20.04.2016, 20:00 Uhr

„Irgendwann hat man keine Kraft mehr“

Daniela Holzinger-Vogtenhuber (2.v.r.) mit den Elternvertretern Gottfried Heiml, Doris Breinstampf und Gabriele Post (v.l.). (Foto: Vogtenhuber)

Besorgte Eltern fordern mehr Betreuungs- und Wohnplätze für Kinder mit Beeinträchtigungen.

VÖCKLABRUCK (ju). Mit einem Hilferuf lassen Eltern von Kindern mit Beeinträchtigungen aufhorchen. Sie drängen darauf, dass die Altersgrenze für Jugendliche in Hortbetreuung von 16 auf 18 Jahre angehoben wird. Weiters fordern sie mehr Plätze in Wohneinrichtungen und Tagesheimstätten.

„Das System in Oberösterreich ist gut. Aber es fallen noch immer viele durch“, sagt Gottfried Heiml, Vater von zwei behinderten Kindern im Alter von elf und 21 Jahren. „Eine wichtige Frage ist, was geschieht mit den Kindern nach dem 9. Schuljahr“, so Heiml. Er wisse, dass etwa die Tagesheimstätte der Lebenshilfe in Vöcklamarkt voll ausgelastet sei. Laut Sozialreferat des Landes sind im Bezirk Vöcklabruck 114 Personen vorgemerkt. Vier würden den Platz in einer Tagesheimstätte sofort benötigen, 33 innerhalb eines Jahres.

Mehrere Schwachstellen

„Es gibt Schwachstellen in verschiedenen Bereichen“, sagt SPÖ-Nationalratsabgeordnete Daniela Holzinger-Vogtenhuber. Eine ihrer vorrangigen Forderungen ist es, die Altersgrenze für die Betreuung in einem Hort von 16 auf 18 Jahre anzuheben. „Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf können unter bestimmten Voraussetzungen auch zwei Jahre nach der Schulpflicht noch unterrichtet werden“, so Holzinger-Vogtenhuber. Im Gegensatz zur Schule könne der Hort aber nicht mehr besucht werden. „Es entsteht somit in Oberösterreich eine Betreuungslücke, die nicht schlüssig erklärbar ist, sind die Kinder doch im entsprechenden Fall noch berechtigt, die Schule zu besuchen.“

Hortbetreuung ausweiten

Eine Regelung, die auch für die Frankenmarkterin Doris Breinstampf zum Problem werden könnte. Ihr 13-jähriger Sohn werde im Lebenshilfe-Hort in der Vöcklabrucker Pestalozzischule bestens betreut. Ob das auch nach der Schulpflicht noch der Fall sein wird, darüber könnte schon in dieser Woche eine Vorentscheidung fallen. In einer Sitzung des Bildungsunterausschusses beraten die Landespolitiker auch darüber.

Nicht genügend Wohnplätze

Eine weitere „Baustelle“ bei der Betreuung von jungen Erwachsenen mit Beeinträchtigungen ist der Mangel an geeigneten Wohnplätzen. Im Bezirk werden insgesamt 308 Wohnplätze benötigt, davon 22 sofort und 67 innerhalb eines Jahres. „Wir sind seit zehn Jahren vorgemerkt, aber bisher noch nie zum Zug gekommen“, sagt Gabriele Post, Mutter einer 28-Jährigen mit Down-Syndrom. Die Belastung für die Familie sei groß. „Irgendwann hat man die Kraft und die Nerven nicht mehr dafür“, macht sie sich Sorgen um die Zukunft.

Inklusionsfonds könnte helfen

„Mehrere hundert dringend benötigte Wohnplätze sind überfällig, es gibt lange Wartezeiten“, sagt Helga Scheidl, Präsidentin der Lebenshilfe Oberösterreich mit Sitz in Vöcklabruck. „Viele Eltern, die ihre Kinder oft über Jahrzehnte selbst zuhause betreut haben, sind nun inzwischen alt und oftmals selbst pflegebedürftig geworden.“ Vor diesem dringenden Bedarf dürften die Augen nicht verschlossen werden. Die Politik müsse sich rasch darauf einstellen, hofft Scheidl auf eine Entspannung durch einen Inklusionsfonds.
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