18.06.2016, 12:23 Uhr

"Forstarbeiter - einer der schönsten, aber auch gefährlichsten Berufe"

Armin Graf während eines Trainingslagers mit dem tschechischen Vizeweltmeister Martin Komarek (rechts) (Foto: KK)

Nationaltrainer Armin Graf zu den 17. Kärntner Waldarbeitsmeisterschaft

LENDORF/FRIESACH. Im Rahmen des 22. Holzstraßenkirchtages werden am 10. Juli in Friesach die 17. Kärntner Waldarbeitsmeisterschaft ausgetragen. Veranstalter sind die Forstliche Ausbildungsstätte Ossiach zusammen mit der Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Kärnten, dem Verein Kärntner Holzstraße Region Nockberge, der Holzstraßengemeinde St. Urban, Pro-Holz Kärnten, der Kärntner Landarbeiterkammer und der Kärntner Landjugend.

Armin Graf, Trainer des österreichischen Nationalteams für Waldarbeit, sagt dazu: "Die Waldarbeitsmeisterschaften sind neben dem normalen praktischen Unterricht im Wald eine wichtige pädagogische Ergänzung. Durch genaues Üben am Trainingsplatz wird jeder Baum im Wald zum Übungsbaum. Denn nur was im Wald exakt trainiert und umgesetzt wird, hält dem Wettbewerbsstress stand. Man kann nicht im Wald schlampig und beim Wettbewerb genau arbeiten."

Europas erfolgreichste Schule

Graf ist gelernter Förster und nach einer pädagogischen Ausbildung Lehrer an der landwirtschaftlichen Fachschule Litzlhof und zugleich Obmann des Waldsportvereines Litzlhof. Die LFS Litzlhof kann, wie der 54-Jährige berichtet, bei den Waldarbeitsmeisterschaften auf eine stolze Bilanz verweisen: Drei Olympiasiege, zehn Staatsmeister- und sechs Europameistertitel machen den Litzlhof zur erfolgreichsten Schule von Europa. Die Krönung ist jedoch der Weltmeistertitel von Mathias Morgenstern im Jahr 2014 in der Schweiz.

"Es lässt sich gutes Geld verdienen"

Die Waldarbeit ist jedoch nicht nur eine hochqualifizierte Arbeit, sondern es lässt sich auch gutes Geld verdienen. Die Bauern in Oberkärnten haben im Durchschnitt zwei Drittel Wald und ein Drittel landwirtschaftliche Nutzfläche. Armin Graf: "Wenn die Arbeit selbst gemacht wird, liefert der Wald einen wesentlichen Teil zum Familieneinkommen."

Maschinen im Vormarsch

In Zukunft werden jedoch immer stärker hochtechnisierte Maschinen im Wald zum Einsatz kommen. Dem Forwarder und Harvester beziehungsweise dem Prozesser im Seilgelände gehöre die Zukunft. Der Pägagoge: "Wir versuchen diesem Umstand Rechnung zu tragen, indem wir im praktischen Unterricht einen eigenen Harverster- und Forwarder-Simulator gebaut haben. Schüler können die Handhabung am Computer üben, bevor sie mit einem Gerät in Wirklichkeit arbeiten. Dieser Simulator wird bei der Klagenfurter Holzmesse das erste Mal zum Einsatz kommen."

Über 20 Tote jährlich

Zum Beruf des Forstfacharbeiters führt Graf im Gespräch mit der WOCHE aus, er sei "einer der schönsten und qualifiziertesten, aber auch gefährlichsten Berufe, die es gibt. Bäume trotzen jedem Sturm über 100 Jahre, dann kommt ein Forstarbeiter und der Baum muss dann gezielt dort hinfallen, wo es der Forstarbeiter plant. Dies erfordert eine Menge Erfahrung und Fachwissen, ansonsten wird es sehr gefährlich. Jährlich sterben in Österreich über 20 Familienväter bei Schlägerungsarbeiten im Wald."
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