Brigittenau
Vom KPÖ-Verlag zum Wohnhaus, so geht es am Höchstädtplatz weiter
- Graffiti auf den Fenstern und Baucontainer um den Eingangsbereich. Beim Höchstädtplatz 3 herrscht Stillstand und Leere. (Archiv)
- Foto: Screenshot Google Maps
- hochgeladen von Michael Marbacher
Am Höchstädtplatz 3 türmt seit Jahrzehnten ein graues, achtstöckiges Gebäude. Hinter der Fassade regt sich seit Längerem nichts mehr. Was wurde aus den Wohnungsplänen der Projektentwickler?
WIEN/BRIGITTENAU. Wien wächst. An vielen Ecken ist das durch die Anhäufung von Neubauten erkennbar. Auch in der Brigittenau soll bis 2035 reichlich Wohnraum am ehemaligen Nordwestbahnhof entstehen. Aber während an der einen Stelle Gebäude abgerissen werden, um Platz für Neues zu schaffen, bleiben andere leer und sammeln Staub an.
Ein Beispiel in der Brigittenau befindet sich am Höchstädtplatz 3. Hier türmt ein graues, achtstöckiges Gebäude, direkt gegenüber der FH Technikum. Das Gebäude wurde 2017 bereits verkauft. Zwei Immobilienentwickler hatten geplant, bis 2023 Wohngebäude zu errichten. Aber was wurde daraus?
Kommunistischer Verlag
Ein Blick in die Vergangenheit liefert Hinweise, wie es weitergeht. Beim Höchstädtplatz 3 und dem angrenzenden roten Gebäude (Schütte-Lihotzky-Traktes) in der Meldemannstraße 12–15 handelt es sich nicht um irgendwelche leer stehenden Gebäude. Sie waren einst Bürogebäude und Druckerei des Globus-Verlags, von 1945 bis 1993 Parteiverlag der KPÖ. Daran erinnert heute noch eine vor dem Gebäude stehende Büste von Johann Koplenig. Er war KPÖ-Vorsitzender während der Zweiten Republik und einer der vier Unterzeichner der österreichischen Unabhängigkeitserklärung.
- Am Höchstädtplatz 3 passiert seit Jahren nichts mehr. Der graue Turm war das Bürogebäude, der rote Nebentrakt die Druckerhalle.
- Foto: Michael Marbacher/MeinBezirk
- hochgeladen von Michael Marbacher
2017 erwarben die Immobilienentwickler 6B47 Real Estate und Die Wohnkompanie den ganzen Häuserblock. Bis 2021 wollte man Wohnungen errichten. Weiter nördlich, Richtung Dresdner Straße, wurden bereits abschnittsweise Wohnbauten 2022 und 2023 fertiggestellt (mehr dazu unten).
Ein Denkmal im Bezirk
Bei den beiden noch leer stehenden Gebäuden wurde ein Umbau schwieriger: Das Bundesdenkmalamt hat sich während der Abrissarbeiten 2018 eingeschaltet. Seither steht die Fassade des grauen Bürotraktes und des roten Druckereigebäudes, inklusive der Stiegenhäuser, unter Denkmalschutz.
- Der rote Nebentrakt steht ebenfalls unter Denkmalschutz.
- Foto: Michael Marbacher/MeinBezirk
- hochgeladen von Michael Marbacher
"Dem ehemaligen Globus-Verlagsgebäude kommt geschichtliche, künstlerische und kulturelle Bedeutung zu. Die architekturhistorische Bedeutung, besonders im Hinblick auf die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000), ist dabei hervorzuheben. Schütte-Lihotzky war eine Wiener Architektin und die erste österreichische Frau, die Architektur studierte", heißt es von Andrea Böhm vom Bundesdenkmalamt.
Jenes Stiegenhaus, welches die beiden Trakte verbunden hatte, ist allerdings 2025 abgerissen worden. "Das Stiegenhaus war ein späterer Anbau und störte das Gesamterscheinungsbild mit seiner unpassenden Architekturausformulierung erheblich. Aus denkmalfachlicher Sicht wurde deshalb die Entfernung des Stiegenhauses und die Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes begrüßt und genehmigt", so Böhm weiter.
Ein neuer Nutzen
Mittlerweile zeigt sich die S+B Gruppe für den denkmalgeschützten Teil des Wohnblocks verantwortlich. Sie hat diesen dem mittlerweile insolventen Immobilienentwickler 6B47 Real Estate abgekauft. Die S+B Gruppe wollte die beiden Gebäude bis zum dritten Quartal 2023 als Wohngebäude bezugsfertig machen. Daraus wurde bisher aber nichts. Laut einer Unternehmenssprecherin gab es seitens der FH Technikum Wien, welche sich direkt gegenüber befindet, Interesse, die eigene Fläche zu erweitern.
- In der Dresdner Straße nach Norden hinab sind schon einige Wohnungen entstanden.
- Foto: HAWLIK GERGINSKI Architekten ZT GmbH
- hochgeladen von Kathrin Klemm
Aus langen Verhandlungsgesprächen sei aber nichts geworden. "Leider kam es zu keiner finalen Entscheidung – und so haben wir Ende 2025 / Anfang 2026 mit den Umbauarbeiten begonnen", so die Sprecherin. Ein neuer Fertigstellungstermin stehe fest: Bis 2028 möchte man die denkmalgeschützten Gebäude umbauen. Künftig sollen sich darin rund 160 Wohnungen mit ein bis drei Zimmern befinden.
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