20.06.2016, 14:33 Uhr

"Um das Würstel geht's mir nicht"

Verärgert war Franz Kerschbaum, da er keine klare Antwort erhielt. Nun soll eindeutig festgestellt werden ob er spenden darf oder nicht.

Wenn jemand helfen will, aber nicht darf: Beim Blutspenden hat die Sicherheit oberste Priorität.

BEZIRK (bt). Blutspender werden dringend gesucht. Umso weniger nachvollziehbar ist es für jene, die zum Spenden kommen, um dann abgewiesen zu werden. "In Sieghartskirchen haben sie mein Blut schon genommen und in Ollern nicht", ist Franz Kerschbaum ratlos. Ein Problem mit der Schilddrüse soll der Grund sein. "Sie sagen dann 'ein Würstel können Sie eh essen'. Aber um das geht's ja nicht", so der Kogler, der eine besonders seltene Blutgruppe hat.


Ausschlussgründe klar definiert

Da die Zuständigkeit bei der Blutspendezentrale in Wien liegt, telefonierten sich die Bezirksblätter zur Leiterin Ursula Kreil durch. Diese darf zwar keine Angaben zu Franz Kerschbaum machen, erklärt aber allgemein: Liegt eine Schilddrüsenunterfunktion ohne Autoimmunerkrankung vor, gibt es keine Probleme. Leidet der potentielle Spender aber an einer Autoimmunerkrankung wie Hashimoto-Thyreoiditis, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt, darf sein Blut nicht verwendet werden. "Das Problem ist, dass Eiweißstoffe im Plasma verändert sind", so Kreil. Liegen solche pathologischen Veränderungen vor, die Betroffenen wissen davon meist gar nichts, ist das ein Ausschlussgrund. Ganz so wie etwa Entzündungswerte nach einer leichten Erkrankung.

Sicherheit geht vor

Ein besonderes Dilemma ist das natürlich, wenn Spender mit einer besonders seltenen Blutgruppe, wie etwa AB negativ, die nur ein Prozent der Bevölkerung hat, abgewiesen werden müssen. "Alle Bestimmungen, auch wenn die sehr sehr sehr auf der sicheren Seite sind, dienen halt dazu die Patientensicherheit zu gewährleisten. Egal wie hoch die Not ist, wir können die Sicherheitsaspekte nicht biegen, um Spender zu bekommen", betont die Ärztin.


Sommervorräte gebraucht

"Wir schauen vor dem Sommer, dass wir unsere Lagerbestände auffüllen. Da kommen weniger Spender. Die EM tut übrigens auch etwas dazu", so Ursula Kreil. Während solcher Events denken nur Wenige an das Notfallmedikament Nummer eins. "Der Blutverbrauch selbst macht aber keine Sommerpause", appelliert die Ärztin.
Leben retten und gewinnen, machen Sie mit bei der "Herzblutchallenge" vom Roten Kreuz.

Zur Sache:

Nur ein Prozent der Bevölkerung hat die Blutgruppe AB negativ. Sechs Prozent haben die Blutgruppe 0 negativ, die für jeden verträglich ist. Der Rhesusfaktor negativ ist besonders gefragt, da 80 Prozent positiv sind. Momentan zählt jedoch jede Spende, egal welche Blutgruppe.
Haltbar sind die Konserven 42 Tage.
Die nächsten Termine im Bezirk Tulln: 26. Juni von 8 bis 13 Uhr im Feuerwehrhaus Ollern, 7. Juli von 16.30 bis 20 Uhr in der Volksschule Königstetten.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.