03.07.2016, 18:26 Uhr

Es gab einmal eine Zeit voller Entbehrungen; und dennoch spricht man noch heutzutage - von der guten alten Zeit!

Es gab einmal eine Zeit,
da gingen die Mädchen in Flügelkleidchen,
und trugen darüber eine gestärkte Schürze;
ihr langes Haar trugen sie zu Zöpfen geflochten.
Kurzhaarschnitte waren selbst für die Jungs undenkbar,
sie trugen meist einen Pagenschnitt.
Die Jungs liefen in blauen Matrosenanzügen herum,
oder in knielangen Hosen mit "messerscharfen" Bügelfalte.
Viele Kinder hatten eine Erzieherin.
Oft war das eine sehr strenge, stehts ernst blickende Dame
in einem schwarzen, hochgeschlossenen Kleid.
Meistens trug sie dazu hohe Schnürr - Knöpfstiefelchen.
Mit dieser Dame durften die wohlbehüteten Kinder
nur Französisch sprechen.
Sie gingen zusammen im Park spazieren
und fütterten die Wildenten am Bach.
Manchmal rauften sich die Straßenjungen,
aber die Kinder aus wohlsituierten Haus durften nicht mitraufen,
denn sie durften sich nicht schmutzig machen.
Man legte großen Wert auf Erziehung und korrekter Kleidung,
und widersprechen und ungehorsam waren verpönt.

Die Kinder spielten mit Puppen und Kasperlefiguren.
einem Stehaufmännchen und vielen Bleisoldaten;
mit Bauernhof mit Tieren und Bäumen;
mit Murmeln, Ballspielen, Springseil und Kastelhüpfen;
oder mit einem Steckenpferd oder Schaukelpferdchen.

Das gesamte Leben war "altmodisch"
und kräftezehrend für das Personal, für Mägde und Knechte,
denn es gab weder fließendes Wasser noch Stromleitungen.
Die Dienstmagd holte das Wasser vom Marktbrunnen.
Die Köchin kochte das Mittagessen in einer Rauchkuchel.
Ein großer Rauchfang war über dem Kohlenherd angebracht
und ein Waschtag war harte Knochenarbeit zu dieser Zeit.
Der Hygiene maß man keine allzu großen Bedeutung zu;
Spucknäpfe waren in den Räumlichkeiten aufgestellt,
und die Kindersterblichkeit war groß, zu dieser Zeit.
Viele starben an Tuberkulose oder sonstigen Lungenerkrankungen.

Am Abend saß die Familie um die Petroleumlampe.
Die Mutter strickte Wollsocken,
die Magd schürte das Feuer im Ofen,
der Vater las die Wochenzeitung,
und hin und wieder schaute er über den Rand seiner Nickelbrille,
oder nahm sein Monokel, sein Augenglas weg
wenn er auf die an ihn gerichteten Fragen antwortete.
Und die Großmutter erzählte Märchen,
und die Kinder zu ihren Füßen, hörten gespannt zu.

Manchmal kam Besuch ins Haus, die fuhren mit einem Pferdefuhrwerk vor.

In den Straßen aber gab es keine Neonbeleuchtung,
und die Handlaternen leuchteten in der Dunkelheit.
Durch die nächtlichen Straßen machte der Nachtwächter
allabendlich seine Runden.

Zu der Zeit war man gut betucht, wohlhabend oder bettelarm.
Die Erwachsenen waren mit bodenlangen Beinkleidern
und taillierten Gewändern bekleidet,
vorwiegend in dunklen Grau.- oder schwarzen Farbtönen.
Die Damen waren um die Taille mit einem Korsett eng geschnürt
und verließen ohne Kopfbedeckung und Handschuhen nicht das Haus;
die Herren trugen einen Gehrock und zylinderartigen Hut,
und schwenkten ihren Spazierstock.

So erzählte es mir einst meine Großmutter in Kindertagen!
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Hildegard Stauder aus Villach | 03.07.2016 | 19:56   Melden
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Elisabeth Schnitzhofer aus Tennengau | 05.07.2016 | 09:57   Melden
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