Finanzielle Engpässe durch Corona
Ein Viertel mehr Kunden in der Pfandleihanstalt
- Karin Meier-Martetschläger begrüßt seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie deutlich mehr Kunden am Währinger Gürtel.
- hochgeladen von Christine Bazalka
Karin Meier-Martetschläger betreibt eine Pfandleihanstalt am Währinger Gürtel. Immer mehr Kundinnen und Kunden belehnen bei ihr Autos oder Lebensversicherungen.
ALSERGRUND. Zuerst kamen die Gewerbetreibenden: Als Karin Meier-Martetschläger ihre Pfandleihanstalt im Frühjahr nach vier Wochen Lockdown wieder aufsperren durfte, kamen jene, denen die Einnahmen weggebrochen waren. "Sie haben ihre Firmenautos als Pfand eingebracht, weil sie Geld brauchten, während sie auf die zugesagte staatliche Unterstützung warteten", erzählt Meier-Martetschläger. Im Sommer konnten sie ihre Autos dann meist wieder auslösen. Doch nun, da die Corona-Krise schon länger andauert, kämen auch arbeitslos gewordene Menschen zu ihr, die ihre Lebensversicherungen belehnen.
In der 1975 gegründeten Pfandleihanstalt kann man ausschließlich Autos oder Lebensversicherungen als Pfand einbringen. Das frühere Verhältnis 80 Prozent Autos, 20 Prozent Versicherungen habe sich in letzter Zeit zugunsten der Versicherungen verschoben, sagt Meier-Martetschläger.
Überbrückung finanzieller Notlagen
Um ein Viertel mehr Kunden hat sie seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Aus zweierlei Gründen hat sie im Frühjahr die Zinsen gesenkt: "Ich habe die Zinsen auf die Hälfte reduziert, weil jeder seinen Beitrag leisten muss. Und auch, weil die Leute es sonst ohnehin nicht zurückzahlen können. Ein Prozent im Monat, also zwölf Prozent im Jahr, machen die Zinsen auf die Darlehen seitdem aus, dazu fallen noch Nebengebühren an.
"Hat man einen genehmigten Kredit, ist die Bank wohl günstiger", sagt Karin Meier-Martetschläger dazu. Sie weist aber auch daraufhin, dass die "ungenehmigten" Kredite bei der Bank, also das Überschreiten des Überziehungsrahmens, schnell noch teurer werden können als ihr Angebot. Pfandleihe sei aber prinzipiell für kurzfristige finanzielle Engpässe gedacht, die meisten Darlehen werden nach drei bis sechs Monaten wieder zurückgezahlt.
Bei Schulden im Gespräch bleiben
Meier-Martetschläger legt darauf Wert, dass ihre Kunden verstehen, welche monatliche Belastung auf sie zukommt. Auch sie profitiert davon, wenn das Pfand nicht einbehalten werden muss und zufriedene Kunden ein weiteres Mal den Weg zu ihr finden. Dass sie Autos von Kunden verkaufen muss, komme nur zwei bis dreimal im Jahr vor. Bei Schulden sei es das Wichtigste, im Gespräch zu bleiben: "Im Zweitjob bin ich Telefonistin."
Immer noch werde man komisch angesehen, wenn man "zur Pfandleiherin" geht, sagt Karin Meier-Martetschläger, auch wenn ihre Stammkunden durchaus auch der Mittelschicht angehören. "Manche stellen ihre Sportautos jeden Winter in unsere Garage, aber es gibt einen Prozentsatz, für den sind wir wirklich die zweite Bank", beschreibt sie die Spannbreite.
Die Pfandleihanstalt hat die Betriebswirtin und Juristin von ihrer Mutter, einer Bilanzbuchhalterin, übernommen. Meier-Martetschläger ist auch die Standesvertreterin ihrer Branche in der Wirtschaftskammer Wien und hat auch das Gütesiegel der WKO für Pfandleihanstalten ins Leben gerufen, an dem Kunden erkennen können, dass bestimmte Kriterien eingehalten werden: Etwa, dass sich das Unternehmen den Standesregeln unterwirft und die Geschäftsordnung auf der Homepage ersichtlich ist.
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