Alsergrunder Literaturbewerb
Valentin Ladstätter siegt mit Kindersitz und Klimakrise
- Valentin Ladstätter gewann mit einem Text über zwei verschiedene Welten den "9x9-Alsergrund erlesen" Literaturbewerb.
- Foto: Philli Kaufmann
- hochgeladen von Fabian Franz
Mit Valentin Ladstätter hat der Literaturbewerb "9x9 - Alsergrund erlesen" einen neuen Gewinner. MeinBezirk traf den Josefstädter zum Gespräch.
WIEN/ALSERGRUND. Die ersten Schreibversuche von Valentin Ladstätter reichen weit zurück. Bereits in der Unterstufe des Gymnasiums verfasste er erste Romanseiten im Deutschunterricht – mit positiver Resonanz. Seine Lehrerin war damals so begeistert, dass sie am liebsten das gesamte Buch gelesen hätte.
Über zwei Jahrzehnte hinweg blieb das Schreiben eine Konstante im Leben des Josefstädter Autors. Das Spektrum reicht von journalistischen Arbeiten bis hin zu literarischen Texten. Der Sieg beim Alsergrunder Literaturbewerb "9X9" gibt ihm hier recht.
Erfolg auch aufgrund des Genres
Seinen Erfolg führt er auch auf das gewählte Genre zurück. Während rein erfundene, fiktionale Stoffe in der Vergangenheit eher gemischte Ergebnisse brachten, liegt ihm das autofiktionale schreiben deutlich besser: "Die Quote bei den autofiktionalen Texten ist wesentlich besser als bei den anderen“, erklärt Ladstätter im Gespräch.
Texte, die auf eigenen Erfahrungen basieren, treffen beim Publikum offensichtlich einen Nerv, wie auch die Resonanz bei den Zusehern des Wettbewerbs zeigte. Diese übernahmen übrigens gleichzeitig die Rolle der Jury bei dem Bewerb.
Ein Weg durchs Alte AKH
Die Inspiration für seinen Siegertext entstand auf seinem täglichen Weg durch die Stadt. Da der Kindergarten seines Sohnes im 9. Bezirk liegt und die Familie im 8. Bezirk wohnt, führt die tägliche Route mit dem Fahrrad durch das Areal des Alten AKH. Eine kleine Beobachtung bildete schließlich den Aufhänger für die Erzählung: Ladstätters Sohn saß beim Radfahren hinten auf dem Kindersitz, strich dem Vater über den Rücken und sagte schlicht "Bauch".
- Das Publikum durfte abstimmen.
- Foto: Philli Kaufmann
- hochgeladen von Fabian Franz
"Das habe ich so lustig gefunden und gedacht: Das ist ein netter Einstieg. Von dort hat sich das dann entwickelt", so Ladstätter. Aus dieser familiären Alltagsszene entfaltet sich im Text ein Gegenüberstellen zweier Welten. Der Tag der Radfahrt markiert nämlich zugleich das Ende von Ladstätters Elternkarenz – es war sein letzter Tag in dieser.
Übergang in die "große Welt"
Mit der Rückkehr in das Berufsleben steht auch der Wechsel von der geschützten familiären Sphäre in unsere von Umbrüchen geprägte Welt bevor. Der Text verwebt dabei die persönliche Situation mit drängenden gesellschaftlichen Fragen. Ladstätter beschreibt den Übergang aus der "kleinen Welt, die hinter mir sitzt, in die große Welt, die mit all ihren Scheußlichkeiten wieder auf mich zukommt."
In Form einer Reflexion verarbeitet der Text Themen wie die Klima- und Biodiversitätskrise sowie die rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Dabei thematisiert der Autor auch das globale Dilemma, in dem Ressourcen verbraucht werden, weil man befürchtet, dass andere einem zuvorkommen. Mit dieser Verbindung aus privater Alltagsnähe und zeitkritischen Gedanken trifft Ladstätter eindeutig einen Zeitgeist. Das sah auch die Jury so. Den Text zum Nachhören findest du hier.
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