausschließlich den Tieren gewidmet ist, führt Maria Pacher. Die Almbäuerin bewirtschaftet den 200 Jahre alten Unteregger-Hof im mehr als 1.000 Meter hohen Grafenberg rund um die Uhr, rund ums Jahr. Im Winter geht ihr noch ihr Bruder Josef, von Beruf Baggerfahrer, zur Hand, um die 30 Rinder, zehn Schafe, zwei Pferde und Hühner zu versorgen.

Seit zehn Jahren Jausenstation

Doch im Sommer ist die 53-Jährige auf der Eggeralm in 1.890 Meter Höhe ganz allein auf sich gestellt. Ende Juni zieht die Almbäuerin in einem sechsstündigen Fußmarsch auf die bis Anfang Oktober geöffnete Alm mit ihrer 51 Hektar großen Weidefläche, in der sie seit zehn Jahren auch Gäste bewirtschaftet. Neben dem Vieh und dem siebenjährigen Labrador "Jago" sowie der neun Monate alten "Leila", einem Appenzeller Sennenhund, ist auch die seit eineinhalb Jahren bettlägerige Mutter dabei.

Spezialität: Glundner Kas

Auf der nur von Wanderern zu erreichenden Eggeralm stellt die einzige Flattacher Sennerin, die 1980 erstmals allein auf der Alm verantwortlich war, vier bis fünf Käsesorten her - neben Frischkäse wie Lipptauer und Kräuterkäse auch die Kärntner Spezialität Glundner Kas. Hinzu kommen Speck, Hauswürstchen, Brot und Milch. "Mein Arbeitstag hat dann 16 bis 18 Stunden", verrät Maria Pacher. Dann kann sie sich auch nicht mehr den "Luxus" leisten, alle zehn Tage hinunter ins nahe Außerfragant zu fahren.
Nicht, dass die Mölltalerin ihr ganzes bisheriges Leben in Flattach verbracht hat. "Eine fünfeinhalbjährige Heiratspause kam dazwischen", erzählt Maria Pacher mit einem gewissen Galgenhumor. In jener Zeit hatte sie in einer Werkskantine bei Innsbruck gearbeitet. Seit 1992 aber führt sie wieder gewohntes, entbehrungsreiches Leben.

Kanada als Traum

Hat Maria Pacher einen Traum? "Ich würde gerne in Kanada leben. Mich reizt die unendliche Weite, dass man weit und breit kein Haus sieht." Dabei hatte es vor einem halben Jahrhundert noch 17 Hütten, 1980 noch fünf nahe der Eggeralm gegeben, die jetzt als einzige übriggeblieben ist.
Der Süden reizt die Mölltalerin überhaupt nicht. Gerade mal drei Tage hatte sie auf der kroatischen Insel Krk ausgehalten, dann floh sie wegen der "Menschenmassen".
Eine reelle Zukunft für die Eggeralm sieht Maria nicht. "Die Arbeit ist eigentlich nur von zwei Menschen zu bewältigen. Und das ist zu kostenintensiv." Eine kleine Chance sieht sie darin, dass ihre jetzt zwölfjährige Nichte Julia einmal in ihre Fußstapfen tritt. Denn in den Ferien ist die Schülerin gerne auf der Alm, noch.

Zur Sache:


Die Zahl der Almen hat sich in Österreich zwischen 2000 und 2014 von 9.162, in Kärnten von 2.047 auf 1.872 verringert.

Die Zahl der Betriebe mit Almauftrieb ging in Österreich von 31.470 auf 25.811, in Kärnten von 5.325 auf 4.187 zurück.

Hirten wurden bundesweit 2000 6.698, 2014 6.874 gezählt, in Kärnten 5.325 beziehungsweise 4.187.

siehe auch: http://www.meinbezirk.at/wolfsberg/lokales/gesunde...

http://www.meinbezirk.at/wolfsberg/lokales/woelfe-...
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.