02.05.2016, 13:05 Uhr

FoodCoops: Eine Gefahr oder die große Chance?

Vergrößertes Angebot im Ort durch FoodCoop: Auch Mitglieder des Ternberger Bauernmarkts sind bei Regional.Gut dabei. (Foto: Privat)

Konsumenten schätzen die FoodCoops als ideale Nahversorgung. Der WKO sind sie ein Dorn im Auge.

BEZIRK. Es gab Zeiten, in denen es auf dem Bauernmarkt in Ternberg nur ein „Standl“ gab, heute muss Obfrau Anni Felbauer schauen, wie sie alle sechs bis sieben Standl am Ortsplatz unterbringt. Der Markt findet ganzjährig jeden Samstag von 8 bis 10 Uhr statt. Je nach Jahreszeit und saisonalen Höhepunkten wechselt das Angebot regelmäßig. Derzeit erlebt der Markt eine Art Renaissance: Für frischen Wind im regionalen Angebot sorgt „Regional.Gut. Nationalpark Kalkalpen“.

FoodCoop „Regional.Gut. Nationalpark Kalkalpen“

Der Verein rund um Vinzenz Loimayr ist eine „FoodCoop“ (Lebensmittelkooperative). „Unser Schwerpunkt liegt auf den Urprodukten der heimischen Betriebe, die wieder mehr Wertschätzung erfahren sollen“, so Loimayr. Das Ziel des Vereins: Gemeinsam regionale (Bio-)Lebensmittel bei heimischen Bauern zu beschaffen. Am 13. Mai wird das neue „Marktstandl“, in dem die Konsumenten die vorab bestellte Ware abholen, eröffnet. Gebäude-Inhaber Hubert Mandl stellt dafür dem Verein die alte Sparkasse in Ternberg ein Jahr lang kostenlos zur Verfügung.
Regionales boomt: In ganz OÖ sprießen FoodCoops aus dem Boden. Gut gesonnen sind ihnen aber nicht alle.

„Gleiches Recht für alle“

Die Wirtschaftskammer fordert „gleiches Recht für alle“. Sprich: Dass auch die Betreiber der FoodCoops einen Gewerbeschein haben sollen. Das erscheint insofern plausibel, da sich jeder, der mit Lebensmitteln handelt, der Kontrolle der Gewerbebehörde, dem Betriebsanlagenrecht und der Lebensmittelaufsicht unterziehen muss. Laut WKO sei eine FoodCoop eine gewerbliche Einkaufsgemeinschaft. Die FoodCoops agieren demzufolge „rechtswidrig“, wie WKO-Präsident Rudolf Trauner betont: „Wir haben nichts gegen die neue Geschäftsidee ,FoodCoops‘, es gilt nur gleiches Recht für alle.“ Christian Kutsam, Obmann der Sparte Handel der WKO, stoßt ins selbe Horn: „Ich stehe hinter dem Gedanken, Regionales zu stärken. Aber wir müssen uns nun mal an die Regeln halten.“

Gespräch ist bereits geplant

So eindeutig ist die Sachlage allerdings nicht, und die FoodCoops sehen ihr Tun missverstanden. „Wir sind nicht gewinnorientiert, unser Verein ist nur die Schnittstelle, die die Abwicklung macht. Verdienen tun wir nichts dabei“, sagt Loimayr. Was er sich aber wünsche, sei Rechtssicherheit und die nötigen Rahmenbedingungen, um als FoodCoop bestehen bleiben zu können. Ein Gespräch mit der Wirtschafts- und der Bezirksbauernkammer sei bereits fixiert. „Es müssen gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle gelten. Wir sind nicht der Gesetzgeber. Aber alle anderen, die einen Gewerbeschein haben, wollen und müssen wir in Schutz nehmen“, sagt WKO-Bezirksstellenleiter Mario Pramberger. „Dass mit dem möglichen Gewerbeschein auch Lebensmittelkontrollen auf uns zukämen, das macht nichts. Schließlich hat es Qualität, was wir da tun“, so Loimayr. Als Vermittlerin zwischen den Fronten sieht sich Landtagsabgeordnete und Bezirksbäuerin Regina Aspalter: „Anderen FoodCoops werden zum Teil bereits mit Anzeigen gedroht. Es muss einen Weg geben, der für beide Seiten machbar ist – diesen gilt es, gemeinsam zu finden.“

ZUR SACHE

Eine FoodCoop (Kurzwort für „Food Cooperative“) zu Deutsch Lebensmittelkooperative, ist der Zusammenschluss von Personen und Haushalten, die selbstorganisiert großteils biologische Produkte direkt von lokalen Bauernhöfen beziehen. Historische Vorläufer sind die Konsumgenossenschaften des neunzehnten Jahrhunderts oder auch Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften. Mehr dazu auf: foodcoops.at

In Steyr-Land gibt es seit Herbst 2014 den Verein „Regional.Gut. Nationalpark Kalkalpen“. Bestellungen können jede Woche jeweils bis Montag 23:59 Uhr online getätigt werden. Die Abholung erfolgt am folgenden Freitag in der Abholstelle in der alten Sparkasse in Ternberg. Der Einkauf läuft bargeldlos. Am Monatsende werden die gesammelten Beträge abgebucht. Alle Infos auf www.regional-gut.at
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